Jüngste Stadtgeschichte: Corona beherrscht die Schlagzeilen der 2020er

50 Wirtsleute aus Ulm kamen mit leeren Stühlen aus ihren Betrieben auf den Münsterplatz (April 2020).
Matthias Kessler- Corona prägte Ulm und die Region in den 2020er-Jahren stark, beginnend mit dem ersten Fall im März 2020.
- Lockdowns führten zu leeren Straßen, geschlossenen Geschäften und zahlreichen Hilfsinitiativen.
- Pflegeheime wurden mehrfach von schweren Ausbrüchen betroffen, viele Todesfälle wurden gemeldet.
- Proteste spalteten die Gesellschaft, Impfkampagnen und Testzentren prägten den Alltag.
- Digitalisierung beschleunigte sich, langfristige Folgen wie Personalmangel und Long Covid bleiben.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Das kitzelnde Teststäbchen in der Nase oder das Ziepen der Maskenbänder am Ohr. Bibbernde Schüler in Winterjacken im Klassenzimmer. Sprechen durch Löcher in Plexiglasscheiben, zwei Meter Sicherheitsabstand. In bester Erinnerung sind die vielen unangenehmen Eindrücke aus der Corona-Pandemie noch. Kein zweites Thema hat den Start in dieses Jahrzehnt so geprägt. Ein Rück- und Ausblick im Raum Ulm.
Der Anfang
Anfang März 2020 schlägt das Coronavirus in Ulm und der Region ein. Der erste Covid-19-Fall: eine Frau, die sich im Skiurlaub in Südtirol angesteckt hat, wird am Uniklinikum Ulm behandelt. Angst vor dem potenziell tödlichen Virus, Unsicherheit und das Gefühl, dass sich der Alltag von Grund auf wandelt, prägen den ersten Lockdown. Die Straßen sind leergefegt, Spielplätze abgesperrt, Gottesdienste untersagt. Schulen, Kitas und Geschäfte sind zu. Ansteckungsgefahr. Mitte April wird die Schockstarre verlängert. Ausgenommen ist nur kritische Infrastruktur zur Grundversorgung, weil systemrelevant. Die Redaktion geht in Kurzarbeit und schickt einen Teil der Belegschaft erstmals ins Dauer-Homeoffice. Die Aktion 100 000 der SÜDWEST PRESSE ruft zu Spenden auf, denn Bedürftige können nicht mehr im Tafelladen einkaufen. Sie bekommen Einkaufsgutscheine für den Supermarkt.
Leere Straßen
Mit dem Lockdown wird Ulms Innenstadt gespenstisch leer. Im Supermarkt begegnet man Menschen mit Masken, die teils überängstlich hamstern. Was ist übertrieben? Was untertrieben? Es tut sich viel hinter verschlossenen Türen: Nachbarschaftshilfen entstehen, Freiwillige nähen Alltags-Masken, als FFP2-Masken noch rar sind. Gastronomen kochen für Pflegekräfte. Die Zeitung berichtet immer wieder bewusst über gute Nachrichten im Regel-Chaos links und rechts der Donau. Es gibt viele Benefiz-Aktionen. Für Menschen, die zur Risikogruppe gehören, bietet etwa die „Vorglühbar“ einen kostenlosen Einkaufsservice. Schwestern vom Ulmer Kloster im Herzen der Stadt geben Vespertüten an Bedürftige aus. Schwörmontag, Nabada und das Volksfest werden abgesagt – für viele Menschen ein emotionaler Tiefschlag.
Pflegeheim-Ausbrüche mit Folgen
Am 21. März 2020 meldet das Alb-Donau-Klinikum in Blaubeuren den ersten Todesfall, einen etwa 60-jährigen Patienten aus dem Landkreis Reutlingen mit zahlreichen Vorerkrankungen. Im Kreis Neu-Ulm hatte die Stiftungsklinik in Weißenhorn bereits am 15. März den Tod eines 83-jährigen Patienten beklagt: ein Reiserückkehrer aus Italien. Im April gibt es einen größeren Ausbruch am Altenheim in Ludwigsfeld. Das Klinikum in Ehingen wird „C19-Krankenhaus“, spezialisiert sich auf stationäre Fälle mit einer Covid-19-Station. Im November dann ein großer Ausbruch in einer Pflegeeinrichtung in Blaubeuren, der weitere Todesopfer fordert. Die Stadt richtet eine Hotline ein, untersagt größere Veranstaltungen.
Strenge Besucherregelungen in Heimen, Kliniken und auf Friedhöfen machen die Situation für Angehörige Sterbender noch schwerer. Die Südwest Presse berichtet über traurige Einzelschicksale. Im Herbst 2020 trifft ein heftiger Corona-Ausbruch auch das Seniorenzentrum Blaustein. Es gibt zahlreiche Infektionen und mehrere Todesfälle. Die Einrichtung wird unter Besuchsverbot gestellt – eine schwere Zeit für Bewohner, Angehörige und Personal. Die evangelische Pfarrerin Susanne Vetter klagt auf Zutritt zwecks Seelsorge. Ihr werden daraufhin uneingeschränkt Besuche auch bei Corona-Patienten erlaubt.
Ausbrüche und Impfstart
Im Oktober 2020 dann ein Ausbruch in einem Laichinger Seniorenheim: Rund ein Viertel der Bewohner stirbt. Um die Besucherzahlen im Naubad Langenau im Sommer 2020 zu kontrollieren, gibt es in Langenau eine digitale „Freibad-Ampel“ auf der Homepage und im Bad zur Begrenzung der Gäste. Auch 2021 bleibt die Lage angespannt mit weiteren Ausbrüchen, etwa in Dietenheim und Regglisweiler – mit ebenfalls mehreren Toten – tragischerweise kurz vor geplanten Immunisierungen. Schulen und Kitas setzen auf „Luftampeln“, die den CO2-Gehalt messen und anzeigen, wann gelüftet werden muss.
Wirtschaftseinbruch bei Kommunen
Die Pandemie trifft auch die Verwaltungen: 2021 bilanziert der Gemeinderat Erbach erhebliche wirtschaftliche Schäden, die durch staatliche Rettungsschirme abgemildert werden. Die Pandemie hemmt die Steuereinnahmen, es steigen Aufwand und Ausgaben für Hygienemaßnahmen; und Lieferengpässe bleiben nicht folgenlos.
Zahlen und Fakten
Ulm: 83.442 Infektionen, 219 Tote (Stand Mitte 2025); Alb-Donau-Kreis: 92.712 Infektionen, 368 Tote; Landkreis Neu-Ulm: 83.442 Infizierte, 336 Tote. Die Impfquote in Ulm: etwa 76 Prozent wurden mindestens einmal geimpft. Trauriger Rekord: Die höchste 7-Tage-Inzidenz (Neuansteckungen) lag bei den 5 bis 14-Jährigen in Ulm bei 5.853 im Februar 2022.
Für private Betriebe – einige nutzen den Lockdown für Umbau oder Renovierung – gibt es Kreditprogramme, Sofort- und später Überbrückungshilfen. Die Fasnet fällt 2021 zumindest nicht ganz aus: Mit der Aktion „Fasnet im Herzen“ feiern Narren aus Ulm und der Region auf Whatsapp digital.
Protest, Spaltung, Hoffnung
Die Region Ulm gehörte zu den ersten in Deutschland, in denen die britische Omikron-Variante des Virus' nachgewiesen wird: Das war bereits am 30. November 2020 in Ulm und im Alb-Donau-Kreis. Drei waren Geschäftsreisende, die in Südafrika gewesen waren. Im Januar 2021 kommt der zweite Lockdown. Im April gibt es einen Ausbruch mit der mutierten Covid-Variante in einem Seniorendomizil „Haus Sebastian“ in Illertissen.
Eine Gesellschaftsspaltung wird immer deutlicher. Proteste gegen die Corona-Maßnahmen werden schon im Juni 2020 in der Ulmer Friedrichsau laut, mit Autokorso und Demos später auch in Illertissen. Der Stadtrat Senden kritisiert die Vereinnahmung der Proteste durch rechtsextreme Gruppen im Januar 2022. Bürgermeister Jürgen Eisen spricht sich für klare Regeln aus. Im Februar 2022 führt deshalb ein weiterer Protestzug direkt an dessen Wohnhaus vorbei.

Der Zug der „Spaziergänger“ durch Ulms Neue Mitte am Freitag, 21. Januar 2022.
Volkmar KönnekeAuch in Neu-Ulm Massendemonstrationen
2021 müssen Patienten per Luftwaffe in andere Kliniken verlegt werden – so angespannt ist die Lage. Und doch ziehen 2022 tausende Impfgegner bei Protestmärschen durch Ulm und Neu-Ulm, es kommt zu gewalttätigen Zwischenfällen. Zwei Partygäste springen aus einem Fenster im zweiten Obergeschoss, als Polizeibeamte im Weißenhorner Ortsteil Attenhofen auftauchen. In Nersingen hält im Oktober 2022 ein Impfbus auf dem Rathausplatz. Zuvor werden Kindergartengruppen im Kreis Neu-Ulm nach Ausbrüchen unter Quarantäne gestellt, in Weißenhorn nach einer Feier große Teile eines Gymi-Jahrgangs.
Schule, Jugend, Digitalisierung
Fernunterricht, Luftfilter und psychische Belastung prägen die Zeit vieler Kinder und Familien in der Region. Als Protest gegen Wechselunterricht meldet sich am Neu-Ulmer Lessing-Gymnasium eine ganze Abschlussklasse krank. Überall entstehen Testzentren, wo später teils auch geimpft wird. Die Donauhalle wird zum Impfzentrum, und Schlangen bilden sich, als die ersten Jahrgänge in der Bevölkerung ihre Impfung erhalten.
Im Vier-Wochen-Rhythmus werden ab Oktober 2022 jeweils Nersingen, Senden, Illertissen und Altenstadt von mobilen Impf-Teams angefahren, um niederschwellig eine höhere Immunisierung zu erreichen. Der SSV Ulm, Ratiopharm Ulm und andere spielen vor leeren Rängen. Künstler verarbeiten die bange Zeit in ihren Werken. Der Fotograf Andreas Reiner hält die Stille in Ulmer Kneipen künsterlisch fest, Mitarbeiter des Theaters Ulm starten eine Kampagne namens „Ich bin geimpft und das ist gut so“.
Gewinnspiel: 80 Jahre SÜDWEST PRESSE
Wir feiern Geburtstag! Im November vor 80 Jahren erschien die erste Ausgabe der „Schwäbischen Donauzeitung“ und heutigen SÜDWEST PRESSE. Zu diesem Anlass können Sie vom 1. bis zum 30. November zahlreiche Geschenke gewinnen:
- Tagespreise: Täglich 5 Drogerie- oder Tankgutscheine im Wert von je 10 Euro
- Wochenpreise: Einmal pro Woche jeweils ein iPad oder Samsung Tablet
- Monatspreis: unter allen Teilnehmenden verlosen wir zusätzlich einen Reisegutschein im Wert von 1.500 Euro
Das bleibt – Ausblick
Die Pandemie war für viele ein Kraftakt, und ein Weckruf. Sie hat zu einer Welle psychischer Erkrankungen und Insolvenzen geführt. 2023 berichtet etwa die Schulleitung aus Dietenheim von steigenden psychischen Problemen bei Kindern. Andere leiden noch heute an Long Covid, auch gab es vereinzelt Impfschäden. Und die gesellschaftlichen Risse, die durch Proteste und Verschwörungserzählungen, auch über „die Medien“, entstanden sind, hat noch lange niemand gekittet. Frühere „Querdenker“ haben sich anderen Themen gewidmet, der Vertrauensverlust blieb.

Corona Spuren in Ulm 2025.
Magdi Aboul-KheirCorona hat Ulm und die Region verändert, auch wenn andere Krisen wie Kriege und Rezession in den Vordergrund gerückt sind. Nachhaltig war die Digitalisierung an Schulen, in den Betrieben und im Homeoffice, die notgedrungen einen Riesenschritt vorangekommen ist. In Handel und Gastronomie, die seit der Pandemie verstärkt unter Personalmangel leiden, gibt es auch fünf Jahre später noch „click&collect“. Neue Nachbarschaftshilfen und der Gemeinsinn unter jenen, die sich zusammengeschlossen haben, bleiben als positive Erfahrungen. Und noch immer hört man ab und zu bei herzlichen Verabschiedungen: „Bleiben Sie gesund.“







































