Urlauber aus Corona-Risikogebieten wie Mallorca oder Kroatien müssen sich bei ihrer Rückkehr weiterhin auf eine mögliche Infektion mit dem Virus testen lassen. Indes wurden allein für das letzte Augustwochenende eine Zahl von 707 Neuinfektionen für Mallorca und die Nachbarinseln gemeldet. Auch die Kanaren sind indes Anfang September als Risikogebiet eingestuft worden und unterliegen nun einer Reisewarnung.
Das Bundesverfassungsgericht wies mit einem Beschluss den Eilantrag einer Familie zurück, die auf Mallorca Urlaub machte, sich bei ihrer Rückkehr aber nicht testen lassen wollte. Die zur Eindämmung der Corona-Pandemie eingeführte verpflichtende Testung diene dem Schutz der Allgemeinheit, erklärten die Karlsruher Verfassungsrichter zur Begründung.
Reisewarnung Kanaren Risikogebiet In einem Monat von 30 auf 3000 Corona-Fälle

Ulm/Gran Canaria

Mallorca-Urlauber wollten ohne Test aus Risikogebiet nach Deutschland

Die Beschwerdeführer, Eltern und ihr zweijähriges Kind, wollten per einstweiliger Anordnung beim Bundesverfassungsgericht die Verordnung des Bundesgesundheitsministeriums zur Testpflicht für Rückkehrer aus dem Urlaub stoppen. Betroffen sind von dem Pflichttest alle Urlauber, die ihre Ferien in einem Risikogebiet verbracht haben. Ihre körperliche Integrität werde mit der „Zwangstestung“ verletzt, rügten sie.
Die Verfassungsrichter wiesen den Antrag nach einer Folgenabwägung ab. Die verpflichtende Testung von Reiserückkehrern aus Risikogebieten diene zur frühzeitigen Erkennung infizierter Menschen und damit dem Gesundheitsschutz der Allgemeinheit. Dieses Interesse sei höher zu bewerten als das Interesse der Beschwerdeführer, sich nicht testen zu lassen. Auch von einzelnen, nicht getesteten Personen könne ein Ansteckungsrisiko ausgehen. (Az. 1 BvR 1981/20)

Erhöhte Ansteckungsgefahr im Risikogebiet Mallorca

Das Corona-Risiko auf Mallorca hat sich nach der Reisewarnung von Mitte August noch weiter verschärft. Täglich sind teilweise mehr als 300 Neuansteckungen zu verzeichnen. Anfang der Woche wurden von den Gesundheitsbehörden auf einen Schlag sogar 908 Fälle „nachgemeldet“. Über die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche hatte in den Inselmedien zuletzt Verwirrung geherrscht.
Mit durchschnittlich etwa 300 Neuinfektionen am Tag ergibt sich nach eigenen Berechnungen bei 1,18 Millionen Einwohnern ein Wert von rund 177, in der besonders betroffenen Inselhauptstadt Palma de Mallorca jedoch von deutlich mehr als 200. Die britische Tageszeitung „The Economist“ berechnete Anfang September eine Inzidenz von 197 für die Balearen. Laut Behörden zirkuliert das Corona-Virus derzeit teilweise unkontrolliert in der Bevölkerung.
Corona-Zahlen für die Kalenderwoche 35 auf Mallorca und den Nachbarinseln:
  • Montag, 24. August: 352 Neuinfektionen
  • Dienstag, 25. August: 908 „nachgemeldete“ Neuinfektionen (laut Behörden aus den vorhergehenden 7 bis 8 Tagen)
  • Mittwoch, 26. August: 336 Neuinfektionen
  • Donnerstag, 27. August: 525 Neuinfektionen
  • Freitag, 28. August: 185 Neuinfektionen und ein Verstorbener
  • Am Wochenende (Samstag/Sonntag) werden keine Corona-Zahlen veröffentlicht.
Corona-Zahlen für die Kalenderwoche 36 auf Mallorca und den Nachbarinseln:
  • Montag, 31. August: 707 Neuinfektionen für Samstag/Sonntag und Montag zusammen
  • Zudem wurden am letzten Montag im August zwei Todesfälle in einem Seniorenheim in der Gemeinde Sant Joan bekannt. Dort haben sich 77 Menschen mit Corona angesteckt.
  • Dienstag, 1. September: 174 Neuinfektionen und 5 Verstorbene
  • Mittwoch, 2. September: 326 Neuinfektionen
  • Donnerstag, 3. September: 297 Neuinfektionen und 4 Todesfälle
  • Freitag, 4. September: 230 Neuinfektionen

Bareiß hält Aufhebung der Mallorca-Reisewarnung für möglich

Trotz allem hält der deutsche Tourismusbeauftragte Thomas Bareiß eine baldige Aufhebung der Reisewarnung auf Mallorca für möglich, wie er in einem Interview mit dem Sender n-tv sagte. Allerdings war zu diesem Zeitpunkt noch nicht bekannt, dass Deutschland ab 1. Oktober 14 Tage Zwangsquarantäne für alle Reiserückkehrer aus Risikogebieten durchsetzen und möglicherweise polizeilich kontrollieren will. Nach der überraschenden Grenzschließung in Ungarn scheint die Reisefreiheit wegen Corona auch europaweit zum zweiten Mal in diesem Jahr in Gefahr, obwohl es in vielen Ländern kaum Krankenhauseinlieferungen oder Todesfälle gibt.
Inzwischen hat die Inselregierung auf Mallorca Gegenmaßnahmen eingeleitet, unter anderem folgende:
Mallorca-Reiserückkehrer aus dem Kreis Göppingen können sich im Testzentrum in Eislingen (nur noch auf Anmeldung) oder aber sofort nach Ankunft am Airport in Stuttgart kostenlos abstreichen lassen. Allerdings benötigt das am Flughafen tätige Labor CeGat aus Tübingen teilweise acht Tage und länger für den Postversand der Testergebnisse. Dadurch kann sich unter Umständen auch die Quarantäne empfindlich verlängern. Das Sozialministerium Baden-Württemberg wollte zu den organisatorischen Problemen keine Stellung nehmen und verwies auf die Kassenärztliche Vereinigung.