Nach der Einstufung als Risikogebiet durch das Robert-Koch-Instituts und der Reisewarnung durch das Auswärtige Amt stehen die Kanaren unter Schock. Die Forschung nach den Ursachen der zweiten Corona-Welle hatte aber schon zuvor begonnen. Wie kann es sein, dass sich insbesondere Gran Canaria in wenigen Wochen zum Hotspot mit 3000 Fällen entwickelt hat, nachdem die Zahl noch Anfang August bei überschaubaren 30 gelegen hatte?
Laut spanischen Medienberichten gibt es Indizien dafür, was passiert sein dürfte – und jederzeit auch anderswo passieren kann. Der Ursprung soll demzufolge im Nachtleben der von Touristen wenig besuchten Inselhauptstadt Las Palmas de Gran Canaria liegen. Im Ausgehviertel Guanaterme am Strand Las Canteras wurden Anfang letzten Monats rund 140 Corona-Fälle im Umfeld von Latino-Discos festgestellt.

Superspreader in Las Palmas bringt zweite Welle auf den Kanaren

„Einer oder mehrere Superspreader vom spanischen Festland waren dort unterwegs und haben andere mit Corona angesteckt“, sagte Universitätsprofessor Lluis Serra Majem der Tageszeitung „El Pais“. Der Mediziner berät auch die Kanaren-Regierung in Gesundheitsfragen.
Vom Vergnügungsviertel ausgehend sei die Welle dann in den beiden Städten Las Palmas und Telde kaum noch zu stoppen gewesen. Serra Majem spricht von einem „perfekten Sturm“ nach einem sehr ruhigen Juli mit ganz wenigen Ansteckungen. Nicht nur der Ausgehhunger einer über Monate eingesperrten Bevölkerung, sondern auch grobe Regelverstöße in etlichen Lokalen sowie bei privaten Treffen und Festen sollen eine Rolle gespielt haben.

Teneriffa mit Corona-Inzidenz unter 50 pro 100.000 Einwohner

Während Gran Canaria und Lanzarote nun stark betroffen sind, ist die Corona-Lage auf Teneriffa und anderen Kanaren-Inseln wesentlich ruhiger. Zwar steigen die Infektionen ebenfalls an, doch lag die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche dort Anfang September niedriger als 50 und somit auf dem Niveau von etlichen deutschen Landkreisen. Obwohl so gut wie keine Fälle unter Touristen bekannt sind, waren das Robert-Koch-Institut und das Auswärtige Amt jedoch nicht von einer Reisewarnung und Einstufung als Risikogebiet abzubringen.

Ulm/Palma de Mallorca

PCR-Tests für Ankünfte und Abflüge geplant

Zuletzt lagen die Corona-Zahlen auf 2,2 Millionen bezogen deutlich niedriger als etwa auf dem schwer gebeutelten Mallorca, wo die Lage offenbar außer Kontrolle geraten ist und bereits über neue Ausgangssperren diskutiert wird. Die Kanaren galten hingegen als Vorreiter bei Corona-Maßnahmen für Reisende. Sie hatten bereits im Frühjahr eine Temperaturkontrolle für alle nationalen und internationalen Flug- und Schiffspassagiere eingeführt. Nun gibt es sogar Pläne für obligatorische PCR-Tests bei Ankünften und Abflügen. Kanaren-Präsident Angel Victor Torres hofft, auf diese Art den Tourismus wieder in Gang zu bringen und sichere Reisekorridore zu schaffen, denn die Hauptsaison im ewigen Frühling auf Teneriffa, Gran Canaria & Co. ist traditionell im Winterhalbjahr.
Aktuelle Corona-Zahlen für die Kanaren insgesamt:
  • 31. August: 297 Neuinfektionen
  • 1. September: 219 Neuinfektionen
  • 2. September: 249 Neuinfektionen
  • 3. September: 381 Neuinfektionen
  • 4. September: 382 Neuinfektionen
  • 5. September: 365 Neuinfektionen
  • 6. September: 314 Neuinfektionen
  • 7. September: 215 Neuinfektionen
  • Basisreproduktionszahl R0 am 7. September erstmals seit Langem wieder unter 1,0
  • 8. September: 178 Neuinfektionen
  • 9. September: 250 Neuinfektionen
  • 10. September: 238 Neuinfektionen
  • 11. September: 247 Neuinfektionen