Neue Wahl-Umfrage in BW: AfD stürzt deutlich ab, CDU weit vor den Grünen

Lange im Aufwind, nun unter Druck: Anton Baron, Fraktionsvorsitzender der AfD im Landtag von Baden-Württemberg.
Bernd Weißbrod/dpaDie schlechten Nachrichten für die AfD reißen nicht an - nun verliert die Partei auch in Baden-Württemberg einer neuen Umfrage zufolge deutlich an Zustimmung. Wenn am kommenden Sonntag Landtagswahl wäre, käme die Partei nach einer am Donnerstag veröffentlichten repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Infratest dimap im Auftrag des Südwestrundfunks (SWR) und der „Stuttgarter Zeitung“ nur noch auf 14 Prozent. Das sind vier Prozentpunkte weniger als bei der letzten Umfrage im Januar dieses Jahres. Bei einer Erhebung im vergangenen September hatte die AfD noch einen Rekordwert von 20 Prozent erreicht.
Für die lange vom Erfolg verwöhnte Partei sind es gerade turbulente Zeiten. Kaum ein Tag vergeht, an dem keine negativen Schlagzeilen die AfD erschüttern. Das schlägt sich inzwischen auch immer mehr in Umfragen nieder. Besonders kritisch sehen die Menschen im Südwesten den Umgang der Rechtspopulisten mit Russland und China. Der Umfrage zufolge sind knapp drei Viertel der Befragten der Ansicht, die AfD solle ihre Nähe zu Russland und China überdenken.
- Am Tag der Veröffentlichung der Umfrage gab es Razzien in Räumen des Bundestagsabgeordneten Peter Bystron, der auch für das Europaparlament kandidiert. Ihm wird vorgeworfen, über ein prorussisches Propagandaportal Schmiergeld erhalten zu haben.
- Am Dienstag, 14. Mai 2024, wurde der Thüringer AfD-Fraktionschef Björn Höcke zu einer Geldstrafe von 13.000 Euro verurteilt, weil er eine NS-Parole verwendet hatte.
- Am Montag, 13. Mai, erlitt die AfD vor dem Oberverwaltungsgericht Münster eine Niederlage: Es urteilte, dass Bundesamt für Verfassungsschutz die AfD zu Recht als rechtsextremistischen Verdachtsfall eingestuft hatte.
- Auch der AfD-Spitzenkandidat für die Europawahl, Maximilian Krah, ist nach Berichten über mögliche Verbindungen zu prorussischen Netzwerken und nach China seit Wochen in den Schlagzeilen. Die Staatsanwaltschaft Dresden prüft, ob Ermittlungen aufgenommen werden sollten. Zusätzlich unter Druck geriet der EU-Parlamentarier, nachdem im April ein Mitarbeiter wegen mutmaßlicher Spionage für China verhaftet wurde.
CDU hält die Kretschmann-Grünen deutlich auf Distanz
Keine Veränderungen gab es bei der Bewertung von Grünen und CDU: Die Grünen von Ministerpräsident Winfried Kretschmann verharren demnach unverändert bei 22 Prozent, die CDU unter dem neuen Landeschef Manuel Hagel führt die Umfrage unverändert mit 32 Prozent an.
Die SPD verbessert sich der Umfrage zufolge um zwei Prozentpunkte auf nun 11 Prozent, die FDP käme weiterhin auf 7 Prozent. Das Bündnis Sahra Wagenknecht, eine Abspaltung von der Linkspartei, käme demnach aus dem Stand auf vier Prozent der Stimmen und würde damit knapp an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern.
Zum Vergleich: Bei der Landtagswahl im März 2021 hatten die Grünen 32,6 Prozent erreicht, die CDU kam auf 24,1 Prozent, die SPD auf 11, die FDP auf 10,5 und die AfD auf 9,7 Prozent.
Für die repräsentative Umfrage wurden 1148 Menschen in Baden-Württemberg zwischen dem 7. und 14. Mai befragt. Die Umfrage fand per zufallsbasierter Telefon- und Onlinebefragung statt. Die Fehlertoleranz liegt zwischen zwei und drei Prozentpunkten.
Mit Material von dpa

