Der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, warnt: auch Schulen können sich zu Corona-Hotspots entwickeln. Infektionen gingen inzwischen auch von Schulen und Schülern aus, sagte er der „Passauer Neuen Presse“ am Montag. Die von manchen Politikern wiederholte Behauptung, die bislang wenigen Infektionen würden hauptsächlich von außen in die Schulen getragen, lasse sich „nicht mehr aufrechterhalten“.

RKI: Corona-Ausbrüche auch innerhalb von Schulen

Auch RKI-Präsident Prof. Lothar Wieler bestätigte vergangene Woche, dass es in Deutschland bereits zu Ausbrüchen an Schulen kam – also Fällen, bei denen nicht nur infizierte Schüler und Lehrer in Schulen festgestellt wurden, sondern sich diese erkennbar auch in der Schule angesteckt haben.
Wieler und Meidinger stützen damit eine Aussage des Charité-Virologen Prof. Christian Drosten, der in der vergangenen Woche in einem Interview erklärt hatte, dass es erste belegte Corona-Ausbrüche an Schulen in Deutschland gebe – und das mit harscher Kritik an den Kultusministern verband. „Mai, Juni, Juli, August – vier Monate hätte man Zeit gehabt“, so Drosten mit Blick auf die Zeit seit den Schulschließungen im Frühjahr. „Jetzt sind wir fast wieder in einer ähnlichen Situation wie damals. Wir werden Probleme kriegen mit der unbeschränkten Schulöffnung, wie sie inzwischen stattgefunden hat.“

Landesweit Fälle von Quarantäne in Schulen

Und weiter: „Auch in Deutschland gibt es inzwischen belegte Ausbrüche an Schulen. Da werden wieder einige sagen: Aber es ist doch noch nichts passiert. Klar, weil die Gesundheitsämter darauf achten. Noch haben die Behörden die Kraft, früh zu reagieren. Es gibt Schulklassenquarantänen im Moment, landesweit.“
Von den Kultusministern war zu Corona-Ausbrüchen in Schulen bislang wenig zu hören. Kurz nach Schuljahresbeginn hatte es allerdings bereits Entwarnungen gegeben. „Fast zwei Wochen nach Schuljahresstart können wir erkennen, dass die Schulen selbst kein Hotspot sind“, so erklärte Berlins Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) Ende August. Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) erklärte am 10. September: „Nach allem was wir wissen, sind unsere Schulen keine Corona-Hotspots“.
Trotz dieser vielversprechenden Aussagen zu Beginn des Schuljahres, sehen die Zahlen im Herbst anders aus: Anfang Oktober waren knapp 40.000 Schüler und fast 4000 Lehrer wegen Infektionsfällen, Verdachtsfällen oder eigener Infektion in Quarantäne oder als Vorsichtsmaßnahme im Fernunterricht. Daneben meldeten Bundesländer, die keine Einzelzahlen zu Schülern veröffentlichen, insgesamt rund 700 Klassen oder Lerngruppen, die zuletzt nicht in der Schule waren. Komplett geschlossen waren 23 Schulen.
Welche Maßnahmen können Schulen angesichts der steigenden Infektionszahlen also nun ergreifen, um die Verbreitung des Virus innerhalb des Schulgebäudes und über seine Grenzen hinaus zu vermeiden?

Was tun bei Symptomen?

Laut Hygienekonzept der Kultusministerkonferenz darf grundsätzlich niemand, der mit dem Coronavirus infiziert ist, oder entsprechende Symptome zeigt, die Schule betreten. Zeigt ein Schüler während des Unterrichts Symptome, muss er umgehend isoliert werden. In den Präsenzunterricht zurückkehren darf er erst, wenn eine Infektion mit COVID-19 ausgeschlossen wurde.

Handhygiene

Sowohl Schüler als auch Lehrer sollten auf eine regelmäßige Handhygiene achten.
Die Hände sollten gewaschen werden:
  • nach dem Niesen, Schnäuzen oder Husten
  • vor dem Unterrichtsbeginn
  • vor dem Essen
  • nach der Pause
  • nach dem Toilettenbesuch
  • nach dem Kontakt mit ggfs. kontaminierten Oberflächen (z. B. Treppengeländer, Haltegriffe)

Raumhygiene in den Klassenzimmern

Nicht nur in den Klassenräumen, sondern auch in Lehrerzimmern, Sekretariaten oder Versammlungsräumen müssen Hygienemaßnahmen ergriffen werden. Bezüglich des Lüftens empfiehlt die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) für den Herbst und Winter, alle 20 Minuten, wenn möglich auch öfter die Räume drei bis zehn Minuten stoßzulüften.
Das zeitliche Intervall zum Lüften hängt von verschiedenen Faktoren wie z. B. Raumgröße und Personenanzahl ab. Eine Hilfe zur Beurteilung der Luftqualität kann die Ermittlung der CO2-Konzentration im Raum sein. In Zeiten des Virus sollte ein Wert von 1000 ppm nicht überschritten werden. Die CO2-Konzentration in Unterrichtsräumen kann mit Hilfe einer CO2-App in Abhängigkeit von der Personenanzahl und der Raumgröße abgeschätzt und so der richtige Zeitpunkt für eine Lüftungspause ermittelt werden.
Der Philologenverband kündigte bereits an, dass sich die Schülerinnen und Schüler im Winter "dick anziehen" müssten. "Für die kalten Monate werden jetzt Pullover, Schals und Decken zur Grundausstattung der Schülerinnen und Schüler gehören", prophezeite die Vorsitzende Susanne Lin-Klitzin.

Wo gilt der Mindestabstand?

Bezüglich des Mindestabstands gibt die KMK in ihren Hygienekonzept Entwarnung: Im regulären Klassen- und Kursverband könne auf die Einhaltung eines Mindestabstandes verzichtet werden.
Wo immer dennoch möglich, sollte insbesondere bei Besprechungen, Konferenzen sowie in schulbezogenen Veranstaltungen ein ausreichender Mindestabstand von 1,5 m
eingehalten werden.
Um die Ansammlung größerer Gruppen von Schülerinnen und Schülern zu vermeiden, empfiehlt die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) einen zeitversetzten Unterrichts-, Pausen- und Essenszeitbeginn. Hilfreich beim Einhalten von Abstands- und Hygieneregeln sei auch eine Einteilung in Gruppen, denen gekennzeichnete Flächen zugewiesen werden, so der DGUV.

Wo und wann gilt die Maskenpflicht?

In der Schule und auf dem Schulgelände sollte eine Mund-Nase-Bedeckung getragen werden, wenn der Mindestabstand nicht eingehalten werden kann. Wenn aufgrund der schulischen Abläufe die Abstandsregel nicht eingehalten werden kann, wird das Tragen der Mund-Nase-Bedeckung auch im Unterricht für Schülerinnen und Schüler ab der 5. Klassenstufe empfohlen. Muss ein Mund-Nase-Schutz auch während des Unterrichts getragen werden, sollten die Lehrer darauf achten, dass ausreichend Pausen gewährt werden, in denen die Bedeckung abgelegt werden kann.
Insbesondere in den Pausen und im öffentlichen Personennahverkehr sollten Schülerinnen und Schüler einen Mund-Nase-Schutz tragen. Hier kommt es häufig zu einer Durchmischung von Klassen, und mit schulfremden Personen, wodurch das Infektionsrisiko zusätzlich erhöht wird.

Wie wird die Nachverfolgung sichergestellt?

Zur Nachverfolgung von Infektionsketten empfiehlt die KMK eine ausführliche Dokumentation der in einer Schule anwesenden Personen. Außerdem sollen die Schulen den Schülern und Lehrkräften die Corona-Warn-App empfehlen.
Sowohl der Verdacht auf eine Infektion als auch das Auftreten von COVID-19 Fällen müssen dem Gesundheitsamt gemeldet werden.
Der Aufenthalt von Externen (z. B. Erziehungsberechtigten) in der Schule sollte auf ein Minimum beschränkt werden.

Wie können psychische Belastungen minimiert werden?

Um die psychischen Belastungen im Zusammenhang mit Corona zu minimieren sei ein offener Umgang mit Fragen und aktuellen Themen gerade bei Schülern besonders wichtig. Der DGUV empfiehlt, Schülerinnen und Schüler auf das Angebot der Schulsozialarbeit, Beratungslehrkräfte, Schulseelsorge, sowie kommunaler und überregionaler Beratungsstellen hinzuweisen.