Es ist kein Vergleich zu Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen – doch auch in Baden-Württemberg kämpfen mancherorts Anwohner und Einsatzkräfte mit Hochwasser. Vor allem im Landkreis Lörrach hat sich die Hochwasserlage in der Nacht auf Freitag verschärft. Rettungskräfte haben den Angaben zufolge Probleme, in die Gemeinden zu gelangen. Schwerpunkte seien die Gemeinden Inzlingen und Grenzach-Wyhlen. „Verkehrsteilnehmer werden gebeten, diese Gebiete zu meiden und wenn möglich auf die Teilnahme am Straßenverkehr zu verzichten“, hieß es weiter.

Hochwasser am Rhein steigt weiter

Gewitter mit Starkregen haben in Südbaden für vollgelaufene Keller und überschwemmte Straßen gesorgt. Insbesondere in Lörrach und Weil am Rhein habe es deshalb viele Notrufe gegeben, sagte ein Sprecher der Polizei am Samstag. Von den Überschwemmungen war auch die Autobahn 98 zwischen Weil am Rhein und Kandern betroffen. Die Fahrbahn sei am Freitagabend für etwa eine Stunde gesperrt worden. Bleibende Schäden entstanden den Angaben nach aber nicht. Verletzt wurde niemand.
Die heftigen Regenfälle lassen auch den Rhein weiter anschwellen. Der Wasserstand am Pegel Maxau bei Karlsruhe stieg am Samstagmorgen auf 8,62 Meter. Nach Angaben der Hochwasservorhersagezentrale (HVZ) wird der Scheitel voraussichtlich in der Nacht zum Sonntag erreicht. Der Schiffsverkehr auf dem Rhein war bereits in der Nacht zum Mittwoch teilweise eingestellt worden. Mit einer Freigabe ist erst in der kommenden Woche zu rechnen.
Der Deutsche Wetterdienst (DWD) rechnet auch im Laufe des Samstags mit Gewittern. Ab der Mittagszeit sei das insbesondere im Osten des Landes möglich. Den Meteorologen zufolge können dann vereinzelt bis zu 40 Liter Regen pro Quadratmeter und kleinkörniger Hagel fallen. In der Nacht zum Sonntag nehme das Gewitterrisiko dann ab, hieß es.

Unwetter in Lörrach-Tumringen: Schlammflut nach Gewitter

In Tumringen bei Lörrach hat es um 17 Uhr erneut stark gewittert. Die Luckenstraße hat sich durch die Regenmassen in eine Schlammflut verwandelt. Zahlreiche Keller sind überflutet, Gullydeckel wurden herausgedrückt und Gegenstände mitgerissen.

Öffentlicher Notstand in Lörrach: Hochwasser und Überflutung

Im Stadtgebiet Lörrach wurde laut Feuerwehr der öffentliche Notstand ausgerufen. Gegen zwei Uhr in der Nacht hat es starke Regenfälle und Gewitter gegeben. Laut SWR wurde der Stadtteil Brombach besonders stark getroffen. Die dortigen Bachläufe entwickelten sich zu einem reißenden Fluss, der zahlreiche Keller und den Ortskern überflutete. Laut Polizei mussten zudem viele Haupt- und Nebenstraßen gesperrt werden.

Hochwasser und Überschwemmungen auch in Inzlingen und Grenzach sowie im Kreis Waldshut

Zudem meldete die Integrierte Leitstelle 80 laufende Einsätze. Viele Keller wurden überflutet. In der Nacht habe die Freiwillige Feuerwehr in Inzlingen 28 Einsätze gehabt, sagte Kommandant Thomas Muck. Da das alleine nicht mehr zu bewältigen gewesen sei, habe die Lörracher Feuerwehr die Einsatzkräfte unterstützt. Gegen 2.00 Uhr in der Nacht sei er alarmiert worden, sagte Muck. „Da war wahnsinnig Energie in der Luft.“ Es habe gewittert. „Ich bin schon durch Wasserlachen gefahren, die einen halben Meter tief waren. Mülleimer wurden entgegengespült, Gullys hochgedrückt“, schilderte er. „Da wusste ich schon, was uns erwartet.“ Inzwischen habe sich die Lage beruhigt. Aus einer unterspülten Fußgängerunterführung müssten noch rund 1,5 Meter Schlamm abtransportiert werden.
Im Kreis Waldshut sind mehrere Keller vollgelaufen, wie ein Polizeisprecher am Freitagmorgen mitteilte. Zudem ist der Anbau eines Hauses in Stühlingen eingestürzt, nachdem ein Fluss über die Ufer getreten ist. In der Region rund um Konstanz mussten in der Nacht zwei Bundesstraßen gesperrt werden.

Jugendlicher in Inzlingen im Hochwasser aus Gully gerettet

Auf einer hochwassergefluteten Straße in Inzlingen (Landkreis Lörrach) ist nach Feuerwehrangaben ein Jugendlicher in einen offenen Gully gesogen worden. Dessen Vater und ein benachbarter Feuerwehrmann hätten den 17-Jährigen in der lebensgefährlichen Lage festhalten können, sagte Kommandant Thomas Muck am Freitag. Weitere Einsatzkräfte hätten geholfen, den Teenager zu retten. Er habe einen Schock erlitten, sei aber nach kurzem Aufenthalt wieder aus dem Krankenhaus entlassen worden.

Überschwemmung und Hochwasser im Allgäu

Überschwemmung in Wangen im Allgäu im Landkreis Ravensburg: Aufgrund des Starkregens am späten Donnerstagabend ist dort ein Wohngebiet überflutet worden. Wie das Polizeipräsidium Ravensburg am frühen Freitagmorgen mitteilte, wurden zunächst zwei Brückendurchflüsse des Epplingser Bachs durch Treibgut blockiert. Dadurch sei das Ufer übergetreten und hätte das angrenzende Wohngebiet Epplingser Halde überschwemmt.
Meteorologen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) rechnen bis Samstag im Südwesten mit teils kräftigem Dauerregen. Auch am Freitag erwarten die Wetterexperten weiterhin Regen und teils kräftige Gewitter. Unwetterartiger Starkregen mit 40 Litern pro Quadratmeter sei mancherorts nicht auszuschließen.

Wangen im Allgäu

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