• An der Steinbachtalsperre bei Euskirchen in Nordrhein-Westfalen drohte der Damm zu brechen
  • Evakuierung nach dem Hochwasser von Schweinheim, Flamersheim und Palmersheim
  • Gutachten der Steinbachtalsperre: Eine Drohne findet bei der Überprüfung keine kritischen Risse
  • Am Montag besucht Bundesinnenminister Horst Seehofer die Steinbachtalsperre
Schwere Unwetter haben in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen (NRW) für Hochwasser und Überschwemmungen gesorgt – es gibt viele Tote und Vermisste. Im Bereich der zwischenzeitlich als gefährdet eingestuften Steinbachtalsperre stabilisierte sich die Lage. Der Wasserstand sei weit genug gesenkt worden, die Evakuierungen der Orte unterhalb des Damms könnten beendet werden, erklärte die Bezirksregierung Köln. „Ein Dammbruch ist jetzt nicht mehr zu befürchten."
Ein Brechen der in Euskirchen bei Köln gelegenen Steinbachtalsperre habe verhindert werden können, sagte auch Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident und Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet, der dort gemeinsam mit Seehofer zu Besuch war. Der Rhein-Sieg-Kreis erklärte, die Talsperre habe einen „unkritischen Wasserstand erreicht“. Es bestehe akut keine Gefahr mehr, dass die Staumauer brechen könnte. Die Evakuierung mehrerer Orte könne aufgehoben werden.
Die Staumauern und Dämme der Talsperren in Nordrhein-Westfalen haben der Belastung durch den extremen Regen der vergangen Tage Stand gehalten.

Kritik an Bevölkerungsschutz: Seehofer besucht Hochwassergebiet

Mit dem Rückgang der akuten Gefahr in den Hochwassergebieten gewinnt die Debatte über Versäumnisse beim Bevölkerungsschutz an Schärfe. Eine britische Wissenschaftlerin warf den deutschen Behörden „monumentales“ System-Versagen bei der Flutkatastrophe vor. Teile der Opposition im Bundestag richteten heftige Kritik gegen Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU), dem das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) zugeordnet ist. Er machte sich am Montag unter anderem an der zwischenzeitlich von einem Dammbruch bedrohten Steinbachtalsperre in Nordrhein-Westfalen ein Bild der Schäden. Dort entspannte sich die Lage ebenso wie in den meisten anderen Hochwassergebieten im Westen Deutschlands und etwa in Bayern.
Gegen Mittag will Seehofer nach Bad Neuenahr-Ahrweiler (Rheinland-Pfalz) fahren, um ein Krankenhaus zu besuchen. Dort hat das THW eine Trinkwasseraufbereitungsanlage installiert, damit das Krankenhaus weiterhin das nötige Trinkwasser bekommt. Dies war nötig geworden, nachdem die Wassermassen die Leitungen im Umfeld der Klinik beschädigt hatten.
Horst Seehofer (CSU), Bundesminister für Inneres, Heimat und Bau, besucht am Montag die Hochwassergebiete in NRW und Rheinland-Pfalz - unter anderem die Steinbachtalsperre, die zu brechen droht, und Bad Neuenahr.
Horst Seehofer (CSU), Bundesminister für Inneres, Heimat und Bau, besucht am Montag die Hochwassergebiete in NRW und Rheinland-Pfalz - unter anderem die Steinbachtalsperre, die zu brechen droht, und Bad Neuenahr.
© Foto: Bernd von Jutrczenka/DPA

Eifeler Baggerunternehmer steht für Mut in der Flutkatastrophe

Mehrere Politiker heben seinen Baggereinsatz in der Flutkatastrophe als beispielhafte Zivilcourage hervor, doch der Eifeler Tiefbauer Hubert Schilles bleibt bescheiden. „Das war keine Heldentat. Das hätte jeder andere auch gemacht“, sagte der 67-jährige Schilles der Deutschen Presse-Agentur am Montag. Der Inhaber einer Tiefbaufirma aus der Region hatte sich am vergangenen Donnerstag ohne zu zögern bereit erklärt, den mit Boden und Geröll zugeschwemmten Abfluss der Steinbachtalsperre in Euskirchen freizubaggern. Dort war befürchtet worden, der Damm könne brechen, wenn es nicht gelänge, Druck von der übervollen Talsperre zu nehmen.
Er habe ja genau gewusst, was für die Ortschaften unterhalb des Dammes auf dem Spiel stand, sagte Schilles. „Mir war klar. Hier muss sofort Hilfe her. Da kann man nicht mehr lange überlegen“. Er habe einen 30-Tonnen-Tieflader angefordert und sei „da reingefahren“: „Ich bin ein gläubiger Menschen: Ich habe mich zweimal gesegnet, bevor ich da runter bin“, sagte Schilles. 18 Meter unter dem Wasserspiegel arbeitete er dann sechs Stunden lang auf der anderen Seite des akut gefährdeten Dammes und schaufelte den Ablauf frei.

Talsperre Euskirchen am Freitag: Bewohner sollen nicht in Häuser zurück

Die Lage an der Steinbachtalsperre ist nach Auskunft des Kreises Euskirchen (Stand Freitag, 16.30 Uhr) stabil, „aber nicht unkritisch“. Bei der Überprüfung des Dammes mit einer Drohne seien keine kritischen Risse gefunden worden, so eine Kreissprecherin. Nach wie vor sei das Grundabflussrohr der Talsperre verstopft. Um Druck aus der Anlage zu nehmen, werde weiterhin das Wasser mit Hochleistungspumpen aus der Talsperre geholt.
Der Kreis Euskirchen appelliert an die Bewohner, noch nicht in die Häuser zurückzukehren. Die Gefahr sei noch nicht gebannt.
Auch das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) unterstützt die betroffenen Regionen in Deutschland unter anderem mit Satellitenbildern. „Erste Satellitenbilder aus den vom Unwetter betroffenen Gebieten werden seit heute Morgen aufgenommen. Diese Bilder werden, sobald verfügbar, den Beteiligten im Krisenmanagement zur Verfügung gestellt“, sagte Vizepräsident Thomas Herzog dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (Freitag). Das BBK kümmere sich zudem auch um die Koordinierung von Hilfen, beispielsweise von Helikoptern zur Rettung von Menschen oder Zapfstellen zur Abgabe von Trinkwasser.

Steinbachtalsperre in NRW am Freitag: Damm in Euskirchen drohte zu brechen

Wegen der Gefahr eines Dammbruchs waren am Donnerstag Ortsteile von Rheinbach evakuiert worden: Schweinheim, Flamersheim und Palmersheim. Das teilte die Feuerwehr Rheinbach am Donnerstag mit. „Dies ist eine Vorsichtsmaßnahme, da nicht sicher ist, ob der Damm der Steinbachtalsperre gehalten werden kann“, hieß es in der Mitteilung. Die Talsperre sei von einem Sachverständigen als „sehr instabil“ eingestuft worden, sagte der Landrat des Kreises Euskirchen, Markus Ramers (SPD), am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. Von der Evakuierung seien 4500 Einwohner betroffen. Gerüchte, wonach die Talsperre bereits gebrochen sei, hatte der benachbarte Kreis Ahrweiler zuvor dementiert.
Bei der Evakuierung von Oberdrees und Niederdrees sollten auch Lastwagen der Bundeswehr eingesetzt werden. Wer nicht bei Familienangehörigen oder Bekannten unterkommen könne, finde eine Notunterkunft in der Stadthalle Rheinbach.

Gefahr an Steinbachtalsperre: Evakuierung von Swisttal abgeschlossen

Die Evakuierung von etwa 2000 Menschen in Swisttal im Süden von Nordrhein-Westfalen ist abgeschlossen. Das teilte der Rhein-Sieg-Kreis am Freitag mit. Die Gefahr von Hochwasser durch ein Durchbrechen der Staumauer der Steinbachtalsperre bestehe weiterhin.
Im Ortsteil Odendorf seien zwei Seniorenheime evakuiert worden. Mehr als 80 Bewohnerinnen und Bewohner seien in andere Heime oder in Krankenhäuser gebracht worden. Zurzeit werde die Verlegung der rund 2000 betroffenen Menschen aus den Betreuungsstationen in andere Einrichtungen organisiert, in denen ein längerere Aufenthalt möglich ist.

Polizei warnt vor der Steinbachtalsperre: Mehr als 20 Tote im Kreis Euskirchen

Über Twitter hat sich die Poizei aus NWR zu Wort gemeldet. Sie bittet ausdrücklich darum, nicht in die Nähe des Damms an der Steinbachtalsperre zu fahren.
Die Evakuierung der gefährdeten Gebiete sei vollständig abgeschlossen, teilte der Kreis mit. Allerdings meldete die Polizei Köln zwischenzeitlich 24 Tote im Zusammenhang mit dem Hochwasser im Kreis Euskirchen.
Überschwemmung in Erftstadt: Viele Tote und Vermisste in NRW

Hochwasser in NRW Überschwemmung in Erftstadt: Viele Tote und Vermisste in NRW

Hauseinstürze in Erftstadt-Blessem in NWR

Wie oben erwähnt ist in Erftstadt-Blessem eine Reihe von Häusern ganz oder teilweise eingestürzt. Ursache seien massive und schnell fortschreitende Unterspülungen der Häuser. Die aktuellen Entwicklungen in Erftstadt in diesem Artikel.
Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes waren im Süden von NRW bis zu 180 Liter Regen pro Quadratmeter gefallen. Viele Flüsse und Bäche in der Eifel, im Bergischen Land, im Rheinland und Sauerland waren am Mittwoch und in der Nacht zu Donnerstag über die Ufer getreten. Mehr als 15.000 Feuerwehrleute und Katastrophenhelfer absolvierten bis Donnerstag landesweit über 22.000 Einsätze.
Rund 165.000 Menschen im Westen Deutschland waren nach Angaben des Energieversorgers Eon aufgrund des Unwetters am Donnerstagnachmittag ohne Strom. Besonders betroffen seien die Eifel, der linksrheinische Rhein-Sieg-Kreis, der Rheinisch-Bergische Kreis und Teile des Bergischen Landes, teilte das Unternehmen in Essen mit.
Die Karte zeigt, welche Regionen in NRW und Rheinland-Pfalz besonders stark mit Hochwasser zu kämpfen haben.
Die Karte zeigt, welche Regionen in NRW und Rheinland-Pfalz besonders stark mit Hochwasser zu kämpfen haben.
© Foto: dpa-infografik GmbH

Rurtalsperre ist übergelaufen: „Große Schäden“ in Kommunen an der Rur erwartet

Zwar ist die Rurtalsperre in der Eifel übergelaufen. Dennoch gibt es in der Region vorsichtige Entwarnung, Menschen können etwa nach Jülich und Düren zurück. Dennoch werden in den Orten „große Schäden“ erwartet.

Hochwasser in der Eifel: Zahlreiche Tote und Vermisste nach Unwetter

In der Eifel sind nach Unwettern und starkem Regen mindestens sechs Häuser eingestürzt. Weitere Häuser in der Gemeinde Schuld im Kreis Ahrweiler sollen einsturzgefährdet sein. Es gibt Tote und Vermisste. Weitere Infos im folgenden Artikel:

Unwetter in NRW und Rheinland-Pfalz – Hochwasser an Mosel, Saar, Rhein, Trier und Eifel

Nach einer Nacht am Mittwoch mit viel Regen, Hochwasser und Überschwemmungen ist die Lage weiterhin angespannt. An vielen Orten in der Eifel wie Schuld und Altenahr, aber auch in Trier sowie an Flüssen wie Rhein, Saar und Mosel ist die Lage bisweilen unübersichtlich – die Zahl der Toten und Vermissten steigt. Die Deutsche Presseagentur meldet (Stand 15.07. – 21 Uhr) mindestens 55 Todesopfer. Hier alle Infos zu den Überschwemmungen in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfahlen.

Campingplätze vom Hochwasser betroffen

Die Überschwemmungen in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz haben viele Campingplätze schwer getroffen. Einige können in dieser Saision vorraussichtlich nicht mehr öffnen. Was bedeutet das für Urlauber in Hinblick auf die Sommerferien? Welche Campingplätze in NRW und in RLP geöffent und welche geschossen haben, erfahrt ihr in diesem Artikel.