• Schnelltests auf Corona liefern das Ergebnis in 30 Minuten statt in 48 bis 72 Stunden
  • Die Verlässlichkeit ist je nach Hersteller mit einem teuren PCR-Test vergleichbar, liegt teilweise bei 99,68 Prozent
  • Bei Anwendung und Kostenübernahme gibt es in Deutschland noch Schwierigkeiten
  • Schnelltests sollen in Schulen und Pflegeheimen eingesetzt werden
  • Auch Airlines und Touristiker hoffen für 2021 im Interesse einer neuen Normalität auf den Schnelltest
Alten- und Pflegeheime können in Deutschland seit dem 15. Oktober Corona-Schnelltests durchführen, um Personal, Besucher und Bewohner besser vor dem Virus zu schützen. Mit der Teststrategie will man einer erneuten Isolation der Menschen in den Heimen entgegenwirken. Einrichtungsträger begrüßen die Schnelltests, sehen aber Schwierigkeiten in der Umsetzung, vor allem weil dafür in der ohnehin angespannten Pflegesituation Personal fehlt.
Zudem gibt es laut dem Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste bürokratische Hürden, wenn Heime die Tests beantragen. Darum würden die Tests noch nicht flächendeckend angewendet. Die Pflegeheime müssen zunächst ein individuelles Testkonzept erarbeiten. Dann müssen sie ihren Plan dem Gesundheitsamt zur Genehmigung vorlegen. Ist die da, können die Einrichtungen die festgelegte Zahl an Antigen-Tests für zunächst 30 Tage bestellen. Die Heime dürfen pro Bewohner 20 Schnelltests im Monat verwenden.
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Bozen

Corona Schnelltest: Probleme mit Personal und Kosten

Die Kosten für den Test im Pflegeheim übernehmen nach der Verordnung des Bundesgesundheitsministeriums die Krankenkassen. Unklar ist nach der Kritik vieler Einrichtungsträger noch die Finanzierung des zusätzlichen Personalaufwandes. Nur geschulte Pflegekräfte dürfen die Proben nehmen.
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Für die Tests muss ein Abstrich im Nasenrachenraum vorgenommen werden. Die einfachere Auswertung der Antigentests erlaubt die Testung auch außerhalb eines Labors, zum Beispiel direkt im Pflegeheim. Die Antigentests haben jedoch eine höhere Fehlerquote als die sogenannten PCR-Tests in den Laboren. Fallen sie positiv aus, ist ein PCR-Test zwingend, bevor eine Quarantäne angeordnet werden kann. Viele Experten sprechen deshalb von einer „Vorstufe von Sicherheit“.

Schnelltest für Schule, Kita und Firmen

An Schulen, Kindergärten oder im Berufsleben können die Schnelltests jedoch bei der effizienten Abklärung von Corona-Verdachtsfällen helfen. Im Gegensatz zum PCR-Test liegt das Ergebnis nicht erst nach drei Werktagen vor, sondern nach einer längeren Kaffeepause oder einem Spaziergang. Der Hersteller Roche nennt für seine Schnelltests eine Spezifizität von 99,68 Prozent und eine Sensitivität von 96,52 Prozent. Das heißt, es gibt nur etwa 3,48 Prozent falsch-negative Ergebnisse und fast überhaupt keine falsch-positiven.
Diese Werte sind durchaus mit einem teuren PCR-Test vergleichbar. Manche Anbieter haben jedoch eine Sensitivität von nur 92 Prozent. Für den Schnelltest liegen die Gesamtkosten inklusive Entnahme und Material für Privatpatienten bei etwa 60-70 Euro. Antworten auf einige allgemeine Fragen rund um Coronatests.

Baden-Württemberg bestellt 5 Millionen Schnelltests

Die Slowakei, Südtirol oder Österreich nehmen mit dem Schnelltest sogar die ganze Bevölkerung ins Visier, was statistisch gesehen jedoch zu vielen falsch-positiven und falsch-negativen Ergebnissen führt und deswegen umstritten ist. Der Schnelltest ist erst seit Ende September in größeren Mengen verfügbar. Am Land Baden-Württemberg gab es Kritik wegen der zeitaufwändigen Bestellung von 5 Millionen Schnelltests über ein öffentliches Vergabeverfahren. Wann diese geliefert werden, ist immer noch nicht bekannt. Die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg führt eine Liste mit Testzentren und Schwerpunktpraxen, in der auch Anlaufstellen für Schnelltests auf privater Basis genannt sind.

Schnelltest bei der Lufthansa, aber nicht für die Einreise nach Spanien

Die Lufthansa hat den Schnelltest auf Strecken wie Frankfurt-Berlin oder München-Berlin im Einsatz und trägt die Kosten dafür selbst. Man hofft auch für den internationalen Tourismus im Jahr 2021 auf den Schnelltest. Derzeit werden bei der Einreise in Länder wie Spanien mit den weitgehend coronafreien Kanren jedoch nur PCR-Tests akzeptiert. Auch Mallorca, das Mitte November eine niedrigere Inzidenz hatte als die meisten Regionen in Deutschland, akzeptiert keinen Schnelltest. Zudem gilt die Insel beim RKI als „Risikogebiet“ und unterliegt einer Reisewarnung vom Auswärtigen Amt.