Lange Schlangen in der slowakischen Hauptstadt Bratislava und den anderen Gemeinden des Landes mit 5,5 Millionen Einwohnern. Fast alle erwachsenen Bürger sowie Kinder über 10 Jahren lassen sich in diesen Tagen auf Corona überprüfen, denn nur mit einem negativen Ergebnis darf man in der Slowakei überhaupt noch auf die Straße. Die österreichische Tageszeitung „Kurier“ berichtet, dass zuvor bereits ein Probelauf stattgefunden hatte.
Die konservative Parteienkoalition von Premier Igor Matovic verfolgt mit dem für Teilnehmer kostenlosen Massentest das Ziel, einen harten Lockdown zu vermeiden. Wer nicht mitmachen will, der muss in Quarantäne. Im Einsatz sind dabei Schnelltests auf Antigen-Basis, die laut Laborangaben 90 bis 92 Prozent der positiven Corona-Fälle anzeigen können. Die Quote der falsch-positiven Tests soll hingegen nur bei einem Prozent liegen.

Zigtausende Slowaken nach Schnelltest in Quarantäne

Nach Angaben von Verteidigungsminister Jaroslaw Nad ließen sich allein am Samstag bereits 2,58 Millionen Slowaken testen. Ein Prozent der Teilnehmer sei positiv getestet worden und müsse nun in Quarantäne, hieß es. Mehr als 40.000 Mediziner, Soldaten, Polizisten, Verwaltungsmitarbeiter und Freiwillige waren im Einsatz und bekamen dafür jeweils 500 Euro Sonderprämie. Es handelt sich um den weltweit ersten derartigen Versuch in einem Gebiet mit vergleichbarer Einwohnerzahl.
Die Massentestung wird von Medizinern wegen der relativ hohen Fehlerquote auch kritisch gesehen. Allerdings verspricht man sich für Seniorenheime oder Reisende am Airport künftig neue Einsatzfelder. Außerdem sind die Antigentests wesentlich kostengünstiger als eine PCR-Testung und liefern innerhalb von 15 Minuten ein Resultat. Auch die Bundesregierung will sie eventuell in ihre Teststrategie aufnehmen, hat aber bisher nichts Näheres dazu bekannt gegeben.