• Auch in Italien steigen die Zahlen der Infektionen mit dem Coronavirus im Herbst wieder deutlich an
  • Besonders stark betroffen sind auch die bei Urlaubern beliebten Regionen Lombardei, Piemont und Toskana
  • Die Regierung plant eine weitere Verschärfung der Regeln
  • Reisen sollen nur noch stark eingeschränkt möglich sein, das Land soll zudem in drei Risikozonen eingeteilt werden
Italien verhängt im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus eine nächtliche Ausgangssperre von 22.00 Uhr abends bis 5.00 Uhr morgens. Außerdem teilt die Regierung das Land in drei Risikozonen ein und erlässt Teil-Lockdowns für besonders gefährdete Gebiete. Das geht aus dem Dekret hervor, das Ministerpräsident Giuseppe Conte in der Nacht zu Mittwoch in Rom unterschrieben hat.
Die Verschärfung tritt am Donnerstag in Kraft und gilt zunächst für vier Wochen bis zum 3. Dezember. Im ganzen Land müssen alle Museen schließen. Öffentliche Verkehrsmittel dürfen nur noch halb voll sein. Höhere Schulen müssen auf Online-Unterricht umstellen.
Italien hatte am Dienstag rund 28 250 Neuinfektionen binnen 24 Stunden registriert. In dem Land steckten sich im Schnitt Ende Oktober in einer Woche bezogen auf 100.000 Einwohner etwa 167 Menschen mit dem Virus an.

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Corona-Regeln in Italien: Reisen in Hochrisiko-Zonen stark beschränkt

In den Zonen mit hohem oder sehr hohem Risiko wird das Verlassen des Wohnorts und der Region beschränkt. Als Ausnahmen gelten die Arbeit oder medizinische Gründe. Zudem müssen dort Bars und Restaurants schließen.
Mit dem Prinzip der drei Risikozonen will Rom gezielter auf regionale Unterschiede bei der Corona-Entwicklung eingehen, aber einen strengen nationalen Lockdown wie im Frühjahr verhindern. Außerdem soll die Belastung und Qualität des Gesundheitssystems einbezogen werden. In roten Zonen mit sehr hohem Corona-Risiko gehen die Verbote dabei am weitesten: Dort sollen auch viele Geschäfte geschlossen bleiben. Ausgenommen werden unter anderem Lebensmittelläden und Apotheken.
Nach ersten Berichten dürften weite Teile des Nordens, etwa die wirtschaftsstarke Lombardei und das Piemont, zu roten Zonen erklärt werden. Südtirol war von sich aus schon am Mittwoch mit einem Teil-Lockdown gestartet. Im Süden solle Kalabrien zur Hochrisikozone erklärt werden, schrieb die Zeitung „La Repubblica“.
Im Vorfeld war von Lockdowns in Corona-Hotspots wie Mailand und einigen Regionen die Rede gewesen. Conte nannte jetzt jedoch keine konkreten Orte, für die besondere Regeln gelten könnten.

Corona Italien aktuell: Diese Regeln gelten im Land

Italien hat ähnlich wie Deutschland das Land wegen stark gestiegener Infektionszahlen erneut heruntergefahren. Diese Einschränkungen gelten nach Angaben des Auswärtigen Amtes aktuell:
  • Ausgangsbeschränkungen: In zahlreichen Regionen gelten (nächtliche) Ausgangsbeschränkungen.
  • Hotels und Geschäfte bleiben geöffnet. Kunden müssen aber mit verkürzten Öffnungszeiten rechnen.
  • Bars und Restaurants schließen um 18 Uhr.
  • Kulturelle und soziale Veranstaltungen sind im öffentlichen und im privaten Rum verboten.
  • Lifte und Bahnen in den Skigebieten bleiben geschlossen.
  • Öffentliche Verkehrsmittel dürfen nur noch halbvoll sein.
  • Schulen und Universitäten haben den Betrieb unter Einhaltung strenger Hygieneregeln wieder aufgenommen. Höhere Schulen müssen auf Online-Unterricht umstellen.
  • Museen im Land müssen schließen.

Das sind die aktuellen Zahlen für Italien

Das italienische Gesundheitsministerium aktualisiert die Corona-Zahlen des Landes regelmäßig. Das sind die aktuellen Corona-Daten für Italien (Stand: 04.11.2020, 15:45 Uhr):
  • Bestätigte Covid-19-Fälle seit Beginn der Pandemie: 759.829
  • Zahl der aktuell Infizierten: 418.275
  • Zahl der Genesenen: 302.275
  • Zahl der Menschen, die an oder mit Corona gestorben sind: 39.412
Italien hatte am Dienstag rund 28.250 Neuinfektionen binnen 24 Stunden registriert.

Corona in Italien: „48 Stunden, um Verschärfung auf den Weg zu bringen“

Die Zahlen stiegen zuletzt derart schnell an, dass die Politik sich offenbar zum Handeln gezwungen sieht. „Wir haben 48 Stunden, um zu versuchen, die Verschärfung auf den Weg zu bringen“, hatte Gesundheitsminister Roberto Speranza der Zeitung „Corriere della Sera“ am Sonntag gesagt. „Es sind zu viele Menschen unterwegs.“ Man müsse die Italiener davon überzeugen, so viel wie möglich zu Hause zu bleiben. Noch stünden die Intensivstationen nicht vor dem Kollaps, aber der Druck steige. Der Regionalpräsident der Lombardei, Attilio Fontana, forderte national einheitlich Vorgaben.
Die Mitte-Links-Regierung hatte im Laufe des Oktobers fast im Wochenrhythmus neue Regeln und Notdekrete erlassen. Bisher wurde trotzdem kein Abschwellen der zweiten Infektionswelle registriert. Im Land gilt seit mehr als drei Wochen eine Maskenpflicht. Theater und Kinos wurden per Erlass vor rund einer Woche geschlossen. Bars und Restaurants dürfen nur noch bis 18 Uhr Gäste bedienen. Für den Unterricht an Gymnasien wurde ein teilweiser Online-Unterricht angeordnet. Conte hatte wiederholt gesagt, Rom wolle den nationalen Stillstand auch aus ökonomischen Gründen verhindern.
Der Präsenzunterricht in Schulen ist ein heißes Eisen. Schon beim ersten italienweiten Lockdown im Frühjahr waren viele Eltern wütend, weil die Schulen danach bis Ende des Sommers geschlossen blieben.

Italienische Regierung berät mit Vertretern aus 20 Regionen

Am Sonntag beriet die Regierung mit Vertretern aus den 20 Regionen, Bürgermeistern und Experten. Ein Vorschlag sei, für ältere Menschen ab 70 Jahren die Bewegungsfreiheit einzuschränken, schrieb die Nachrichtenagentur Ansa. Ältere wiesen mehr tödliche Covid-19-Verläufe auf als Jüngere.
Im Laufe der Woche hatten sich die Proteste von Verbänden und Bürgern gegen die Verschärfungen gemehrt. Dabei war es teilweise zu Krawallen und Auseinandersetzungen mit der Polizei gekommen - so am Freitag in Florenz und am Samstag in Rom. Politiker machten Neo-Faschisten, jugendliche Straftäter und linke Extremisten für Übergriffe verantwortlich.

Proteste in Rom, Florenz und Bologna gegen weitere Verschärfung der Regeln

In der italienischen Hauptstadt Rom versammelten sich am Samstagabend mehrere hundert Menschen auf dem zentralen Campo de' Fiori. Weil einige Demonstranten mit Flaschen und Feuerwerkskörpern warfen, löste die Polizei die Demonstration mit Schlagstöcken auf. Auch eine zweite Protestaktion endete mit Zusammenstößen.
Am Freitagabend war es schon in Florenz zu Gewalt gekommen. Die Polizei versuchte rund 200 Menschen daran zu hindern, sich auf der Piazza della Signoria zu versammeln. Einige Demonstranten warfen Brandsätze, Flaschen und Steine, stießen Mülltonnen um und zerstörten Sicherheitskameras. Es gab 20 Festnahmen.
In Italien gab es am Wochenende in verschiedenen Großstädten wie Rom, Florenz oder Bologna Proteste gegen die geltenden Corona-Regeln. Dennoch droht dem Land angesichts stark steigender Zahlen ein neuer Lockdown.
In Italien gab es am Wochenende in verschiedenen Großstädten wie Rom, Florenz oder Bologna Proteste gegen die geltenden Corona-Regeln. Dennoch droht dem Land angesichts stark steigender Zahlen ein neuer Lockdown.
© Foto: DPA
Auch in Bologna gingen am Freitagabend mehrere hundert Menschen auf die Straße, darunter auch Fußball-Hooligans. Einige zeigten dabei Berichten zufolge den faschistischen Gruß. Zuvor hatte es bereits in Städten wie Mailand, Neapel und Turin teils gewaltsame Proteste gegen die Corona-Maßnahmen gegeben.
Innenministerin Luciana Lamorgese machte "gewaltbereite Randelemente" für die Ausschreitungen verantwortlich. Unter den Demonstranten seien Vorbestrafte, Hooligans und Rechtsextreme, die die "berechtigten" Proteste gegen die Corona-Maßnahmen ausnutzten, sagte sie der Zeitung "Il Foglio".
Angesichts der rasanten Ausbreitung des Coronavirus waren in Italien bereits vor einer Woche neue landesweite Einschränkungen in Kraft getreten. Kinos, Theater, Sportstudios und Schwimmbäder mussten schließen, Restaurants und Bars dürfen seitdem nur noch bis 18.00 Uhr öffnen. Berichten zufolge erwägt Ministerpräsident Giuseppe Conte inzwischen aber auch neue Lockdowns in Großstädten wie Mailand und Neapel.


Ministerpräsident Conte verliert in der Corona-Krise an Popularität

Ministerpräsident Conte verliert in der zweiten Corona-Welle an Popularität bei den Bürgern, wie eine Samstag publizierte Umfrage des Forschungsinstituts Ipsos ergab. In der ersten Corona-Welle und danach, als die Virus-Werte niedrig waren, hatte der Jurist stark an Vertrauen in der Bevölkerung gewonnen.
Unterdessen wurde am Montag bekannt, dass die italienische Fußball-Ikone Francesco Totti positiv auf das Coronavirus getestet worden ist. Der ehemalige AS-Rom-Kapitän hatte zuletzt einige Symptome aufgewiesen, er sei jedoch auf dem Weg zu Besserung, berichteten italienische Medien am Montag.
Vor drei Wochen war Tottis Vater Enzo an Covid-19 verstorben. Francesco Totti war mit den Römern Meister 2001 und mit Italien Weltmeister 2006 geworden.