Wie sicher lässt sich eine Infektion mit dem Coronavirus nachweisen? Wie zuverlässig sind die eingesetzten Tests? Was passiert, wenn ich positiv getestet werde? Diese Punkte stehen in den Tagen der zweiten Welle aktuell immer wieder im Fokus. Zudem stellt sich die Frage nach der Bedeutung eines positiven Testergebnisses: Ist ein positiv Getesteter zwangsläufig ansteckend? Antworten auf einige Fragen rund um Coronatests.

Wann ist ein PCR-Test möglich?

Wegen Überlastung der Laborkapazitäten und relativ hoher Kosten zeigt sich der Staat derzeit zurückhaltend mit PCR-Tests. Auf einen vagen Verdacht hin oder auf eigenen Wunsch hin werden sie in den Testzentren normalerweise nicht durchgeführt, sondern nur per Terminvereinbarung und nach telefonischer Rücksprache des Patienten mit der Hausarztpraxis. Hat man die mündliche Empfehlung der Sprechstundenhilfe, ist der PCR-Test in der Regel eine Kassenleistung. Allerdings fragt das Testzentrum bei der Anmeldung nach den konkreten Gründen.

Was kostet ein PCR-Test und wo gibt es ihn?

In manchen Bundesländern sind freiwillige PCR-Tests ab 59 Euro erhältlich, unter anderem etwa am Flughafen Frankfurt. In Baden-Württemberg liegen die Kosten jedoch meist zwischen 140 und 190 Euro, mit Aufpreis für die Ausstellung in englischer Sprache. Hat man keine Symptome und benötigt das Papier zum Beispiel für eine Auslandsreise, übernehmen viele Hausärzte den Test gerne als Privatleistung auch ohne auf der offiziellen Liste der Testzentren zu stehen. Bei konkretem Verdacht auf Corona sollte man jedoch keinesfalls eine Praxis ohne Voranmeldung betreten und bekommt gegebenenfalls meist einen Hintereingang zugewiesen. Die kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg führt eine Liste mit Testzentren und Schwerpunktpraxen.

Wann liegt beim PCR-Test das Ergebnis vor?

Manche Labore versprechen ein Ergebnis in höchstens 24 Stunden, in der Praxis dauert es aktuell eher 48 bis 72 Stunden. Für den Eigengebrauch empfiehlt sich manchmal auch ein Schnelltest, der jedoch nicht als normale Kassenleistung gilt (außer in Sonderfällen), in manchen Situationen aber vielleicht vom Arbeitgeber übernommen werden kann. Für offizielle Zwecke anerkannt ist bislang nur der PCR-Test.

Corona-Inzidenz nach Bundesländern

  • Baden-Württem­berg: 133
  • Bayern: 168
  • Berlin: 200
  • Brandenburg: 76
  • Bremen: 148
  • Hamburg: 101
  • Hessen: 170
  • Mecklenburg-Vorpommern: 45
  • Niedersachsen: 84
  • NRW: 166
  • Rheinland-Pfalz: 130
  • Saarland: 124
  • Schleswig-Holstein: 48
  • Thüringen: 100
  • Quelle: RKI
  • Stand: 20. November

Was wird mit PCR-Tests nachgewiesen?

Bei einem PCR-Test (PCR: polymerase chain reaction, deutsch: Polymerase-Kettenreaktion) wird meist aus dem Rachenraum ein Abstrich genommen, der im Labor auf Genmaterial von Sars-CoV-2 untersucht wird. Dafür wird das nur in geringen Mengen vorhandene genetische Material einer Probe zunächst in mehreren Durchgängen vervielfältigt. Anschließend kann man sehen, ob Gensequenzen des Virus vorliegen oder nicht.
Der Test stellt eine meldepflichtige Infektion im Sinne des Infektionsschutzgesetzes fest. Für den Nachweis einer Infektion ist es irrelevant, wie viel Virus ein Mensch in sich trägt.

Wie sieht es mit der Fehlerquote bei PCR-Tests aus?

PCR-Tests sind sehr genau, können aber in seltenen Fällen auch falsche Ergebnisse liefern. Wissenschaftler unterscheiden hier zwei statistische Größen: Die Sensitivität gibt an, wie gut ein Test mit Sars-CoV-2 infizierte Menschen richtig erkennt. Die Spezifität gibt an, wie gut der Test einen Nicht-Infizierten korrekt als solchen erkennt. Es stehen eine Reihe von kommerziellen Testsystemen zur Verfügung, für die hohe Werte für Sensitivität und Spezifität angegeben werden. Nach Laborangaben sind weniger als ein Prozent der PCR-Tests falsch positiv. Vor allem bei relativ hohen Infektionszahlen in der Bevölkerung wie derzeit in Deutschland sind durch Massentestreihen auch keine statistischen Verzerrungen durch die so genannte „Vortestwahrscheinlichkeit“ zu erwarten.
Die Angaben für falsch negative Tests schwanken in der Literatur hingegen zwischen weniger als einem Prozent und bis zu 20 Prozent, da eine Corona-Infektion eine Inkubationszeit von etwa 5 Tagen hat und das Virus in dieser Phase nicht unbedingt nachweisbar ist. Eine Rollen spielen aber auch die Umstände bei der Probennahme, Transport und Lagerung sowie bei der Bearbeitung im Labor.
Wenn die Tests korrekt durchgeführt und deren Ergebnisse fachkundig beurteilt werden, geht das RKI „von einer sehr geringen Zahl falsch positiver Befunde aus, die die Einschätzung der Lage nicht verfälscht“. Konkretere Angaben macht das Institut nicht.

Sind alle Menschen mit positivem PCR-Ergebnis ansteckend?

Nein. PCR-Tests weisen nicht nach, ob ein Mensch zum Zeitpunkt des Abstriches infektiös ist oder nicht. Erbgut findet sich auch in totem Virusmaterial, das zum Beispiel nach einer vom Immunsystem erfolgreich bekämpften Infektion noch vorhanden ist. Solches Material kann sich auch noch viele Tage bis mehrere Wochen nach einer Infektion nachweisen lassen - ansteckend ist der Betroffene dann unter Umständen längst nicht mehr.
Labordaten legen nahe, dass Infizierte zwei Tage vor Symptombeginn und zu Beginn der Krankheit am ansteckendsten sind, wie es von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) heißt. Je nachdem, wann der Test erfolgt, kann ein nachweislich Infizierter bereits nicht mehr ansteckend sein - aber auch später noch infektiös werden. Auch bei einem asymptomatischem Infektionsverlauf kann das Virus übertragen werden. Im Übrigen gab es in letzter Zeit Diskussionen um falsch-positive Coronatests unter Profi-Fußballern.

Was sagt der sogenannte Ct-Wert beim PCR-Test aus?

Der Ct-Wert gibt einen Hinweis auf die Virusmenge, die ein Infizierter in sich trägt. Er zeigt an, wie viele Zyklen die PCR laufen muss, bis Virus-Erbgut entdeckt wird. Ist die Virenmenge in der Probe groß, reichen dafür relativ wenige Runden. Je geringer die Viruskonzentration in der Probe ist, desto mehr Zyklen sind nötig - und desto höher ist der Ct-Wert.
Ist der Ct-Wert größer als 30, wird das als Hinweis auf eine niedrige Viruskonzentration gewertet. Nach Angaben des RKI lässt sich aus Proben mit einem Ct-Wert von mehr als 30 in Laborversuchen kein Virus mehr vermehren. In vielen Laboren, die PCR-Tests auswerten, wird die Analyse erst bei einem Ct-Wert von etwa 45 gestoppt - vor allem bei anlasslosem Testen können darum auch Menschen ein positives Testergebnis erhalten, die nicht mehr ansteckend sind.

Wann droht durch den Test eine Quarantäne?

Allerdings variieren Ct-Werte auch in Abhängigkeit von Abstrichqualität und Testdetails. Bislang wird der Wert bei der Übermittlung der Testergebnisse an die Gesundheitsämter in der Regel gar nicht aufgeführt. Die Amtsärzte haben somit auch keine Handhabe für eine Verkürzung der Quarantänezeit im Einzelfall. Manche Experten fordern nun eine Reduktion auf maximal 30 Testzyklen und die standardmäßige Übermittlung der Daten an die Gesundheitsämter.
Jeder der per PCR positiv auf Corona getestet wurde, muss sich im Prinzip sofort in Quarantäne begeben, sobald er davon erfährt oder von den Behörden verständigt wird. Selbst bei einem negativen Test, kann unter Umständen eine Quarantäne drohen.