• Milliarden Menschen haben in aller Welt das Jahr 2023 begrüßt.
  • Auch in Deutschland gab es diesmal wieder große Feuerwerke nach den pandemiebedingten Verkaufsverboten der Vorjahre.
  • Bei ungewöhnlich mildem Wetter mit vielerorts zweistelligen Temperaturwerten lagen sich Menschen in den Armen, um einander ein frohes neues Jahr zu wünschen.
Frohes Neues! Für Einsatzkräfte bedeutet der Jahreswechsel allerdings mehr Großeinsatz als Grund zur Freude. Feuerwehr und Polizei hatten einiges zu tun. Rettungskräfte bekamen es unter anderem mit abgesprengten Gliedmaßen und tödlichen Unfällen beim Hantieren mit Feuerwerkskörpern zu tun.
Auf der Bühne der ZDF-Silvesterparty am Brandenburger Tor in Berlin stimmten Sänger Sasha und Kollegin Aura Dione um Mitternacht den Silvesterklassiker „Auld Lang Syne“ an. Zahlreiche Touristen tanzten und feierten gemeinsam mit Bewohnern der Hauptstadt. Zuvor hatten bereits die Scorpions ihren Klassiker „Wind of Change“ gespielt. Die Feier war deutlich kleiner angelegt als in früheren Jahren. Die rund 2500 Karten für die Show waren zwar alle vergriffen, laut Polizei kamen am Ende aber nur rund 1300 Menschen, die über Stunden friedlich und ausgelassen zum Sound von DJ Bobo, Sasha und Laurell schunkelten und klatschten.
Übertönt wurde die Musik schon lange vor Mitternacht von zahllosen Böllern und Raketen, die auf der Straße des 17. Juni hinter dem Brandenburger Tor abgefeuert wurden. Ein offizielles Feuerwerk sollte es dort in diesem Jahr nicht geben. Doch Tausende Menschen, die es nicht auf den abgesperrten Bereich vor dem Tor schafften, hatten ihre eigenen Raketen - und ihre eigene Party - mitgebracht. Dabei sei es immer wieder zu Zwischenfällen und Konflikten auch mit Einsatzkräften gekommen, sagte ein Polizeisprecher.
Feuerwehr und Polizei hatten auch deshalb in diesem Jahr wieder deutlich mehr zu tun. Die Zahl der Angriffe auf Einsatzkräfte habe im Vergleich zur Zeit vor Pandemie-Beginn deutlich zugenommen, sagte ein Polizeisprecher in Berlin. Auf Twitter informierte die Polizei im Minutentakt über ihre Einsätze. Die Beamten rückten unter anderem aus wegen Schlägereien, Schüssen aus Schreckschusspistolen sowie Böller- und Raketenwürfen auf Passanten, Gebäude und Beamte. Nicht wenige Berliner verzichteten angesichts des Chaos auf manchen Straßen und Bürgersteigen lieber darauf, sich ins Getümmel zu wagen.

17-Jähriger in Leipzig von Pyrotechnik getötet

In Leipzig wurde ein 17-Jähriger beim Einsatz von Pyrotechnik so schwer verletzt, dass er später im Krankenhaus starb. Die Polizei schloss Fremdverschulden aus, konnte zunächst aber keine näheren Angaben zu dem Vorfall machen.
In Thüringen zogen sich zwei Männer während der Silvesternacht durch explodierende Feuerwerkskörper schwere Verletzungen zu. Ein 42-Jähriger wurde in Friemar bei Gotha beim Hantieren mit online bestellten Böllern so schwer verletzt, dass ihm beide Unterarme amputiert werden müssen, wie die Polizei sagte. In Schleiz verlor ein 21-Jähriger bei einem Unfall mit einem Sprengkörper seine Hand. Die illegale Kugelbombe sei direkt beim Entzünden explodiert. Trotz der folgenschweren Verletzungen seien die Männer nicht in Lebensgefahr.
In Sachsen-Anhalt erfasste ein betrunkener Autofahrer mit seinem Wagen einen Mann, der gerade auf der Straße Feuerwerkskörper anzündete. Der 42-Jährige wurde mehrere Meter weit über die Fahrbahn geschleudert und starb noch am Unfallort in Schönebeck (Elbe). In Baden-Württemberg wurde ein 39-Jähriger durch einen selbstentzündeten Feuerwerkskörper, der seine rechte Gesichtshälfte traf, schwer verletzt.
Bei der Kollision eines Rettungswagens mit einem Auto in Unlingen (Kreis Biberach) wurden drei Menschen verletzt.
Bei der Kollision eines Rettungswagens mit einem Auto in Unlingen (Kreis Biberach) wurden drei Menschen verletzt.
© Foto: Thomas Warnack/dpa

Silvester in Ulm und Region: Ein schwerer Unfall und viele kleine Brände

Auch in Ulm und Umgebung kam es an Silvester zu einigen Zwischenfällen. Hier eine Übersicht:
  • In Unlingen (Kreis Biberach) sind ein Auto und ein Rettungswagen zusammengestoßen. Drei Menschen wurden verletzt, der Sachschaden beträgt etwa 260.000 Euro.
  • In Göppingen setzte eine fehlgeleitete Rakete zuerst eine Hecke und dann ein Wohnhaus in Brand. Die Bewohner konnten sich retten, der Sachschaden ist enorm
  • Aus Ulm, Neu-Ulm und den umliegenden Kreisen Neu-Ulm und Alb-Donau meldete die Polizei einige kleinere Brände von Hecken und Mülleimern, außerdem ein paar Schlägereien.
  • In Ulm konnte die Feuerwehr gerade noch verhindern, dass das Feuer von einer brennenden Holzterrasse auf ein Haus übergreift. Vermutlich hatte zuvor ein Feuerwerkskörper eine Mülltonne in Brand gesteckt. Es entstand ein Sachschaden von etwa 30.000 Euro.
  • In Neu-Ulm setzte ein Feuerwerkskörper das Dach der Milchwerke Schwaben in Brand. Der Sachschaden soll bei bis zu 70.000 Euro liegen.
  • Das Polizeipräsidium Reutlingen meldete etwa 460 Einsätze aus der Neujahrsnacht. Insbesondere bei zahlreichen Körperverletzungsdelikten und Streitigkeiten, teilweise auch im häuslichen Bereich, waren die Beteiligten alkoholisiert. Außerdem ereigneten sich 49 Brände. Von den Bränden waren überwiegend Mülleimer, Altkleidercontainer, Hecken und pflanzliche Einfriedungen, teilweise aber auch Inventar auf Balkonen betroffen. In einigen Fällen sahen sich die einschreitenden Einsatzkräfte nicht zitierfähigen Beleidigungen ausgesetzt oder wurden mit Böllern beworfen beziehungsweise mit Raketen beschossen.
  • Das Polizeipräsidium Aalen berichtete ebenfalls von hunderten Einsätzen. Es gab etwa 30 Brände – unter anderem einen Stallbrand in Fichtenau. Sonst ereigneten sich keine größeren Unfälle.

Wetter zum Jahreswechsel: Sehr mild bei bis zu 20 Grad

Das ausgesprochen milde Wetter an Silvester zog diesmal auch Kälteempfindliche ins Freie. Selbst nachts wurden vielerorts noch zweistellige Werte erreicht, nachdem der Deutsche Wetterdienst tagsüber in vier Orten sogar 20 Grad und mehr gemessen hatte. Der höchste Wert wurde demnach gegen 14 Uhr mit 20,8 Grad im oberbayerischen Wielenbach erreicht. Auch am Neujahrstag werden im Südwesten nochmal bis zu 20 Grad erwartet.