In Niedersachsen wurde am 9. Oktober 2022 ein neuer Landtag bestimmt. Für die Bundesregierung ein wichtiger Stimmungstest in Zeiten des Ukraine-Kriegs und der Energiekrise. Der amtierende Ministerpräsident, Stephan Weil (SPD) wurde im Amt bestätigt und wird nun wohl eine Koalition mit den Grünen suchen. Hier gibt es alle Infos:
  • Wann gibt es erste Ergebnisse und Hochrechnungen?
  • Wie hat Niedersachsen 2017 und 2012 gewählt?
  • Wie viele Wahlkreise hat Niedersachsen?
  • Was haben die Umfragen vor der Wahl gesagt?

Landtagswahl Niedersachsen 2022: Das sind die Ergebnisse

Die Wahllokale in Niedersachsen sind geschlossen. Das vorläufige Endergebnis zeigt folgende Stimmverteilung:
  • SPD: 33,4 Prozent
  • CDU: 28,1 Prozent
  • Grüne: 14,5 Prozent
  • AfD: 10,9 Prozent
  • FDP: 4,7 Prozent
  • Linke: 2,7 Prozent
  • Andere: 5,7 Prozent

Wahlen in Niedersachsen: Koalitionen und Sitzverteilung

Wer wird nach der Landtagswahl in Niedersachsen das Sagen haben? Das ist natürlich die erste Frage, die es nach der Wahl zu klären gibt. Den ersten Hochrechnungen zufolge wäre eine rot-grüne Koalition sehr wahrscheinlich. Es ist außerdem das erklärte Wunschmodell von Weil, der mit den Grünen bereits von 2013 bis 2017 gemeinsam in Hannover regierte. Althusmann und die CDU können auf eine Neuauflage der großen Koalition mit der SPD hoffen, wahrscheinlich wird es jedoch eher in die Opposition gehen müssen.
Die Sitzverteilung im Landtag sieht nach dem Endergebnis wie folgt aus: Die SPD mit 57 Sitzen und die Grünen mit 24 Sitzen kommen gemeinsam auf eine absolute Mehrheit im Landtag. Die CDU erreicht 47 Sitze, dahinter liegt die AfD mit 18 Mandaten.

Wahlbeteiligung in Niedersachsen: Wie viele Wähler gingen zur Landtagswahl

Knapp 6,1 Millionen Wahlberechtigte durften ihre Stimme abgeben. 21 Parteien standen zur Wahl. In 87 Wahlkreisen traten 756 Bewerberinnen und Bewerber an, bei einem Frauenanteil von rund einem Drittel. Die Wahlbeteiligung lag den Prognosen zufolge bei 60,0 bis 61,0 Prozent. Bei der Wahl 2017 lag die Beteiligung am Ende bei 63,1 Prozent, nach 59,4 Prozent im Jahr 2013. Der bisher höchste Wert waren 84,4 Prozent im Jahr 1974, der niedrigste wurde 2008 mit 57,1 Prozent festgestellt.

Reaktionen auf die Wahl in Niedersachsen

Der 63-jährige Stephan Weil, seit fast zehn Jahren Regierungschef, peilt nun seine dritte Amtszeit an. „Die Wählerinnen und Wähler haben der SPD den Regierungsauftrag erteilt - und niemand anders sonst“, sagte er. „Wenn ich die Chance habe, möchte ich gerne eine rot-grüne Landesregierung bilden“, sagte er auf Phoenix. Weil hatte schon vor knapp zehn Jahren ein rot-grünes Bündnis geschmiedet, das sich auf nur eine Stimme Mehrheit stützte und 2017 an einer grünen Abweichlerin scheiterte.
Die Grünen wollen nun wieder Regierungsverantwortung übernehmen, wie Spitzenkandidatin Julia Willie Hamburg sagte. „Wir werden alles dafür geben, als Grüne künftig Niedersachsen für die nächsten fünf Jahre wieder zu gestalten und zukunftsfest aufzustellen.“
CDU-Spitzenkandidat Althusmann sagte, die CDU habe verloren. „Dieses Votum nehmen wir demütig an.“ Die SPD habe einen klaren Regierungsauftrag.
Weil könnte sogar Ernst Albrecht als Regierungschef mit der längsten Amtszeit in Niedersachsen ablösen. Den verunsicherten Wählern präsentierte er sich im Wahlkampf als erfahrener Krisenmanager, mit einem kurzem Draht zu Kanzler Olaf Scholz.
FDP-Chef Christian Lindner führte das enttäuschende Wahlergebnis seiner Partei auch auf die Koalition mit SPD und Grünen im Bund zurück. „Denn viele unserer Unterstützerinnen und Unterstützer fremdeln mit dieser Koalition“, sagte Lindner. „Wir sind in der Ampel-Koalition aus staatspolitischer Verantwortung, nicht weil SPD und Grüne uns von den inhaltlichen Überzeugungen so nahe stünden.“
In der Berliner Koalition könnte die FDP-Schlappe den Krawallfaktor gerade zwischen Liberalen und Grünen weiter erhöhen - vor allem mit Blick auf eine mögliche Zuspitzung der Energiekrise im Winter, mögliche weitere Entlastungsmaßnahmen, den Streit um die Atomkraft und die Schuldenbremse. Parteivize Wolfgang Kubicki forderte, dass die FDP ihre Positionen in der Ampel nun „deutlicher markieren“ müsse.
Bei den Landtagswahlen in diesem Jahr in Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein musste die FDP ebenfalls deutliche Verluste hinnehmen - für den Einzug in den Landtag reichte es aber jeweils noch. Bei der Saarland-Wahl im Frühjahr kam die Partei auf etwas mehr Zustimmung, verpasste den Einzug in das Landesparlament aber knapp.
AfD-Bundeschef Tino Chrupalla zeigte sich erfreut über die erstarkte Landtagsfraktion. „Alles, was über zehn Prozent ist im Westen, ist Volkspartei. Das sind wir“, sagte er. „Wir sind wieder da.“ Die AfD gewann nach drei Landtagswahlen mit Verlusten erstmals wieder hinzu. Das dürfte Wasser auf die Mühlen der Protestbewegung sein, die die rechte Partei in diesem Herbst auf die Beine stellen will.

Wahl in Niedersachsen: Wie viele Wahlkreise gibt es bei der Landtagswahl?

Das Land Niedersachsen hat als Flächenland relativ viele Wahlkreise: 87 Wahlkreise gibt es für die Landtagswahl 2022. Die gesamte Liste aller Wahlkreise gibt es hier auf der Seite des Landeswahlleiters.

Landtagswahl Ergebnisse 2017 und 2012

Niedersachsen wird meistens entweder von SPD und CDU regiert, seit 2017 sind beide Parteien in einer SPD-geführten großen Koalition. Bei der Wahl 2017 haben die Wählerinnen und Wähler wie folgt gestimmt:
  • SPD: 36,9 Prozent
  • CDU: 33,6 Prozent
  • Grüne: 8,7 Prozent
  • FDP: 7,5 Prozent
  • AfD: 6,2 Prozent
  • Linke: 4,6 Prozent
  • Andere: 2,5 Prozent
Die Wahlbeteiligung 2017 lag bei 63,1 Prozent, was höher war als bei der Landtagswahl 2012. Das waren die Ergebnisse in Niedersachsen 2012:
  • CDU: 36,0 Prozent
  • SPD: 32,6 Prozent
  • Grüne: 13,7 Prozent
  • FDP: 9,9 Prozent
  • Linke: 3,1 Prozent
  • Andere: 4,7 Prozent
Die Wahlbeteiligung lag bei 59,4 Prozent.

Niedersachsen-Wahl 2022: Das waren die Spitzenkandidaten

Bei der Landtagswahl 2022 gab es zwar nur zwei, die um das Amt des Ministerpräsidenten kämpften. Doch ohne den dritten im Bunde kommt wohl keiner mehr aus. Hier sind also die Spitzenkandidaten von SPD, CDU und Grüne: