Öl- und Gaspreise steigen stark an, der Ukraine-Krieg trifft Unternehmen und Privathaushalte hart. Die Ampel-Regierung will Entlastungspakete schnüren, weist aber auch darauf hin, dass Deutschland von fossilen Energieträgern unabhängig werden muss. Das gibt vielen Menschen einen Anreiz, sich jetzt nach Alternativen zu Gas- und Ölheizungen umzusehen. Doch welche Möglichkeiten gibt es überhaupt? Was sind ihre Vor- und Nachteile? Hier sind einige Infos, die Verbraucher vor der Umrüstung brauchen könnten.

Welche Alternativen gibt es zur Heizung mit Öl oder Gas?

Zunächst einmal ein Überblick: Welche Optionen gibt es überhaupt? Hier eine Liste mit möglichen Heizsystemen, die ohne Gas oder Öl funktionieren:
  • Wärmepumpe
  • Solarthermie
  • Infrarotheizung
  • Pellet- und Holzheizung
  • Brennstoffzellen / Blockheizkraftwerke
  • Hybride Systeme (Mischung aus erneuerbaren und fossilen Energien)

Wärmepumpe: Kosten und Funktion

Zum 1. Januar 2025 soll jede neu eingebaute Heizung auf Basis von 65 Prozent Erneuerbarer Energien betrieben werden. Experten sind optimistisch, dass das bei Wärmepumpenheizungen gelingt - vorausgesetzt, sie sind richtig dimensioniert und installiert.
Die Wärmepumpe gilt als die umweltfreundliche und zukunftssichere Alternative zur Öl- und Gasheizung. Im vergangenen Jahr wurden über 40 Prozent der Neubauten damit ausgestattet. Das mag auch daran liegen, dass Wärmepumpen großzügig vom Staat gefördert werden.
Eine Wärmepumpe nutzt die Sonnenenergie, die in der Umgebung (Luft, Erde, Wasser) gespeichert ist. Die Wärmepumpe nutzt Strom, um diese Umgebungswärme in Heizwärme umzuwandeln. Die Vorteile sind also: Kaum Co2-Emissionen und die Energiequelle ist kostenlos. Der Nachteil: Die Stromkosten können dadurch steigen. Außerdem ist die Installation einer Wärmepumpe aufwendig. Sie wird aber gefördert.

Solarthermie: Heizung aus Sonnenenergie

Mit der Solarthermie wird Sonnenenergie in Heizenergie umgewandelt. Dafür sind Solaranlagen auf dem Dach notwendig – diese können dann auch für die Stromerzeugung genutzt werden. Das Problem an diesem System: Wenn die Sonne nicht scheint (wie es im Winter oft der Fall ist), kann auch nicht gut geheizt werden. Außerdem ist die Wärme oft nicht ausreichend für die Heizung eines ganzen Hauses. Die Vorteile sind aber, dass die Technik vergleichsweise einfach zu installieren ist und ebenso einfach zu bedienen ist. Auch dieses Heizsystem wird gefördert.

Infrarotheizung: Elektroheizungen effektiv nutzen

Infrarotheizungen sind Elektroheizungen. Daher kann es sein, dass sie viel Strom verbrauchen. Das muss aber nicht sein: Es ist auch möglich, eine Elektroheizung effizient zu nutzen und so Öl und Gas zu sparen. Außerdem sind diese Heizsysteme sehr einfach zu installieren - und können sogar bei Mietwohnungen sinnvoll sein.

Brennstoffzellen und Blockheizkraftwerke (BHKW)

Brennstoffzellenheizungen sind aktuell ebenfalls im Trend: Sie erzeugen nämlich sowohl Strom als auch Wärme. In den Zellen wird eine chemische Reaktion erzeugt, die Wärme und Strom produziert. Das Problem: Es wird oft Erdgas in den BHKWs genutzt. Das muss aber nicht immer sein, denn es gibt auch ökologische Alternativen, die in den Zellen verwendet werden können. Ein Beispiel wäre Biomethan. Der Vorteil ist also, dass man sowohl emissionsfreie Wärme als auch emissionsfreien Strom beziehen kann und auch von Fördergeldern profitieren kann.

Heizen mit Holz: Heizen mit Pellets ist CO2-neutral

Wer mit Holz heizt, stößt natürlich CO2 aus. Warum spricht man trotzdem von einer CO2-neutralen Heizung? Weil die ausgestoßenen Emissionen nur genauso viel sein können, wie das, was der Baum vorher an CO2 aus der Luft entnommen hat. Es gibt also einen geschlossenen Kreislauf, es wird nichts zusätzliches ausgestoßen. Heizen mit Holz und Pellets kann also eine gute Alternative sein – man muss aber darauf achten, dass die Heizkessel oft mit hohen Wartungsaufwänden verbunden sind. Außerdem muss man sich immer wieder den Brennstoff besorgen, was je nach Wohngegend mehr oder weniger aufwändig sein kann.

Hybride Heizsysteme: Gas-Solar-Heizung und ähnliches

Alle die oben geschilderten Heizsysteme sind auch in Kombination mit fossilen Heizsystemen denkbar. Der Umstieg auf eine Hybridheizung fällt vielen Menschen leichter, als jetzt schon komplett zu den Erneuerbaren zu wechseln. Solarthermien und Wärmepumpen können also sehr gut zusammen mit Erdgas funktionieren, das sind dann Gas-Solar-Heizungen. Auch der Umstieg auf Hybride Heizsysteme wird aktuell gefördert.

Studie: Heizen ohne Gas und Öl bis 2035 möglich

Das Heizen der Gebäude in Deutschland kann laut einer Studie im Auftrag der Umweltorganisation Greenpeace ab 2035 vollständig durch erneuerbare Energien wie Wind und Sonne gesichert werden. Dazu müssten der Einbau neuer Öl- und Gasheizungen ab 2024 und der Betrieb bestehender Heizungsanlagen mit einem Ausstiegsgesetz schrittweise bis 2035 verboten werden, so Greenpeace. Die Kosten beziffert die Studie auf 72 Milliarden Euro jährlich.
Die Studie erstellte das Wuppertal Institut für Greenpeace. Die Wissenschaftler schlagen darin neben dem Ausstiegsgesetz ein ergänzendes Förderprogramm für zwölf Millionen Wärmepumpen und 70 Millionen Quadratmeter Solarthermieanlagen vor. Bisher sind laut Studie in Deutschland gut eine Million Wärmepumpen und 20 Millionen Quadratmeter Solarthermieanlagen installiert.
Zudem raten die Studienautoren zu einer schrittweisen Pflicht zur Sanierung ineffizienter Gebäude. Nötig ist hier demnach eine finanzielle Unterstützung der Eigentümer. Vorgeschlagen wird eine Bundesförderung für effiziente Gebäude; sie könne zur Sanierung von jährlich mindestens drei Prozent der Gebäude führen, heißt es.
Nah- und Fernwärmenetze müssten zur Erreichung des Ziels stark ausgebaut und bis 2035 auf erneuerbare Energien umgestellt werden, listet die Studie weiter auf. Hier sei ein Förderprogramm für Betreiber und Kommunen notwendig.

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