Die Sorgen um den kommenden Herbst und Winter nehmen kein Ende. Befürchtet wird, dass ab Juli 2022 kein Erdgas mehr aus Russland nach Deutschland kommt. Damit könnten die Gasspeicher nicht mehr rechtzeitig gefüllt werden. Die Bundesregierung warnt bereits und hat den Notfallplan Gas aktiviert. Die Bundesnetzagentur ruft die Bürgerinnen und Bürger dazu auf, sich jetzt schon darüber Gedanken zu machen, wie sie im Winter am besten Gas sparen können.
Es gibt mehrere Alternativen zur Gasheizung. Nicht jede ist aber für jeden Haushalt geeignet. Hier informieren wir über das Heizen mit Strom:
  • Welche Möglichkeiten gibt es?
  • Was kostet das Heizen mit Strom?
  • Welche elektrischen Heizungen sind am effizientesten?
  • Sollte man sich zur Not eine Stromheizung jetzt anschaffen?

Heizen mit Strom 2022: Das sind die Möglichkeiten

Aktuell gibt es eine Reihe von Heizungen, die mit Strom betrieben werden (können):
  • Infrarotheizung
  • Radiatoren mit Öl oder Wasser
  • Heizlüfter / Heizbläser
  • Nachtspeicherheizung
  • Wärmepumpe
Die Stromheizungen haben unterschiedliche Vor- und Nachteile, aber im Grunde eint sie - bis auf die Wärmepumpe - eine Sache: Sie sind billig in der Anschaffung, teuer im Betrieb. Denn das Heizen mit Strom ist extrem teuer. Auch wenn man sich vorstellt, dass die Gaspreise weiter steigen: Strom ist trotzdem teurer.
Nun gut, manch einer wird sich denken: Egal, eine teure Heizung ist besser als gar keine. Für welche Option sollte man sich also entscheiden?

Heizungen mit Strom: Welche ist am effizientesten?

Natürlich kommt es hier auch auf den Haushalt an. Um bei der Entscheidung zu helfen, geben wir hier den Überblick:

Radiator

Radiatoren funktionieren sehr einfach, was ihr Vorteil ist: Einfach einstecken in die Steckdose und los geht‘s. Meistens sind sie mit Öl gefüllt, manchmal auch mit Wasser. Die Flüssigkeit wird über einen Heizstab im Inneren erhitzt, nach und nach wird die Wärme in die Umgebung abgegeben. Sie sind relativ billig in der Anschaffung: Zwischen 50 und 200 Euro gibt man für diese Geräte aus. Eines der Nachteile ist aber, dass sie lange brauchen, um den Raum zu erwärmen. Und sie verbrauchen viel Strom.

Infrarotheizung

Diese Heizsysteme funktionieren ganz anders: Sie heizen nicht die Umgebungsluft auf, sondern die Gegenstände im Raum, also die Wände, Fußböden, Decke. So wärmen sie gleichmäßiger. Die Infrarotheizung sieht aus wie ein Paneel, das man an die Wand oder die Decke anbringt. Auch hier sind die Anschaffungskosten übersichtlich: 100 bis 350 Euro gibt man in der Regel aus. Nachteile sind allerdings, das auch hier hohe Stromkosten zur Falle werden können, und dass sie sich oft nicht im Altbau eignet. Es kommt ganz darauf an, ob die Wohnung oder das Haus gut gedämmt ist. Bei schlechter Dämmung braucht die Infrarotheizung noch mehr Energie, um die Wohnung aufzuheizen.

Heizlüfter

Diese kleinen Geräte erfreuen sich großer Beliebtheit, weil sie unkompliziert und klein sind. Sie heizen sehr schnell auf, sind aber wahre Stromfresser. Besonders für kleine Räume, die schnell warm werden sollen, können sie sich aber lohnen. Und der Anschaffungspreis ist attraktiv: Heizlüfter kosten in der Regel weniger als 100 Euro. Neben den hohen Stromkosten ist hier der Nachteil, dass sie laut sind. Im Dauerbetrieb wären sie also auch nervig. Zudem wirbeln sie Staub auf, was vielen unangenehm sein könnte.

Nachtspeicherheizung

Die Nachtspeicherheizung gibt es schon lange, und das Prinzip klingt clever: nachts wird der Ofen mit dem Strom aufgeheizt, der günstiger ist. Nachtstrom ist billiger als der Strom, der tagsüber zur Verfügung steht. Die Heizung speichert also nachts diesen Strom, wandelt ihn in Wärme um. Tagsüber wird die Wärme kontrolliert abgegeben. Der Nachteil ist, dass es vorkommen kann, dass für den Tag zu wenig Wärme gespeichert wurde, als am Ende wirklich benötigt wird. Und diese Heizungen sind besonders ineffizient, da ein Teil der gespeicherten Wärme an das Gehäuse verloren geht. Außerdem gibt es nicht mehr überall Nachtstromtarife.

Wärmepumpe

Die Wärmepumpe ist aktuell sehr beliebt. Doch ist das Problem bei diesen Systemen, dass man sie nicht überall installieren kann. Es gibt Erdwärmepumpen und die Luftwärmepumpe. Es wird also Umgebungswärme genutzt, um die Wohnung oder das Haus aufzuheizen. Sie ist aktuell seht beliebt, weil sie erneuerbar ist, also keine fossilen Quellen benutzt. Das, was nicht aus der Umgebung verwendet werden kann, kommt vom Strom - was in der Regeln aber nicht so viel ist. Sie ist daher die effizienteste Elektroheizung. Ein Nachteil sind die Anschaffungskosten hoch: Unter 1.500 Euro gibt es kaum etwas zu erwerben, und bis über 10.000 Euro geht es schnell. Und wie oben bereits erklärt: Nicht jeder kann sie installieren.

Sollte man sich jetzt eine Elektroheizung anschaffen?

Am Ende muss das jeder selbst wissen. Dass das Gas ganz aus bleibt, gilt als unwahrscheinlich. Privathaushalte werden bei Ausbleiben der Gasversorgung priorisiert, das heißt, dass die Privathaushalte immer versorgt werden. Wer trotzdem dazu beitragen will, dass weniger Gas verbraucht wird, kann das zum Teil mit Strom auffangen. Eine Kombination von Gas- und Stromheizung könnte sinnvoll sein, um den Gasverbrauch insgesamt zu senken. Aus Preisgründen sollte man das aber nicht tun: Gas wird teuer, Strom aber auch. Wenn die Gaspreise steigen, werden das die Strompreise auch tun.

Gas sparen Tipps: Kürzer duschen und weniger heizen

Die Sorge um einen Gasnotstand reißen nicht ab. Die Bundesregierung versucht die Deutschen daher schon jetzt auf den Sparmodus zu setzen.
„Jeder Verbraucher kann jetzt etwas tun, auch wenn man aktuell eher an Abkühlung denkt als an eine warme Wohnung im Winter“, sagte Ingbert Liebing, Chef des Stadtwerkeverbandes VKU. „Aber: Fast 20 Prozent des Wärmeaufkommens werden für Warmwasser benötigt. Wer beispielsweise kürzer duscht, hilft jetzt schon mit, die Speicher zu füllen. Und mit Blick auf die Heizperiode sollten wir alle unsere Temperaturen herunterregeln. Eine ein Grad geringere Raumtemperatur spart bis zu sieben Prozent am Energieverbrauch.“
Müller nennt kurzfristig umsetzbare Maßnahmen wie eine Senkung der Raumtemperatur um ein Grad, einen hydraulischen Abgleich der Heizungen sowie digitale Thermostate. „Wer kann, sollte auch Ausweichmöglichkeiten zum Heizen nutzen: Etwa den Holzofen. Ein neuer Sparduschkopf, neue Fenster oder eine Photovoltaikanlage – auch das sind alles Einsparmöglichkeiten, die relativ kurzfristig realisiert werden können.“
Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) machte deutlich: Im Falle einer Gasmangellage müssten alle Verbraucher Beiträge zum Energiesparen leisten. Über das Energiesicherungsgesetz könnte die Bundesregierung Verordnungen zur Energieeinsparung erlassen. Dabei könnte es zum Beispiel darum gehen, Vorgaben zu Mindesttemperaturen beim Heizen abzusenken. Außerdem gibt es einen EU-Solidaritätsmechanismus, damit sich Länder gegenseitig helfen - offen aber ist, wie dieser im Ernstfall aussehen würde.