Die aktuellen Gaspreise sind auf dem höchsten Niveau jemals. Noch nie war das Heizen mit Erdgas so teuer – und Experten befürchten, dass die Prognosen für 2022 nicht gut aussehen. Hauptgrund für den steigenden Gaspreis ist der Krieg in der Ukraine und das Streben Europas nach der Unabhängigkeit von russischer Energie. Allerdings waren die Gaspreise schon vor dem Krieg mit Russland auf einem Allzeithoch. Wir erklären in diesem Text:
  • Gründe für die Gaspreisentwicklung 2022
  • Prognose: Steigen die Preise für Gas noch weiter?

Gaspreise 2022: Gaspreisentwicklung und Prognose

Die Gaspreise sind 2022 so hoch wie noch nie. Im Mai lag der Preis bei rund 13 Cent pro kWh, beschreibt das Vergleichsportal Verivox. Zum Vergleich: 2019 lag der Preis bei 6,07 ct/kWh, davor waren die Gaspreise nur minimalen Schwankungen ausgesetzt.
Werden die Preise aber weiter steigen? Schwer zu sagen. Experten sprechen von einem „unberechenbaren“ Gasmarkt. Eine Entspannung ist aber nicht in Sicht. Sollte Russland den Gashahn zudrehen und Europa oder Deutschland von der Gasversorgung abschneiden, würden die Gaspreise weiter steigen. China kommt gerade aus einem erneuten Corona-Lockdown - möglich wäre es also, dass die Nachfrage durch die Wiederaufnahme der chinesischen Wirtschaftsleitung wieder plötzlich ansteigt. Ebenfalls kommt es darauf an, ob die EU und Deutschland es schaffen, andere Quellen für die Erdgasversorgung zu finden. Für den Fall eines weitgehenden russischen Gas-Lieferstopps schlägt die EU-Kommission aber staatliche Preisdeckel gegen hohe Energiepreise vor.

Warum sind die Gaspreise so hoch?

Wie oben bereits beschrieben ist eines der Hauptgründe für den Anstieg aktuell der Krieg in der Ukraine. Das erklärt aber noch nicht alles. Die Hintergründe zu den hohen Preisen sind vielfältig:

1. Der Ukraine-Krieg und die Auseinandersetzung der EU mit Russland

Mitte Juni hat Russland die Liefermengen nach Deutschland stark gesenkt und dies mit angeblich technischen Problemen begründet. Erstmals seit Jahrzehnten werden seitdem Lieferverträge mit deutschen Großhändlern nicht mehr erfüllt. Auch am Mittwoch kletterten die Preise weiter. Am niederländischen Handelsplatz TTF kostete im Juli zu lieferndes Erdgas am Nachmittag pro Megawattstunde rund 129 Euro. Am Montag vor einer Woche, also vor der Drosselung, hatte der Preis noch bei 83,40 Euro gelegen. Auch das war schon hoch. Langfristverträge waren in der Vergangenheit oft mit 20 bis 30 Euro abgeschlossen worden.

2. Der Winter 2020/21 war sehr kalt

Wir erinnern uns an die klirrende Kälte im Januar 2021: In Deutschland war der Winter 2020/21 besonders kalt. Dadurch wurden viele Gasvorräte aufgebraucht – die aber im Sommer 2021 nicht wieder vollständig aufgefüllt werden konnten. Der Sommer 2021 war außerdem sonnen- und windarm. Dadurch war es nicht möglich, in den Sommermonaten hauptsächlich auf Solar- und Windenergie zu setzen – es musste weiter mit Gas versorgt werden.

3. Corona

Auch hier hat die Pandemie ihre Finger im Spiel gehabt. Denn die Gasnachfrage hat sich auf dem Weltmarkt extrem erhöht, da die Wirtschaft vor allem in Asien wieder angezogen hat. Auch die USA haben sich schneller erholt als erwartet. Die Industrie verbraucht also wieder mehr Gas als üblich. Der Rohstoffmarkt ist leergefegt.

4. Der CO2-Preis

Seit Januar 2021 hat Deutschland einen CO2-Preis eingeführt. Dieser wirkt sich auch auf die Energiepreise aus, wenn sie von fossilen Energieträgern kommen. Seit dem 1. Januar 2022 liegt er bei 30 Euro pro Tonne CO2 und soll jährlich weiter steigen. Energieversorger geben diese Kosten zumindest teilweise an die Kunden weiter – weshalb die Energierechnung steigt.

5. Nord Stream 2

Der Genehmigungsstopp der neuen Erdgas Pipeline Nord Stream 2 führt ebenfalls dazu, dass die Preise für Erdgas ansteigen.

Dürfen die Gasanbieter die Preise jetzt einfach erhöhen?

Ja, das dürfen sie. Seit dem 21. Mai haben Gaslieferanten unter bestimmten Bedingungen zumindest eine gesetzliche Möglichkeit, von jetzt auf gleich alle ihre Verträge „anzupassen“, sprich: die Preise heraufzusetzen. Der neue Paragraf 24 des Energiesicherungsgesetzes, genannt „EnSiG“ macht es möglich. Aber nicht ohne Weiteres. Zwei Voraussetzungen müssen erfüllt sein: Zum einen müssen Alarmstufe oder Notfallstufe im Notfallplan Gas ausgerufen worden sein. Zum anderen muss die Bundesnetzagentur auf dieser Grundlage eine „erhebliche Reduzierung der Gesamtgasimportmengen nach Deutschland“ festgestellt haben. Diese Feststellung muss im Bundesanzeiger veröffentlicht werden. Erst dann dürfen die Unternehmen die Preise erhöhen.

Prognose am Energiemarkt: Heizölpreise steigen weiter

Auch die Ölpreise steigen in Deutschland weiter an. Das betrifft vor allem Heizölkunden. Hier lest ihr nach, wie die Prognose für Heizöl 2022 aussehen könnte.