• Die Corona-Zahlen in der Türkei sind aktuell sehr hoch, durch den Lockdown aber offenbar zuletzt gesunken
  • Die Türkei ist Risikogebiet - es gibt eine landesweite Reisewarnung des Auswärtigen Amts
  • Präsident Erdogan kündigte an, dass dieser Lockdown noch bis zum 17.05.2021 geht
  • In der Türkei gibt es Unmut darüber, dass Türken im eigenen Land keinen Urlaub machen können
  • Was Urlauber für Reisen wissen müssen zu den Regeln und Bestimmungen
Angesichts hoher Corona-Fallzahlen hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan einen mehr als zweiwöchigen Lockdown angekündigt. Seit Donnerstag, den 29.04., und bis 17.05.2021 müssen alle Betriebe schließen, die keine Ausnahmegenehmigung haben, wie Erdogan am Montag (26.04.2021) in Ankara sagte.

Urlaub in der Türkei - aber nicht für Türken?

„Türkei unbegrenzt, jetzt ohne Türken erhältlich“, heißt es auf einem Satire-Werbeplakat für Urlaub an den mediterranen Küsten des Landes. Zwei Kinder laufen an einem Strand entlang, weiter unten steht: „Machen Sie sich keine Sorgen, Millionen sind zu Hause.“ Die Türken reagieren in den Sozialen Medien mit Witz und Zynismus auf eine umstrittene Lockdown-Regelung: Die Menschen dürfen bis zum 17. Mai nur aus dringenden Gründen wie zum Einkaufen oder zum Arztbesuch auf die Straße. Einige Berufsgruppen und Touristen sind ausgenommen - Urlauber dürfen sich frei bewegen.
Die Konsequenz daraus sind absurd anmutende Szenen. Einem Türken in der Urlaubsregion Datca wurde erst kürzlich eine Strafe aufgebrummt, weil er schwimmen ging. Ukrainische Touristen dagegen blieben unbehelligt. Die Regelung sorgt wie auch ein Verkaufsverbot für Alkohol während des Lockdowns für Unmut in der türkischen Bevölkerung. Die Ausnahmeregelung für Urlauber hat aber durchaus Vorteile.

Urlaub in der Türkei: In Istanbul haben Touristen Plätze vor Hagia Sophia und Blauer Moschee für sich

In der Istanbuler Altstadt etwa haben Touristen den Platz zwischen der berühmten Hagia Sophia und der Blauen Moschee quasi für sich. Polizisten kontrollieren den Zutritt. Es ist ungewöhnlich ruhig: Vogelgezwitscher statt Verkehrslärm und Rufen von fliegenden Händlern. Urlauber schießen Fotos vor zartrosa blühenden Bäumen.
„Ich fühle mich wie jemand Besonderes in Istanbul“, sagt der 34-jährige Niederländer Arif lachend. Er habe sein Ticket schon Monate im Voraus gebucht und wollte es erst wegen des Lockdowns stornieren. Nun sei er froh, dass er gekommen sei.
Artem (28) aus der Ukraine ist regelrecht begeistert. „Es ist wundervoll“, sagt er. Mit seiner Freundin Karin sei er zum ersten Mal in der Türkei und froh, dass sie sich dazu entschieden haben, während des Lockdowns zu kommen. Dadurch sei einfach weniger los. „Es ist ein Segen, weil wir herumlaufen können wo wir wollen, die ganzen Sehenswürdigkeiten besichtigen und alle Fotos machen können“, sagt er. Er verstehe aber, dass das bei den Türken nicht unbedingt gut ankomme.

Urlaub in der Türkei: Lockdown endet am 17. Mai

Hinter der umstrittenen Regelung steht der Versuch der Regierung unter dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, die hohen Fallzahlen in den Griff zu bekommen und die ohnehin schon angeschlagene Wirtschaft zu schonen. Die tägliche Zahl der Neuinfektionen lag noch Mitte April bei mehr als 60.000 Fällen in dem Land, in dem etwa gleich viele Menschen leben wie in Deutschland. Kritiker warfen Erdogan vor, die Situation selbst verschuldet zu haben, unter anderem weil er Parteikongresse in vollgepackten Hallen abhielt. Inzwischen sinken die Fallzahlen wieder und lagen nach offiziellen Angaben zuletzt bei unter 20.000 täglich. Erdogan will die Zahl auf unter 5000 Fälle pro Tag drücken.
Der Tourismus ist einer der wichtigsten Wirtschaftszweige und war im vergangenen Jahr um rund 70 Prozent eingebrochen. Die Bevölkerung leidet ohnehin schon unter der hohen Inflation von rund 17 Prozent. Vor allem Lebensmittel werden immer teurer. Nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Metropoll von April gaben rund 27 Prozent der Befragten an, mit ihrem Einkommen ihre Grundbedürfnisse nicht decken zu können.
Vergangene Woche hatte der türkische Außenminister bei einem Besuch in Berlin eindringlich bei den Deutschen für Sommerurlaub in der Türkei geworben. Jeden, den Touristen zu Gesicht bekommen könnten, werde man bis Ende Mai impfen, versprach Mevlüt Cavusoglu - und löste damit gleich noch mehr Frustration aus. Die Impfkampagne in der Türkei startete mit schnellem Tempo, verläuft aber inzwischen schleppend.
„Wir fühlen uns schon manchmal wie Flüchtlinge in unserem eigenen Land“, sagt Durukan (23), der auf der Galata-Brücke Tickets für Stadtrundfahrten verkauft. Viele hätten das Gefühl, dass die eigenen Bürger nicht ernst genommen würden. Der Ausnahmeregelung für Touristen steht er gespalten gegenüber. „Wenn es diese Sonderregelung nicht geben würde, wäre ich arbeitslos, aber für unsere Gesundheit ist das natürlich gar nicht gut“, sagt er. Etwa sei für 15 Länder die Pflicht, bei der Einreise einen negativen PCR-Test vorzulegen, aufgehoben worden. Der Lockdown sei aber ohnehin ungerecht. Es gebe viele Ausnahmeregelungen. Wer jemanden bei den Behörden kenne, erhalte zudem leicht eine Genehmigung, um sich frei zu bewegen.

Corona-Lockdown Türkei: Urlaub und Reisen trotzdem möglich

Touristen sind aber von Ausgangsbeschränkungen ausgenommen. Das geht aus einem veröffentlichten Erlass des Innenministeriums hervor. Touristen im Land waren bereits zuvor von Ausgangsbeschränkungen am Wochenende nicht betroffen.
Die Türkei hatte wegen stark steigender Fallzahlen die Corona-Restriktionen bereits zu Beginn des Fastenmonats Mitte April weiter verschärft. So mussten etwa Cafés und Restaurants schließen und auf Lieferservice umstellen. Zudem bestehen nächtliche Ausgangssperren.

Türkei Einreisebestimmungen: Das ist beim Urlaub zu beachten

Seit März ist es Pflicht, sich 72 Stunden vor der Einreise in die Türkei online anzumelden. Das Formular ist auf der Website des türkischen Gesundheitsministeriums abrufbar, auch auf deutsch. Nach der Registrierung erhalten Reisende einen Genehmigungscode, den sogenannten „HES-Code“, der bei Kontrollen im Land griffbereit sein muss. Der Code kann auch in der Türkei per SMS angefordert werden.
Bei der Einreise müssen Urlauber einen negativen Covid-19-PCR-Test vorzeigen, der zum Einreisezeitpunkt nicht älter als 72 Stunden sein darf. Kinder unter sechs Jahren sind von dieser Regelung ausgenommen. Bei Flugreisen ist der Test bereits beim Check-in am Abflughafen in die Türkei vorzuzeigen.
Bei der Ankunft am Flughafen wird bei Reisenden die Körpertemperatur gemessen. Bei einem erhöhten Wert oder anderen Corona-Symptomen werden zusätzliche Gesundheitsuntersuchungen angeordnet.

Wichtige Informationen für Türkei-Reisende im Überblick

  • Liegt eine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes vor? Ja.
  • Ist ein Corona-Test bei der Einreise nötig? Ja, und zwar ein PCR-Test, der nicht älter als 72 Stunden sein darf.
Auch wegen ihren malerischen Stränden ist die Türkei eines der beliebtesten Reiseziele der Deutschen.
Auch wegen ihren malerischen Stränden ist die Türkei eines der beliebtesten Reiseziele der Deutschen.
© Foto: sulox32/Pixabay

Preise für Mietwagen in Urlaubsregionen steigen an

Mietwagen in Urlaubsregionen könnten in der anstehenden Reisesaison deutlich teurer werden. Sowohl Anbieter als auch Vergleichsportale machen entsprechende Anzeichen aus. Mit den aktuellen Lockerungen für den Tourismus in einigen Ländern und Regionen ziehen teilweise schon jetzt die Preise an. Treiber sind zwei Entwicklungen in der Corona-Krise: Zum einen nimmt die Nachfrage angesichts der beginnenden und erwarteten Corona-Lockerungen und der anstehenden Reisesaison kräftig zu. Zum anderen ist das Angebot begrenzt, weil die Vermieter in der Krise sparen mussten.
Die Portale billiger-mietwagen.de und Check24 beobachten bereits ein Anziehen der Preise. Bei billiger-mietwagen.de sieht man die Preise bei Buchungen für Juli und August derzeit um 54 Prozent höher als vor einem Jahr. In einigen Gegenden wie Spanien, Italien oder Griechenland liegen die Preise dabei mehr als doppelt so hoch wie vor einem Jahr. In Deutschland sind es 20 Prozent. Wer aktuell versucht, beispielsweise bei Sixt oder Europcar ein Auto für die erste Augustwoche auf Mallorca zu buchen, muss ab Flughafen für einen Kleinwagen bereits deutlich über 100 Euro bezahlen.
Und nicht nur im Sommer wird es teurer, bereits vergangene Woche stellte billiger-mietwagen.de ganz allgemein steigende Preise in einigen Ländern fest. Allen voran damals Großbritannien und die Vereinigten Staaten sowie Deutschland.
Check24 vergleicht die Preise für die Sommerreisesaison mit den Werten von 2019, stellt aber ebenfalls einen kräftigen Anstieg fest. Über die wichtigsten Ziele hinweg sind es 24 Prozent, in einigen Regionen wie Spanien mit 82 Prozent oder Italien mit 57 Prozent aber auch deutlich mehr. Für Deutschland sind es 16 Prozent.
„Viele Vermieter haben während der Corona-Pandemie ihre Flotten verkleinert, und nicht alle sind in der Lage, ihre Kapazitäten entsprechend der steigenden Nachfrage kurzfristig zu erhöhen“, sagt Andreas Schiffelholz von Check24. „Das gilt besonders auf beliebten Inseln wie Mallorca“. Dort sieht sein Unternehmen einen Anstieg um 94 Prozent.
Auch von Vermieterseite wird die Tendenz zu steigenden Preisen bestätigt, wenn auch nicht mit konkreten Zahlen unterlegt: Sixt-Patriarch Erich Sixt hatte bereits vergangene Woche angekündigt: „Wir werden so hoch gehen, wie es uns der Markt erlaubt und was wir den Kunden gegenüber verantworten können.“ Bei der Europcar Mobility Group, zu der auch Buchbinder gehört, hieß es: Noch seien die Preise auf dem Niveau von 2019, „sollte jedoch die Nachfrage gegen Sommer sehr stark ansteigen, ist durchaus mit höheren Preisen zu rechnen.“
Bei Avis Budget hält man sich zu den Preisen bedeckt, erwartet aber „größere Schwankungen sowohl bei der Nachfrage am Markt als auch beim Buchungsverhalten unserer Kunden“.

Die wichtigsten Corona-Regeln in der Türkei

  • Gastronomiebetriebe sind mit Ausnahme der Abhol- und Lieferdienste geschlossen.
  • Für das Betreten von Einkaufszentren ist der oben genannte HES-Code erforderlich.
  • Im gesamten öffentlichen Raum, in Supermärkten und in öffentlichen Verkehrsmitteln ist das Tragen von Schutzmasken Pflicht.
  • Bei Verstößen gegen die Hygienevorschriften können Geldstrafen verhängt werden.
Aufgrund des Infektionsgeschehens hat das türkische Gesundheitsministerium die Provinzen in vier Risikogruppen eingeteilt:
  • Geringes Risiko (blaue Zone),
  • mittleres Risiko (gelbe Zone),
  • hohes Risiko (orange Zone),
  • sehr hohes Risiko (rote Zone).
Landesweit gilt aktuell für alle Zonen eine tägliche Ausgangssperre von 19 bis 5 Uhr und an Wochenenden von Freitag 19 Uhr bis Montag 5 Uhr, teilt das Auswärtige Amt mit. Reisen zwischen den Provinzen mit privatem Transportmittel sind in den Zeiten der Ausgangssperren grundsätzlich verboten.
Möglich sind Reisen mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Die Nutzung öffentlicher Nahverkehrsmittel ist für Personen über 65 und unter 20 Jahren untersagt.
Ausländische Touristen sind grundsätzlich von den Ausgangssperren ausgenommen, örtliche Ausnahmen sind möglich. Wer sich den Verboten widersetzt, muss mit Strafen rechnen.

Das ist bei der Rückkehr nach Deutschland zu beachten

Urlauber müssen innerhalb von 48 Stunden vor der Rückkehr nach Deutschland in der Türkei einen Corona-Test machen. Die Kosten dafür müssen sie selbst tragen. Fällt der Test positiv aus, müssen sich Reisende in Quarantäne begeben. Eine Rückreise nach Deutschland ist dann vorerst nicht möglich. Wichtig: Die Test- und Quarantänepflichten in Deutschland bleiben trotzdem bestehen. Eine Rückkehr nach Deutschland ist dann vorerst ausgeschlossen. Die Test- und Quarantänepflichten in Deutschland bleiben dann trotzdem gültig.

Corona in der Türkei: Nur wenige Urlauber - Tourismus im Land bricht ein

Der Tourismus in der Türkei ist im ersten Quartal 2021 pandemiebedingt eingebrochen. Das türkische Statistikamt TurkStat meldete am Freitag Rückgänge bei Besucherzahlen und Brancheneinnahmen. Die Zahl der ausländischen Touristen, die von Januar bis März die Türkei besuchten, fiel demnach um 53,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Die Einnahmen aus dem Tourismus sanken im genannten Zeitraum den Angaben zufolge um mehr als 40 Prozent.
Von den Besuchern, die in die Türkei reisten, entschied sich die Mehrheit für All-inclusive-Urlaubspakete, hieß es weiter. Zudem seien im ersten Quartal 84 Prozent weniger Türken ins Ausland gereist.
Bereits 2020 hatten die Reisebeschränkungen durch Corona einen verheerenden Einfluss auf den Tourismus. Die Branche gilt als wichtige Einnahmequelle für die kränkelnde türkische Wirtschaft: 2018 machte der Tourismus nach Angaben der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) 7,7 Prozent der Arbeitsplätze aus. Im gleichen Jahr beliefen sich die Einnahmen aus dem Tourismus auf 3,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP).

Türkei bestellt 50 Millionen Dosen des russischen Impfstoffs Sputnik V

Die Türkei hat 50 Millionen Dosen des russischen Corona-Impfstoffs Sputnik V bestellt. Die ersten Lieferungen werden für Mai erwartet, wie Gesundheitsminister Fahrettin Koca am Mittwoch ankündigte. Die Türkei hatte Mitte Januar ihre Corona-Impfkampagne mit dem Corona-Vakzin des chinesischen Herstellers Sinovac gestartet und greift inzwischen auch auf den Impfstoff von Biontech und Pfizer zurück.
Bislang erhielten rund 13,5 Millionen Menschen eine erste Impfung und neun Millionen Bürger zwei Impfdosen. Um die Impfkampagne zu beschleunigen, ordnete Koca an, den Abstand zwischen der Erst- und Zweitimpfung mit dem Präparat von BionTech/Pfizer von vier auf sechs Wochen zu verlängern.
Die Türkei hat sich bisher nur eine vergleichsweise kleine Menge von 4,5 Millionen Dosen des Biontech-Impfstoffs gesichert, zudem verzögert sich die Lieferung von 100 Millionen bestellten Impfstoffdosen aus China.