Die Corona-Zahlen BW im Überblick

  • Bei rund 11 Millionen Einwohnern gab es in Baden-Württemberg seit Beginn der Corona-Pandemie Anfang des Jahres rund 127.103 Infektionen.
  • Insgesamt sind im Land bereits rund 2405 Menschen mit oder an einer Covid-19 Infektion gestorben.
  • Die 7-Tage-Inzidenz ist mit 133,59 am Freitag, 20. November wieder leicht gestiegen.
Corona-Schnelltests sollen die Quadratur des Kreises schaffen - um Ausbrüche des Virus in Pflegeeinrichtungen und damit Schließungen zu verhindern. Der Mehraufwand ist beträchtlich. Die Seniorenheime kämpfen an vielen Fronten. Doch wie genau läuft das mit den Schnelltests ab? Hier alle beantworteten Fragen im Überblick:
  • Wie kommen Pflegeeinrichtungen an die Corona-Schnelltests?
  • Wann geht es endlich los mit den Covid-19-Schnelltests?
  • Wie viele Corona-Schnelltests kann eine Pflegeeinrichtung bekommen?
  • Wer bezahlt die Corona-Schnelltests?
  • Wird es keine Engpässe bei den Corona-Schnelltests geben?
  • Welche Probleme gibt es noch bei den Corona-Schnelltests?
  • Sind die Corona-Schnelltests denn überhaupt eine sinnvolle Sache?

Wie kommen Pflegeeinrichtungen an die Corona-Schnelltests?

Die Testkits müssen gemäß der Testverordnung des Bundes beantragt und genehmigt werden. Zusammen mit den Pflegekassen und Kommunen habe das Land Baden-Württemberg dieses Antragsverfahren sehr einfach gelöst, heißt es aus dem Sozialministerium. Und das läuft so:
  • Ein Formular wird ausgefüllt mit der Art der Einrichtung und der Zahl der Bewohner.
  • Dann wird die Maximalzahl an bestellbaren Tests ermittelt und die Genehmigung automatisch erteilt.
Bestellen müssen die Einrichtungen dann selber.

Wann geht es endlich los mit den Covid-19-Schnelltests?

Die neue Coronatestverordnung des Bundes gilt seit 15. Oktober. Seit 31. Oktober hat das Sozialministerium das vereinfachte Verfahren zur Bestellung der Test freigeschaltet, sagt ein Ministeriumssprecher. Seither trudeln die Anträge ein - von bisher rund 2400 Pflegeheimen, Krankenhäusern und Arztpraxen, berichtet er. Längst nicht alle - berechtigt sind nach Ministeriumsangaben Einrichtungen und Unternehmen in einer hohen vierstelligen Zahl - sind also ausgestattet. Eine Verpflichtung zum Testen gibt es übrigens sowieso nicht.

Wie viele Corona-Schnelltests kann eine Pflegeeinrichtung bekommen?

Maximal 20 pro Bewohner und Woche. Das richtet sich nach Art des Heimes, der Zahl der Mitarbeiter etc.. Ein vollstationäres Seniorenheim wird beispielsweise mehr Tests pro Person beantragen dürfen als ein teilstationäres Heim. Antworten auf weitere Fragen rund um Coronatests allgemein.

Wer bezahlt die Corona-Schnelltests?

Eigentlich der Bund. Aber nur bis zu sieben Euro pro Testkit. Den Rest müssen die Einrichtungen dann selber finanzieren. Sie sind auch für die Beschaffung etwa bei Großhändlern zuständig. Je billiger sie einkaufen, desto weniger müssen sie drauflegen. Den Bewohnern jedenfalls sollen etwaige Mehrkosten möglichst nicht aufgebürdet werden. „Das müssen wir aus unserem Etat stemmen“, sagt Rolf Hitzler, Referent für Altenhilfe beim AWO-Bezirksverband Baden.
Zudem sollen Personalkosten pro Testung mit sechs Euro vergütet werden. Dieser Betrag spiegele in keiner Weise den tatsächlichen Zeitaufwand für die Testung oder die Organisation wider, betont jedoch eine Sprecherin der Diakonie Württemberg.

Wird es keine Engpässe bei den Corona-Schnelltests geben?

„Die Frage ist ja, wie schnell können Firmen die Tests liefern. Die Anfrage schnellt ja jetzt unglaublich in die Höhe“, sagt Hitzler. Für die 14 Einrichtungen des AWO-Bezirksverbandes etwa wurden zunächst 20 000 Tests bestellt, sagte er. Laut Ministerium sind bisher aber keine Probleme bekannt. SPD und FDP hatten dem Sozialministerium vorgeworfen, bei der Bestellung von Tests geschlafen zu haben.
Bei der letzten Sitzung der zuständigen Taskforce habe jedoch kein einziger Vertreter von Schwierigkeiten berichtet, so ein Ministeriumssprecher. „Wir hören aber von anderen Bundesländern wie etwa Bayern, dass es dort Probleme gibt“, sagte er. „Deshalb beobachten wir die Situation sehr genau.“ Die fünf Millionen Tests, die das Land besorge, seien im übrigen eine „vorsorgliche freiwillige Zusatzbeschaffung“, als Notreserve für mögliche Lieferengpässe.

Welche Probleme gibt es noch bei den Corona-Schnelltests?

Wie immer in der Pflege ist der größte Knackpunkt die extrem knappe Personaldecke. „Das Testen ist natürlich ein großer Aufwand zeitlich und organisatorisch“, sagt eine Sprecherin der AWO Karlsruhe, die in der Stadt fünf Pflegeeinrichtungen und eine Haus für Menschen mit Behinderung betreibt. Räumlichkeiten müssen dafür hergerichtet und Personal geschult werden, in Stuttgart sollen Ehrenamtliche in den Einrichtungen bei den Testungen helfen. „Wenn wir pro Test 20 Minuten Zeitaufwand rechnen und das jede Woche, dann müssten wir eigentlich eine Person nur dafür abstellen“, sagt Nicole Meyer, die den Bereich Gesundheit und Pflegen bei der AWO Karlsruhe leitet.

Sind die Corona-Schnelltests denn überhaupt eine sinnvolle Sache?

Uneingeschränkt ja, sagt Hitzler. „Wir wollen Schutz der Bewohner und Mitarbeiter einerseits und andererseits auf keinen Fall die Einrichtungen wieder zumachen. Da könnten die Schnelltests ein sinnvoller Beitrag sein.“ Die Testungen sollten allerdings ausschließlich anlassbezogen sein - etwa bei Symptomen von Bewohnern oder Mitarbeitern - „sonst ist es mit vorhandenen zeitlichen Ressourcen nicht machbar“, warnt eine Sprecherin der Diakonie Württemberg.