Seit einigen Tagen erreicht die 7-Tage-Inzidenz in Deutschland immer wieder Höchstwerte. Angesichts deutlich steigender Corona-Infektionszahlen und einer neuen Virusvariante im südlichen Afrika wachsen die Sorgen vor einem schweren Pandemieverlauf in diesem Winter in Deutschland. Was bedeutet das für den bevorstehenden Wochen? Und wird es zu einem erneuten Lockdown über Weihnachten kommen, wie bereits 2020? Das RKI, aber auch Intensivmedizinerinnen und Intensivmediziner, mahnen zur Einschränkung von Kontakten.
  • Welche Corona-Regeln könnten zu Weihnachten und Silvester kommen?
  • Müssen Ungeimpfte mit Kontaktbeschränkungen und Ausgangssperren rechnen?
  • Alle Infos zu den aktuellen Corona-Maßnahmen-Plänen im Überblick.

Umfrage: Mehrheit geht von erneutem Lockdown über Weihnachten aus

Wegen der momentanen Corona-Situation hält eine Mehrheit in Deutschland einer aktuellen Umfrage zufolge einen neuen Lockdown über Weihnachten für wahrscheinlich. 71 Prozent der Befragten gehen von dieser Maßnahme aus, wie aus der am Dienstag veröffentlichten „Frage des Tages“ des Meinungsforschungsinstituts Yougov hervorgeht. Demnach antworteten auf die Frage, ob ein Lockdown zu dieser Zeit folgen wird, 25 Prozent der Befragten mit „ja“, 46 Prozent sagten „eher ja“. Gut ein Fünftel der Befragten hält dagegen: 22 Prozent glauben weniger an einen neuen Lockdown - 5 Prozent antworteten mit „nein“, 17 Prozent mit «eher nein». Befragt wurden am Montag rund 1900 Menschen ab 18 Jahren.

Kontaktbeschränkungen Corona 2021: „Wir werden nicht darum herumkommen“

Angesichts der sich zuspitzenden Corona-Lage braucht es nach Ansicht des Bonner Virologen Hendrik Streeck auch wieder eine Einschränkung von Kontakten. „Wir werden nicht darum herumkommen, dass wir in gewisser Weise wieder Kontaktbeschränkungen haben werden und dass man Großveranstaltungen in dieser Form vielleicht nicht mehr durchführen kann - oder wenn, dann nur unter strengen Auflagen“, sagte der Direktor des Virologie-Instituts der Universität Bonn der Deutschen Presse-Agentur. Eine Möglichkeit sei die Durchführung von Veranstaltungen mit einem PCR-Test für Ungeimpfte und einen Antigen-Schnelltest für Geimpfte und Genesene.

Corona-Regeln zu Weihnachten hängen von Fallzahlen im Winter ab

Bereits im Juni und Juli habe die Mehrheit der Experten gesagt, dass im Herbst hohe Fallzahlen zu erwarten seien. „Das war also mit Ansage.“ Viele hätten auch Vorschläge gemacht wie man sich darauf vorbereiten könne und welche Maßnahmen man in bestimmten Bereichen bräuchte. „Nur hat man das leider nicht umgesetzt.“ Streeck machte zudem deutlich, dass sich auch Geimpfte mit dem Coronavirus infizieren und es übertragen können. „Es ist in diesem Herbst und Winter trügerisch zu glauben, dass ein Geimpfter sich nicht infizieren kann und das Virus nicht an seine Großmutter weitergeben kann, die vielleicht noch keine Booster-Impfung bekommen hat.“ Der Begriff „Pandemie der Ungeimpften“ sei noch nie richtig gewesen, auch wenn es am Anfang vielleicht so ausgesehen habe. „Alle Menschen sind Teil dieser Pandemie.“

Lockdown kommt eventuell schon vor Weihnachten

Im Gespräch mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland sagte Virologe Stephan Ludwig von der Universität Münster ernüchternd: „Wenn wir so weitermachen wie bisher“ ist ein erneuter Lockdown an Weihnachten nicht auszuschließen. Ein Lockdown sei noch vermeidbar, bleibe aber im Bereich des Möglichen. Auch Friedemann Weber, Professor für Virologie der Justus-Liebig-Universität Gießen rechnet mit erhöhten Einschränkungen vor Weihnachten, wenn sich die Impfquoten und Booster-Impfungen nicht verbessern. Ein nötiger Lockdown soll Weber zufolge jedoch „zunächst auf Ungeimpfte, die ein Impfangebot erhalten hatten, beschränkt bleiben“, sagte er gegenüber focus.de

Kommt der Lockdown an den Schulen noch vor Weihnachten?

In Baden-Württemberg sind 12.718 Kinder und Jugendliche und 582 Lehrkräfte landesweit in Quarantäne, 247 Klassen wegen Coronafällen nicht im Präsenzunterricht, drei Schulen sind zu. Eltern, Kinder, Lehrkräfte bangen: Wie lange ist Präsenzunterricht noch möglich?

Lockdown in Sachsen vor Weihnachten möglich

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer schließt einen Lockdown vor Weihnachten nicht mehr aus. „Die Gefahr ist nicht von der Hand zu weisen. Es wird nur zu verhindern sein, wenn es ein kollektives Verständnis und gemeinsames Bewusstsein gibt, Kontakte zu vermeiden und die Maßnahmen einzuhalten“, sagte der CDU-Politiker der Sächsischen Zeitung.

Kommt ein neuer Lockdown? Merkel soll offenbar Lockdown gefordert haben

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur hatte die geschäftsführende Kanzlerin Angela Merkel (CDU) den Spitzen der Ampel-Parteien am Dienstagabend im Kanzleramt angeboten, die Maßnahmen angesichts der drohenden Überlastung des Gesundheitswesens deutlich zu verschärfen. Eine gesetzliche Notbremse oder klare Lockdown-Vereinbarungen mit den Ländern wären die nahe liegenden Optionen, hieß es. Die „Bild“ berichtete, Merkel habe einen Lockdown bereits ab Donnerstag gefordert, SPD, FDP und Grüne hätten den Vorschlag abgelehnt.

Ruf nach schnellen und harten Corona-Maßnahmen vor Weihnachten wird lauter

Die Wucht der vierten Corona-Welle und die Ausbreitung der neuen Virusvariante Omikron erhöhen den Druck auf die Politik, schnell harte Corona-Maßnahmen zu ergreifen. Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina schlug am Samstag vor, mehrwöchige Kontaktsperren auch für Geimpfte zu verhängen. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier rief die Bürger auf, einen Lockdown durch freiwillige Kontaktbeschränkungen zu verhindern. Der voraussichtlich neue Kanzler Olaf Scholz (SPD) sprach von „neuen dramatischen Herausforderungen“ und betonte, es gebe nichts, was nicht in Betracht gezogen werde. Mit Spannung wird die für Dienstag angekündigte Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts über Verfassungsbeschwerden gegen die Corona-Notbremse des Bundes aus dem Frühjahr erwartet. Dabei geht es um die Ende Juni ausgelaufenen bundesweiten Vorgaben für Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen bei einer sich verschärfenden Corona-Lage.

Mehrere Kreise betroffen – Ausgangssperre für Ungeimpfte in Baden-Württemberg

Wegen sehr hoher Corona-Zahlen dürfen Ungeimpfte in den Landkreisen Schwarzwald-Baar-Kreis, Ostalbkreis und Biberach von Montag an nachts nur noch aus triftigem Grund ihre Wohnungen verlassen. Alle Informationen zur Ausgangssperre in Baden-Württemberg.

Corona in Bayern: Lockdown in Hotspots oder für alle vor Weihnachten?

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hat den Bund in der Corona-Krise zum schnellen Handeln aufgefordert. „Wir brauchen eine wirksame nationale Eindämmungsstrategie“. Es brauche eine „einheitliche Bundesnotbremse“ und ebenso eine raschere Ministerpräsidentenkonferenz.

Wann war der erste Lockdown in Deutschland?

Im Januar 2020 wurde in Deutschland der erste offizielle Corona-Fall gemeldet. Bis die erste Maßnahme gegen das damals neuartige Virus verhängt wurde, vergingen eineinhalb Monate. Am 16. März 2020 wurde dann beschlossen, dass Deutschland das öffentliche Leben weitgehend herunterfährt.  Am 22. März 2020 trat dann der erste Lockdown in Kraft. Er endete am 4. Mai 2020.