Es war bereits im vergangenen Jahr so, 2021 wiederholt es sich: Auch zu Silvester 2021 und Neujahr 2022 wird der Verkauf von Feuerwerkskörpern und Böllern in Deutschland verboten. Das hat die Ministerpräsidentenkonferenz (MPK) am Donnerstag, 02.12., entschieden. Außerdem soll am 01.01. ein Ansammlungs- und Versammlungsverbot gelten. Unternehmen, die von dem Verkaufsverbot betroffen sind werden durch geplante Wirtschaftshilfen unterstützt, meldete die Deutsche Presse Agentur. „Ein Böllerverbot kann helfen, dichte Zusammenkünfte, gerade auch von Alkoholisierten, zu unterbinden. Und natürlich werden die Krankenhäuser nicht zusätzlich mit Böller-Verletzten belastet“, erklärte Ärtztepräsident Klaus Reinhardt am Samstag.

Silvester 2021: Verbot von Feuerwerk und Pyrotechnik war schon länger geplant

Viele Themen standen auf der Agenda der Bund-Länder-Konferenz. Eines kam überraschend hinzu: Die unionsgeführten Länder und das Grün geführte Baden-Württemberg schlugen für dieses Jahr ein generelles Verkaufsverbot für Pyrotechnik vor Silvester vor. In der vorläufigen Beschlussvorlage mit Ergänzungen der sogenannten B-Länder für die Bund-Länder-Beratungen heute soll das bereits festgehalten gewesen sein. „Darüber hinaus gilt ein Feuerwerksverbot auf durch die Kommunen zu definierenden publikumsträchtigen Plätzen“, hieß es laut DPA in dem Arbeitspapier. Jetzt ist klar: Die unionsgeführten Länder und Baden-Württembergs haben sich also durchgesetzt.

Aldi, Lidl, und Co. - Nur bestimmte Artikel dürfen verkauft werden

Wer sich den Spaß am Silvesterfeiern nicht verderben lassen möchte, wird dennoch einige Produkte im Handel finden.
Nicht verboten sind:
  • Knallerbsen,
  • kleine Tischfontänen oder -vulkane,
  • Handfontänen,
  • kleine Bodenwirbel,
  • Wunderkerzen
  • und Ähnliches

Silvester 2021 Lockdown: Die Corona-Regeln zwischen Weihnachten und Neujahr

Einen genauen Fahrplan für die Zeit von Weihnachten bis Silvester gibt es bisher von Regierungsseite noch nicht. Zunächst waren neue Beschlüsse am 9. Dezember 2021 erwartet worden, wenn dann die Ministerpräsidentenkonferenz stattfindet. Da die Bund-Länder-Runde bereits diese Woche vorgezogen wurde, könnte es noch heute Ergebnisse geben.
Im Jahr 2020 sind die Regeln für Weihnachten, Silvester und Neujahr auch erst kurz vor knapp beschlossen worden. Damals galt:
Auf vielen belebten Straßen und Plätzen durften keine Böller und Raketen gezündet werden. Wo genau, legten Städte und Gemeinden fest. Die in der Corona-Pandemie sowieso stark geforderten Krankenhäuser sollten nicht durch weitere Verletzte belastet werden. Deshalb durfte auch deutschlandweit kein Feuerwerk der Kategorie F2 verkauft werden, also kein klassisches Silvesterfeuerwerk wie Raketen, Knaller oder Batterien. Mitten im Winter-Lockdown galten zudem Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen. In manchen Bundesländern wurden diese in der Silvesternacht leicht gelockert – es wurde aber dringend dazu aufgerufen, große Ansammlungen von Menschen zu meiden.

Neujahr 2022: Alternative Rituale zu Silvester

Dennoch gibt es Silvester-Rituale, die auch 2021 klappen können. „Man kann zum Beispiel Wachsgießen: Die Bilder verweisen symbolisch auf das, was im neuen Jahr kommen könnte. Oder eine Linsensuppe zubereiten und essen, die Linsen stehen für das Geld, das wir im neuen Jahr bekommen könnten“, sagt Pörschke. „Oder man macht ein Tischfeuerwerk - das ist nicht so laut, doch die symbolische Bedeutung bleibt bestehen. Und ist es über das Böllern hinaus nicht das Wichtigste, Silvesterrituale - egal welcher Art - mit den Menschen zu teilen, mit denen man auch das kommende Jahr verbringen will?“

Corona Regeln an Silvester: Polizei-Gewerkschaften begrüßen Böller-Verbote

Die Polizeigewerkschaften fordern für Silvester 2021 lokale Böllerverbote. „Wir fordern die Kommunen auf, sogenannte Böllerverbote möglichst restriktiv auszusprechen und genügend Ordnungskräfte zur Überwachung bereitzuhalten“, sagte Rainer Wendt, der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. „Angesichts der steigenden Infektionszahlen durch Corona ist es ohnehin derzeit nicht angezeigt, sich in großen Gruppen zu treffen und die Risiken noch zu vergrößern“, argumentierte Wendt.
Die Gewerkschaft der Polizei appelliert an die Vernunft der Bürger: Wenn Krankenhausmitarbeiter Tag und Nacht um das Leben Tausender Menschen auf Intensivstationen kämpfen, sei es solidarisch, auf Feiern mit größeren Menschenansammlungen zu verzichten, sagte Bundesvorsitzender Oliver Malchow der Deutschen Presse-Agentur. „Gerade die für die Verbreitung des Coronavirus sorgende Mischung aus Menschenmassen, Party und Alkohol lässt die Infektionszahlen in die Höhe schnellen.“ Er kündigte an: „Feuerwerksverbote werden selbstverständlich nicht überall durch die Polizei kontrolliert und durchgesetzt werden können. An den bekannten Feiermeilen in Innenstädten wird die Polizei jedoch Präsenz zeigen und Unbelehrbare in die Schranken weisen.“
Böller, Feuerwerksbatterien und Alkohol gehören für viele Deutsche zu Silvester. Die Kracher verursachen aber viel Lärm und Müll. Die Polizeigewerkschaften wünschen sich wiederum wegen der Corona-Lage ein Böller-Verbot.
Böller, Feuerwerksbatterien und Alkohol gehören für viele Deutsche zu Silvester. Die Kracher verursachen aber viel Lärm und Müll. Die Polizeigewerkschaften wünschen sich wiederum wegen der Corona-Lage ein Böller-Verbot.
© Foto: Gerhard Kienzle/Pixabay
 

Weniger Augenverletzungen an Silvester ohne Feuerwerk, Raketen und Böller?

Durch das Verkaufsverbot für Silvesterfeuerwerk hat es Ärzten zufolge vor einem Jahr 80 Prozent weniger Augenverletzungen gegeben. Das ergab eine am Montag in München veröffentlichte Umfrage der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) an 75 Kliniken. Statt 500 Verletzte wie in den Vorjahren wurden zum Jahreswechsel 2020/2021 nur 79 Verletzte registriert. Die Augenärzte begrüßten daher das neuerliche Verkaufsverbot für Pyrotechnik zu Silvester.
Den Erhebungen zufolge kam es zu den Jahreswechseln 2016/2017 bis 2019/2020 zu jeweils etwa 500 Fällen von Augenverletzungen. Ein Viertel der Betroffenen erlitt demnach so schwere Schäden, dass eine stationäre Behandlung erforderlich wurde.
Unbeteiligte, Kinder und Jugendliche traf es besonders häufig. Der Anteil der Minderjährigen betrug bis zu 40 Prozent, obwohl sie nur 17 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachen. Die Hälfte der Verletzten zündete die Böller nicht selbst. Bei 40 Prozent der Verletzen ist den Angaben zufolge ein dauerhafter Sehverlust zu erwarten.

Feuerwerks-Hersteller empört über Böller-Verbot an Silvester

Für den Verband der pyrotechnischen Industrie (VPI) ist die Auslastung der Krankenhäuser kein Argument für das Verkaufsverbot: Nicht legales Silvesterfeuerwerk sei in anderen Jahren schuld an mehr Patienten in den Notaufnahmen, sondern zu viel Alkohol und illegale Feuerwerksprodukte. Die Böller-Hersteller warnen gar vor einem „Todesstoß für die gesamte Feuerwerksbranche in Deutschland“.

Aerosol-Forscher: Versammlungsverbot an Neujahr 2022 kontraproduktiv

Aerosolforscher Gerhard Scheuch hält Versammlungsverbote für kontraproduktiv: „Weil diese Versammlungen dann natürlich in Innenräumen stattfinden werden und wir wissen, dass die Ansteckungsgefahr in Innenräumen um ein Vielfaches höher ist als draußen.“ Die Daten zeigten dies eindeutig. „Wir müssen uns mehr um die Lufthygiene in den Innenräumen kümmern, wir müssen aufpassen, dass wir uns drinnen nicht anstecken, wir müssen die Menschen sensibilisieren, dass sie in Innenräumen vorsichtiger sind - dass sie sich mit weniger Leuten treffen, die Treffen kürzer gestalten, mehr die Fenster aufmachen und lüften und eben eigentlich auch mehr ins Freie gehen.“

Umfragen: ‚Wie steht Deutschland zum Böllern an Silvester?

Einer Umfrage zufolge sind gut 60 Prozent der Erwachsenen in Deutschland gegen ein privates Feuerwerk in ihrer wohnlichen Umgebung. Nur rund 29 Prozent würden es befürworten, weitere 11 Prozent machten keine Angabe, wie das Meinungsforschungsinstitut YouGov am Donnerstag über die repräsentative Umfrage vom Vortag berichtete. Männer würden ein solches Feuerwerk demnach etwas häufiger befürworten als Frauen, nämlich 31 Prozent im Vergleich zu 27 Prozent.
In einer im Frühjahr 2021 vom Meinungsforschungsinstitut Forsa durchgeführten telefonischen Umfrage stimmten 80 Prozent der Befragten dagegen für den Erhalt von privatem Silvesterfeuerwerk. Die Röder Feuerwerk Handelsgesellschaft hatte Forsa mit der Befragung beauftragt. Im Zeitraum vom 21. April bis 6. Mai 2021 wurden durch Forsa in einer repräsentativen Umfrage, bundesweit Bürger im Alter von 18 bis 69 Jahren befragt.

Nicht nur Deutschland: Silvester-Party 2021 in Rio abgesagt

Nicht nur in Deutschland muss Silvester dieses Jahr kleiner ausfallen. Die traditionelle Silvesterparty am Copacabana-Strand von Rio de Janeiro fällt dieses Jahr wegen der neuen Omikron-Variante des Coronavirus aus. "Wir sagen die offizielle Neujahrsfeier in Rio ab", schrieb Bürgermeister Eduardo Paes am Samstag im Onlinedienst Twitter. Er bedauere die Entscheidung. Zwar hätten wissenschaftliche Berater der Stadt und des Bundesstaats unterschiedliche Empfehlungen abgegeben. Er werde sich aber immer für die strengere Alternative entscheiden, erklärte Paes.
„Wir hören auf die Wissenschaft.“ Mit diesen Worten hatte Paes am Morgen die Silvesterparty am Strand von Copacabana abgesagt. Das wissenschaftliche Komitee der Stadtverwaltung habe die Veranstaltung genehmigt, das des Bundesstaates nicht. „Also geht es nicht.“
Die Silvesterparty in Rio ist eine der bekanntesten der Welt und zieht jedes Jahr Millionen Touristen an. Das Feuerwerk wird von Flößen auf dem Meer abgefeuert, am Strand von Copacabana treten Musiker, Bands und DJs auf. Die Party fand bereits im vergangenen Jahr nicht statt, ebenso wenig wie die ersatzweise geplante Online-Feier und dieses Jahr der Karneval.