Erneut erwartet Deutschland ein ruhiges Silvester. Zumindest wird das zweite Jahr in Folge wird der Verkauf von Feuerwerk auch zu Silvester 2021 und Neujahr 2022 verboten sein. Am 01.01. soll außerdem ein Ansammlungs- und Versammlungsverbot gelten. Normalerweise sind Böller und Raketen zum Jahreswechsel eine übliche und beliebte Tradition. Doch die Corona-Pandemie erfordert Umdenken. Durch das Verbot soll die Zahl der durch Feuerwerk verursachten Verletzungen reduziert werden, um die Situation in den Krankenhäusern nicht weiter zu verschärfen. „Das Böllerverbot an Silvester zielt darauf ab, dass nicht weitere Verletzte zusätzlich die Notaufnahmen belasten“, erklärte Bundeskanzler Olaf Scholz.

Bundesrat stimmt Verkaufsverbot für Böller, Raketen und Co. zu

Der Bundesrat stimmte am 17.12.2021, in der letzten Sitzung des Jahres dem Böllerverbot für Silvester zu. Demnach darf wie schon im Vorjahr kein Feuerwerk verkauft werden. Ziel ist es, Unfälle durch den unsachgemäßen Gebrauch von Knallkörpern und Feuerwerksraketen zu vermeiden und damit die bereits durch die Corona-Pandemie hoch belasteten Krankenhäuser zu schonen. Die entsprechende Verordnung setzt einen Bund-Länder-Beschluss von Anfang Dezember um.

Oberverwaltungsgericht bestätigt bundesweites Böller-Verkaufsverbot zu Silvester

Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg hat das wegen der Corona-Pandemie beschlossene bundesweite Verkaufsverbot für Feuerwerk an Silvester bestätigt. Es lehnte nach Angaben von Dienstagabend mehrere Beschwerden gegen eine erstinstanzliche Entscheidung des Berliner Verwaltungsgerichts vom selben Tag ab. Damit kann das per Bundesverordnung erlassene Verkaufsverbot für Raketen und Böller nicht mehr angefochten werden. Die Richter verwiesen darauf, dass aufgrund der Eilbedürftigkeit eine hinreichend verlässliche Einschätzung der Rechtmäßigkeit der Regelung nicht möglich sei. Der mit ihr verfolgte Zweck, eine weitere Belastung der insbesondere wegen der Corona-Pandemie stark ausgelasteten Krankenhäuser zu verhindern, überwiege in der Folgenabwägung deshalb.
Gegen das Verkaufsverbot waren Pyrotechnikhersteller und -händler sowie ein Käufer vorgegangen. Das Berliner Verwaltungsgericht hatte darauf entschieden, dass die Regelung in der Sprengstoffverordnung zu dem Verkaufsverbot nicht zu beanstanden sei. Die Maßnahme sei geeignet, die Zahl der durch das Abbrennen von Silvesterfeuerwerk verletzten Menschen zu vermindern.

Aldi, Lidl, und Co. - Diese Artikel dürfen trotz des Verbots verkauft werden

Wer sich den Spaß am Silvesterknallern nicht verderben lassen möchte, wird dennoch einige Produkte im Handel finden.
 Nicht verboten sind:
  • Knallerbsen,
  • kleine Tischfontänen oder -vulkane,
  • Handfontänen,
  • kleine Bodenwirbel,
  • Wunderkerzen
  • und Ähnliches

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Silvester 2021 Lockdown: Corona-Regeln zwischen Weihnachten und Neujahr im Überblick

Mit neuen Einschränkungen und Regeln wollen Bund und Länder die Ausbreitung der hoch ansteckenden Omikron-Variante des Coronavirus bremsen. Entsprechende Beschlüsse fassten Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und die Länderchefinnen und -chefs am 21.12. bei einer Schaltkonferenz.
  • Kontaktbeschränkungen: Erstmals soll es Kontaktbeschränkungen auch für Geimpfte und Genesene im privaten Umfeld geben: Ab dem 28. Dezember sollen sich dann nur noch maximal zehn Menschen treffen können. Kinder im Alter unter 15 Jahren sind ausgenommen. Sobald eine ungeimpfte Person an dem Treffen teilnimmt, sollen die schärferen Kontaktbeschränkungen für Ungeimpfte gelten. Für diese sind dann Treffen auf den eigenen Haushalt und höchstens zwei Personen eines weiteren Haushaltes beschränkt.
  • Feiertage: Für die bevorstehenden Weihnachtstage geben Bund und Länder nur eine Empfehlung ab, keine Vorschrift: Sie rufen die Bürgerinnen und Bürger auf, die Zahl der Kontakte bei den Feiern im Familienkreis "eigenverantwortlich zu begrenzen". An Silvester sollen dann schon die neuen Kontaktbeschränkungen in Kraft sein. "Insbesondere Silvesterfeiern mit einer großen Anzahl von Personen sind in der gegenwärtigen Lage nicht zu verantworten", heißt es in dem Beschluss.

Silvester in BW: Diese Regeln gelten für Feiern

Vom 20. Dezember an gilt eine neue Corona-VO in Baden-Württemberg. Die Regeln wirken sich auch auf Feiern aus, den es gibt fortan auch Kontaktbeschränkungen für Geimpfte und Genesene.
  • In Innenräumen dürfen sich nur noch maximal 50 Geimpfte und Genesene aufhalten, draußen sind es 200
  • Nimmt an solchen Treffen eine ungeimpfte Person teil, gilt die Beschränkung auf einen Haushalt plus eine Person eines weiteren Haushalts
  • Von den Regeln ausgenommen sind Personen unter 18 Jahren

Wo gibt es in Bayern ein Feuerwerks-Verbot?

  • München: „Innerhalb des Mittleren Rings ist das Zünden von pyrotechnischen Gegenständen mit ausschließlicher Knallwirkung untersagt“, hieß es aus München auf Nachfrage.
  • In Nürnberg wird es Feuerwerksverbotszonen „auf und rund um die Kaiserburg, am Hauptmarkt und im Bereich um die Lorenzkirche“ geben, wie ein Sprecher mitteilte.
  • In Bamberg betrifft dies „Teile der Altstadt, die Altenburg sowie die ehemaligen Klosteranlage Michaelsberg“.
  • In Augsburg gelte „für den Bereich der Innenstadt zu Silvester das bereits bekannte Verbot, Feuerwerkskörper abzubrennen“.

Neujahr 2022: Alternative Rituale zu Silvester

Dennoch gibt es Silvester-Rituale, die auch 2021 klappen können. „Man kann zum Beispiel Wachsgießen: Die Bilder verweisen symbolisch auf das, was im neuen Jahr kommen könnte. Oder eine Linsensuppe zubereiten und essen, die Linsen stehen für das Geld, das wir im neuen Jahr bekommen könnten“, sagt Pörschke. „Oder man macht ein Tischfeuerwerk - das ist nicht so laut, doch die symbolische Bedeutung bleibt bestehen. Und ist es über das Böllern hinaus nicht das Wichtigste, Silvesterrituale - egal welcher Art - mit den Menschen zu teilen, mit denen man auch das kommende Jahr verbringen will?“

Corona Regeln an Silvester: Polizei-Gewerkschaften befürworten Böller-Verbote

Die Polizeigewerkschaften fordern für Silvester 2021 lokale Böllerverbote. „Wir fordern die Kommunen auf, sogenannte Böllerverbote möglichst restriktiv auszusprechen und genügend Ordnungskräfte zur Überwachung bereitzuhalten“, sagte Rainer Wendt, der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. „Angesichts der steigenden Infektionszahlen durch Corona ist es ohnehin derzeit nicht angezeigt, sich in großen Gruppen zu treffen und die Risiken noch zu vergrößern“, argumentierte Wendt.
Die Gewerkschaft der Polizei appelliert an die Vernunft der Bürger: Wenn Krankenhausmitarbeiter Tag und Nacht um das Leben Tausender Menschen auf Intensivstationen kämpfen, sei es solidarisch, auf Feiern mit größeren Menschenansammlungen zu verzichten, sagte Bundesvorsitzender Oliver Malchow der Deutschen Presse-Agentur. „Gerade die für die Verbreitung des Coronavirus sorgende Mischung aus Menschenmassen, Party und Alkohol lässt die Infektionszahlen in die Höhe schnellen.“ Er kündigte an: „Feuerwerksverbote werden selbstverständlich nicht überall durch die Polizei kontrolliert und durchgesetzt werden können. An den bekannten Feiermeilen in Innenstädten wird die Polizei jedoch Präsenz zeigen und Unbelehrbare in die Schranken weisen.“
Böller, Feuerwerksbatterien und Alkohol gehören für viele Deutsche zu Silvester. Die Kracher verursachen aber viel Lärm und Müll. Die Polizeigewerkschaften wünschen sich wiederum wegen der Corona-Lage ein Böller-Verbot.
Böller, Feuerwerksbatterien und Alkohol gehören für viele Deutsche zu Silvester. Die Kracher verursachen aber viel Lärm und Müll. Die Polizeigewerkschaften wünschen sich wiederum wegen der Corona-Lage ein Böller-Verbot.
© Foto: Gerhard Kienzle/Pixabay

Weniger Augenverletzungen an Silvester ohne Feuerwerk, Raketen und Böller?

Durch das Verkaufsverbot für Silvesterfeuerwerk hat es Ärzten zufolge vor einem Jahr 80 Prozent weniger Augenverletzungen gegeben. Das ergab eine am Montag in München veröffentlichte Umfrage der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) an 75 Kliniken. Statt 500 Verletzte wie in den Vorjahren wurden zum Jahreswechsel 2020/2021 nur 79 Verletzte registriert. Die Augenärzte begrüßten daher das neuerliche Verkaufsverbot für Pyrotechnik zu Silvester.
Den Erhebungen zufolge kam es zu den Jahreswechseln 2016/2017 bis 2019/2020 zu jeweils etwa 500 Fällen von Augenverletzungen. Ein Viertel der Betroffenen erlitt demnach so schwere Schäden, dass eine stationäre Behandlung erforderlich wurde.
Unbeteiligte, Kinder und Jugendliche traf es besonders häufig. Der Anteil der Minderjährigen betrug bis zu 40 Prozent, obwohl sie nur 17 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachen. Die Hälfte der Verletzten zündete die Böller nicht selbst. Bei 40 Prozent der Verletzen ist den Angaben zufolge ein dauerhafter Sehverlust zu erwarten.

Darf man Feuerwerk im Ausland kaufen?

In Deutschland wird der Verkauf von Feuerwerkskörpern also untersagt – aber in vielen Nachbarländern ist das nicht der Fall. So werden viele Menschen in den Grenzregionen um Polen, Tschechien und Österreich in diese Länder fahren, um sich einzudecken. Ist das aber legal? Worauf muss man beim Kauf im Ausland achten? Alle Infos für Österreich gibt es hier:

Feuerwerks-Hersteller empört über Böller-Verbot an Silvester

Für den Verband der pyrotechnischen Industrie (VPI) ist die Auslastung der Krankenhäuser kein Argument für das Verkaufsverbot: Nicht legales Silvesterfeuerwerk sei in anderen Jahren schuld an mehr Patienten in den Notaufnahmen, sondern zu viel Alkohol und illegale Feuerwerksprodukte. Die Böller-Hersteller warnen gar vor einem „Todesstoß für die gesamte Feuerwerksbranche in Deutschland“.

Umfragen: Was hält Deutschland vom Böllern an Silvester?

Einer Umfrage zufolge sind gut 60 Prozent der Erwachsenen in Deutschland gegen ein privates Feuerwerk in ihrer wohnlichen Umgebung. Nur rund 29 Prozent würden es befürworten, weitere 11 Prozent machten keine Angabe, wie das Meinungsforschungsinstitut YouGov am Donnerstag über die repräsentative Umfrage vom Vortag berichtete. Männer würden ein solches Feuerwerk demnach etwas häufiger befürworten als Frauen, nämlich 31 Prozent im Vergleich zu 27 Prozent.
In einer im Frühjahr 2021 vom Meinungsforschungsinstitut Forsa durchgeführten telefonischen Umfrage stimmten 80 Prozent der Befragten dagegen für den Erhalt von privatem Silvesterfeuerwerk. Die Röder Feuerwerk Handelsgesellschaft hatte Forsa mit der Befragung beauftragt. Im Zeitraum vom 21. April bis 6. Mai 2021 wurden durch Forsa in einer repräsentativen Umfrage, bundesweit Bürger im Alter von 18 bis 69 Jahren befragt.
Unabhängig vom Verkaufsverbot von Feuerwerkskörpern zu Silvester 2021 sähen viele Menschen gute Gründe gegen ein eigenes Feuerwerk, ergab eine Befragung des Wissenschafts-Teams um den Marketing-Forscher Professor Philip Rauschnabel, die am Montag (27.12.) veröffentlicht wurde. Dazu gehörten insbesondere der Schutz der Umwelt (62 Prozent), der Schutz von Tieren (58 Prozent) sowie die hohen Kosten für Feuerwerkskörper (40 Prozent). Für Frauen spreche zudem die Gefahr gegen ein eigenes Feuerwerk (30 Prozent), Männer sähen das eher entspannter (17 Prozent). Die Hälfte aller Befragten gebe als Silvestertradition an, das Feuerwerk von anderen Menschen anzuschauen, nur 17 schössen selbst Raketen in den Himmel.
Die Studienergebnisse verdeutlichten aber auch, dass Feuerwerk für junge Leute besonders wichtig sei, heißt es. Eine weitere Erkenntnis sei aber, dass Kommunen diese Gruppe mit Alternativen gut erreichen könnten. Ein zentrales Profifeuerwerk sowie Drohnen- und Lasershows seien für junge Menschen durchaus attraktiv, fanden die Forscher heraus.

Umwelthilfe gegen Feuerwerk, um Tiere zu schützen

Die DUH engagiert sich seit Jahren für ein böllerfreies Silvester. „Rund um Silvester werden bei uns so viele Tiere als vermisst gemeldet wie an keinem anderen Tag im Jahr“, erklärt Mike Ruckelshaus, Leiter Tierschutz Inland bei der Tierschutzorganisation TASSO. „Hunderte Hunde und Katzen entlaufen oder verletzen sich in panischer Angst vor dem ohrenbetäubenden Lärm. Wir müssen endlich den Schutz der Tiere priorisieren und nicht den eigenen Spaß oder eine nicht mehr zeitgemäße Tradition.“ Daniela Schneider, Kampagnenverantwortliche Heimtiere bei Vier Pfoten meint dazu: „Um Millionen Haus- und heimische Wildtiere wirklich zu schützen, reicht ein Verkaufsverbot nicht. Viele Tiere erfahren extremen Stress und haben Angst. Hunde trauen sich nicht mehr vor die Tür, fressen nicht mehr oder erschrecken sich so sehr, dass sie fortlaufen. Wir haben im vergangenen Jahr gesehen, dass viele Menschen Feuerwerke gezündet haben, die sie online oder bereits im Vorjahr gekauft hatten. Daher muss unbedingt auch das Zünden von Feuerwerk, Böllern und Co. verboten werden. Nur so ist die Maßnahme wirklich wirksam und schützt die Tiere.“