• Ab einer stabilen Inzidenz von 35 bei den Neuinfektionen mit dem Coronavirus sind Lockerungen möglich.Beim nächsten Corona-Gipfel am 03.03.2021 mit Kanzlerin Angela Merkel und den Länder-Chefs, darunter Markus Söder (CSU), geht es um die weitere Strategien rund um den Lockdown.
  • Grund sind offenbar unter anderem die sich ausbreitenden Mutationen.
  • Und dennoch sprechen Merkel und Söder von „Öffnungsschritten“ in Paketen und einer Öffnungsmatrix
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (54/CSU) sieht trotz der wieder leicht steigenden Fallzahlen Möglichkeiten und Spielräume für vorsichtige Lockerungen des Lockdowns. Kein Wunder, hatte er doch bereits vor einiger Zeit eine „Öffnungsmatrix“ gefordert. Vor dem kommenden Corona-Gipfel am 03.03.2021 hat er nun aber offenbar auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf dieser Linie. Die Kanzlerin sprach unlängst selbst von „Öffnungsschritten“ in Paketen.
Geben die beiden, die stets für einen strikten Anti-Corona-Kurs kämpften, immer lauter werdenden Rufen nach Lockerungen nach? Oder was passiert da? CSU-Chef Söder zumindest sagte: „Wo der Inzidenzwert niedrig ist, sind mehr Kontakte verantwortbar - zum Beispiel, dass sich bei einem Wert unter 35 wieder zwei Haushalte treffen können.“

Corona in Bayern: Auf einmal wird Söder zum Vorreiter der Öffnungen in Deutschland

Zur Rekapitulation: Als Söder nach der jüngsten Ministerpräsidentenkonferenz mit seinem Kabinett in Bayern entschied, die Grundschüler schon vom 22. Februar an in Regionen mit einer Inzidenz von unter 100 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche wieder in den Wechselunterricht zu holen und dort auch die Kitas wieder zu öffnen, rieben sich viele Menschen auch im übrigen Deutschland ungläubig die Augen. Merkel hatte sich für Schul- und Kitaöffnungen erst ab 1. März eingesetzt.
Und damit nicht genug: Erst verkündete Söder die Öffnung von Blumenläden, Gärtnereien und Gartenmärkten von diesem Montag (1. März) an. Und am Tag darauf beschloss das Kabinett plötzlich, zum Ärger des Nachbarn Baden-Württemberg, auch die Öffnung von Baumärkten. Söder plötzlich mit als Vorreiter bei Öffnungen - das ist neu.

Lockerungen der Corona-Regeln in Bayern: Der Druck auf Söder wächst

Tatsächlich war der interne Druck auf Söder zuletzt gestiegen, und das nicht nur von seinem heimischen Koalitionspartner, den Freien Wählern. Auch CSU-intern, etwa im Parteivorstand und in der Landtagsfraktion, mehren sich beständig die Stimmen, die sukzessive weitere Lockerungen fordern. Auch Landräte und Oberbürgermeister mit niedrigen Sieben-Tage-Inzidenzen verlangen dringend Öffnungen. Der Augsburger Landrat (und CSU-Vize) Martin Sailer drohte zuletzt sogar damit, gegen die Corona-Regeln der Staatsregierung zu klagen.
Knickt Söder also vor dem wachsenden internen Druck ein? Tatsächlich findet, wer seinen Kurs im Corona-Frühling 2021 genau betrachtet, auch ein anderes Bild: Im Gegensatz zu anderen Ländern setzt Bayern weiterhin in Hotspots ab einer Inzidenz von 100 auf strenge Maßnahmen wie nächtliche Ausgangsbeschränkungen - gerne auch Ausgangssperren genannt. Alle bayerischen Schüler sind angehalten, medizinische Masken auch im Unterricht zu tragen. Bayernweit gilt in Geschäften wie im ÖPNV eine FFP2-Maskenpflicht und an den Grenzen nach Tirol und Tschechien gibt es Kontrollen samt Testpflicht bei Einreisenden.
In Bayern dürften damit weiterhin die mit strengsten Corona-Auflagen in Deutschland gelten.

Corona-Lockdown in Bayern: Lockerung für Geschäfte, Restaurants und Kultur durch Schnelltests?

Landeschef Söder sagte im Gespräch mit der Mediengruppe „Straubinger Tagblatt“/„Landshuter Zeitung“ und der „Münchner Abendzeitung“, dass es für
  • Einzelhandel,
  • Gastronomie und
  • Kultur
Perspektiven geben solle. Mit Schnelltests seien weitere Lockerungen möglich.

Tests auf das Coronavirus in Schulen und Kitas

Die Tests sollen vor allem an Schulen und Kitas zum Einsatz kommen. „Zudem könnten Pilotprojekte in den Kommunen für einzelne Öffnungen starten, zum Beispiel ein Schnelltest-Zentrum der Stadt vor dem Zoo, um diesen schneller öffnen zu können“, sagte Söder.
Bayern hat strenge Corona-Regeln, aber auch Lockerungen beschlossen, etwa bei Schulen, Kitas und Baumärkten.

Markus Söder setzt auf Impfung gegen das Coronavirus - Lockerungen für Geimpfte

Ministerpräsident Markus Söder sieht in Impfungen gegen das Coronavirus die entscheidende Dauer-Strategie. Er hat auch bereits Lockerungen speziell für Menschen angeregt, die bereits den Corona-Impfstoff erhalten haben. Man müsse auf Dauer über „Sonderoptionen“ für Geimpfte sprechen. Söder fordert keine Impfpflicht, wohl aber mehr Rechte für Geimpfte: „Es kann auf Dauer nicht so sein, dass, wenn sich wahnsinnig viele Leute impfen lassen - andere nicht - für die, die sich nicht impfen lassen, alle andern ein Stück weit dieselben Einschränkungen haben“, sagte Söder kürzlich dem Bayerischen Rundfunk.

Bayerns Landes-Chef Markus Söder begrüßt EU-Impfpass

Aus diesem Grund würde Söder einen Europäischen Impfpass begrüßen, berichtet der „Merkur“. Der Ministerpräsident habe gesagt: „Es ist doch einfach: Ein kleiner Piks und die Freiheit ist da.“ Söder würde sich demnach „sofort impfen lassen, um zu zeigen, dass es nicht gefährlich ist.“ Auch mit dem in Ungnade gefallenen Impfstoff Astrazteneca. Bayern hat bei der Impfquote laut Robert-Koch-Institut mittlerweile stark aufgeholt und liegt über dem Schnitt von Gesamt-Deutschland:

Lockerungen durch Corona-Test auch in Baden-Württemberg angedacht

Auch Markus Söders Kollege aus Baden-Württemberg, Winfried Kretschmann (72/Grüne), will den monatelangen Lockdown trotz der Gefahr einer dritten Corona-Welle schrittweise lockern. Winfried Kretschmann ist für Lockerungen im Einzelhandel, Gastronomie und Restaurants sowie bei Kultureinrichtungen. Er will sich beim Corona-Gipfel am 3.03.2021 für ein umfangreiches Schnelltest-Konzept, einsetzen, das eine „sichere und schrittweise Öffnung besonders betroffener Branchen erleichtern“ soll.