• Ab einer Inzidenz von 35 sind Lockerungen möglich wurde auf dem letzten Corona-Gipfel mit Kanzlerin Angela Merkel (66/CDU) vereinbart.
  • Die Corona-Zahlen in Deutschland steigen allerdings wieder an. Das wird Auswirkungen auf den nächsten Corona-Gipfel am 03.03.2021 haben.
  • Baden-Württembergs Landes-Chef Winfried Kretschmann sprach jüngst von möglichen Lockerungen der Kontaktbeschränkungen schon ab einer 7-Tage-Inzidenz von 50.
  • Jetzt plant der Südwesten Lockerungen auch mit Schnelltests - heißt das, dass man sich freitesten kann?
  • Ein Experte kritisiert bereits die Pläne von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (siehe unten).
Die Bundesregierung und die Landesregierungen erwägen neue Maßnahmen im Kampf gegen die Corona-Krise, die über Kontaktvermeidung, Corona-Regeln, Schließungen oder gar Lockdowns hinausgehen. Dazu gehören ein Stufenplan zur schrittweisen Öffnung und auch Schnelltests, mit denen man sich „frei testen“ könnte.

Lockerungen der Corona-Regeln und sich frei testen mit Schnelltests

Die Voraussetzungen dafür werden besser: Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte erteilt die ersten Sonderzulassungen für Corona-Tests zur Eigenanwendung durch Laien. Diese Tests und auch die Schnelltests durch geschultes Personal, etwa in Apotheken, dürften Teil eines Stufenplans hin zu schrittweisen Lockerungen der Corona-Regeln werden.

Baden-Württemberg will Lockerungen für Handel, Gastronomie Museen mit Schnelltests

Das gilt auch für Baden-Württemberg, die Landesregierung will den monatelangen Lockdown nun trotz der Gefahr einer dritten Corona-Welle schrittweise lockern. Ministerpräsident Winfried Kretschmann (72/Grüne) wird sich beim kommenden Gipfel von Bund und Ländern am 3.03.2021 für ein umfangreiches Schnelltest-Konzept einsetzen, das eine „sichere und schrittweise Öffnung besonders betroffener Branchen erleichtern“ soll, wie es in einer Mitteilung der Landesregierung BW heißt.
Das Konzept von Ministerpräsident Winfried Kretschmann sieht eine durch Tests flankierte Öffnung solcher Bereiche vor, in denen ein überschaubares Infektionsrisiko bestehe. Das bedeutet: Der Südwesten dringt auf eine schrittweise Lockerung des Corona-Lockdowns mit Hilfe von Schnelltests. Dazu zählten auch Selbsttests, die jeder selbst ohne die Hilfe von medizinisch geschultem Personal durchführen kann. Beide Test-Formen sollen bald massenhaft zur Verfügung stehen.
Lange war Winfried Kretschmann zuvor skeptisch gewesen: Man könne das Virus nicht wegtesten. Doch jetzt scheint das Testen in Kombination mit dem Impfen der einzige gangbare Weg aus dem Lockdown zu sein. In einem so genannten Impulspapier für den Gipfel mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (66/CDU) und der Ministerpräsidentenkonferenz am Mittwoch, 03.03.2021 , schlägt das Land vor, unter anderem Teile des
  • Einzelhandels,
  • körpernahe Dienstleistungen
  • Gastronomie und Restaurants, perspektivisch auch
  • Hotels sowie
  • Freizeiteinrichtungen wie Museen und
  • Kultureinrichtungen
auf diese Weise zu öffnen. Auch bestimmte sportliche Aktivitäten könnten so wieder möglich werden, heißt es. Dadurch erhalte jeder wieder mehr Freiheiten, aber auch mehr Eigenverantwortung.

So sollen die Schnelltests zur Öffnung genutzt werden

Die Veranstalter und Betreiber der Einrichtungen „müssen dafür Sorge tragen, dass nur Besucherinnen und Besucher Zutritt erhalten, die einen negativen Test vorweisen können“, heißt es in dem Papier vom Donnerstag. Und weiter: „Dies kann entweder ein zertifizierter Test sein, der durch eine autorisierte Stelle für Schnelltests (Apotheke, Testzentrum oder Arztpraxis) durchgeführt wurde und nicht älter als zwölf Stunden ist oder ein vor Ort durchgeführter Test, für dessen Durchführung die Einrichtungen verantwortlich sind.“

So könnten Tests vor Restaurants zum frei testen funktionieren

Wie das aber auch vor Ort konkret genau funktionieren soll, ist noch nicht klar. Denkbar wäre zum Beispiel, dass etwa Restaurants ein Zelt vor die Tür stellen, das als private Selbsttest-Station dient. Tests zum selbst testen sind vergleichsweise unkompliziert.

Nachverfolgung von Infektionsketten Teil von Plan zur Öffnung in BW

Als weiteren wichtigen Baustein nennt Kretschmann die verlässliche Nachverfolgbarkeit der Infektionsketten. Die Zettelwirtschaft aus dem vergangenen Sommer sollte durch bereits funktionierende Lösungen, wie etwa die Luca-App ersetzt werden. Diese App kann die Daten über geeignete Schnittstellen direkt digital an die Gesundheitsämter übermitteln. Der Bund müsse hier schnellsten auch eine Schnittstelle zur Gesundheitsamts-Software SORMASermöglichen.

Kommt der Vorstoß aus BW beim Corona-Gipfel durch?

Klar ist: So gut wie alle wollen Öffnungen und Tests verbinden, während das Impfen ab März hochlaufen soll. „Eine intelligente Öffnungsstrategie ist mit umfassenden Schnelltests, gleichsam als Freitesten, untrennbar verbunden“, sagte Kanzlerin Angela Merkel (CDU) der „FAZ“. Wie das gehen soll, will sie mit den Ländern beim Gipfel am Mittwoch, 3. März, festlegen. Ein Start am 1. März, den Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) schon verkündete, kommt nicht. Merkel sagt: „Es wird aber im März sein.“

Kritik an Öffnung per Freitest

Der SPD-Gesundheitsexperte Prof. Karl Lauterbach hält die Pläne Baden-Württembergs, den Corona-Lockdown mit Hilfe von Schnelltests zu lockern, für riskant. Man befinde sich noch in einer schwierigen Situation, weil die Hälfte der Menschen über 80 Jahren noch gar nicht geimpft sei, sagte Karl Lauterbach dem SWR. „Selbst die wichtigen Risikogruppen zwischen 65 und 80 sind noch ungeschützt. Also jetzt zu lockern ist sehr gefährlich.“ Die dritte Infektionswelle habe begonnen. „Lockerungen in eine solche Welle hinein sind gefährlich. Und ich glaube nicht, dass man das nur mit Schnelltests in den Griff kriegt.“ Er befürchte zudem eine hohe Fehlerquote bei den Selbsttests.
Auf Bundesebene fordert der Handelsverband Deutschland (HDE) unterdessen eine rasche Öffnung der Einzelhandelsgeschäfte ab dem 8. März. „Wir brauchen jetzt den Einstieg in den Ausstieg aus dem Lockdown“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Deutschland (HDE), Stefan Genth, in Berlin.

Kanzlerin Angela Merkel: Noch Jahre lang Impfung mit Corona-Impfstoff nötig

RKI-Chef Prof. Lothar Wieler betonte jüngst, dass das Impfen die derzeit wichtigste Waffe gegen das Coronavirus sei. Und Bundeskanzlerin Angela Merkel (66/CDU) hatte am Donnerstag, 26.02.2021 nach dem EU-Gipfel rund um den EU-Impfpass erklärt, dass man sich wegen der Mutationen über längere Zeit auf Impfungen einstellen müsse. Sie sagte, es könne sein, dass „wir über viele Jahre immer in der Lage sein müssen, mit Anti-Corona-Impfstoffen zu impfen“.

Corona-Impfung BW: Mehr Menschen können sich impfen lassen

Baden-Württemberg weitet sich den Kreis der Impfberechtigten gegen das Coronavirus erheblich aus. Ab sofort können sich weitere Gruppen im Alter von 18 bis einschließlich 64 Jahren den Impfstoff des Herstellers Astrazeneca verabreichen lassen, wie Sozialminister Manne Lucha (Grüne) am Freitag in Stuttgart mitteilte. Dazu zählen Personen mit bestimmten Vorerkrankungen sowie wie Menschen, die enge Kontaktperson einer Schwangeren oder bestimmter zu Hause gepflegter Personen seien. Mit einem ärztlichen Attest müsse die Berechtigung nachgewiesen werden. Bis Mitte März werden im Südwesten rund 450.000 Dosen Impfstoff von Astrazeneca erwartet.