Öffnungen im Einzelhandel, mehr Möglichkeiten bei Treffen und privaten Kontakten, Kultur, Sport und Lockerungen bei Urlaub und Reise – Die Menschen in Deutschland sehnen sich nach einem normaleren Leben. Das wäre schon früher möglich gewesen, doch schon der letzte Corona-Gipfel stand unter dem Zeichen des Impfstoffmangels und vor allem unter der drohenden Gefahr durch die sich ausbreitenden Mutationen des Coronavirus, welche allmählich die Oberhand gewinnen und vielerorts schon die dominierende Form sind.
Welche Folgen hat das aktuell? Welche Mutationen gibt es mittlerweile, welche breiten sich am stärksten aus, und wie wirken die Impfstoffe dagegen? Fragen und Antworten:

Welche Mutationen des Coronavirus SARS-CoV-2 gibt es aktuell?

Virologen weisen darauf hin, dass ein Virus wie SARS-CoV-2 sich permanent verändert. Das ist normal. Doch nur wenige dieser tausenden Veränderungen des Coronavirus setzen sich durch und können eine Gefahr darstellen. Das Robert-Koch-Institut (RKI) beobachtet diese so genannten „bedenklichen Varianten“ (Variants of Concern, kurz VOC) und registriert deren Verbreitung. Um festzustellen, ob und welche Mutationen bei einem positiven Corona-Test vorliegen, erfolgt in den Labors eine so genannte Genomsequenzierung.
Zu den bedenklichen VOC-Mutanten gehören aktuell:
  • die britische Mutation B117,
  • die südafrikanische Mutation B1351 und
  • die brasilianische Variante P1.
Laut RKI weisen diese besorgniserregenden Varianten als wichtige Gemeinsamkeit die Mutation N501Y auf und traten jeweils zuerst in Großbritannien, Südafrika und Brasilien auf.
Die Grafik des RKI zeigt den relativen Anteil untersuchter positiver Proben, in denen besorgniserregende Coronavirus-Varianten und andere Varianten nachgewiesen wurden. Allerdings ist die Datenlage noch gering. Variante B117 ist besorgniserregend, weil sie ansteckender ist als der Vergleichsstamm aus 2020. Variante B1351 ist besorgniserregend, weil sie möglicherweise den durch die Impfungen vermittelte Schutz reduziert sein kann.
Die Grafik des RKI zeigt den relativen Anteil untersuchter positiver Proben, in denen besorgniserregende Coronavirus-Varianten und andere Varianten nachgewiesen wurden. Allerdings ist die Datenlage noch gering. Variante B117 ist besorgniserregend, weil sie ansteckender ist als der Vergleichsstamm aus 2020. Variante B1351 ist besorgniserregend, weil sie möglicherweise den durch die Impfungen vermittelte Schutz reduziert sein kann.
© Foto: Screenshot RKI

Welche neuen Mutationen sind aufgetaucht?

  • In Kalifornien wurde im Zuge einer Studie schon vor Wochen eine neue, offenbar sehr gefährliche Mutation B1427 entdeckt. B1427 ist ebenso hochansteckend wie die britische Mutation B117. Infizierte müssen bis zu fünfmal häufiger auf die Intensivstation, die Wahrscheinlichkeit an Covid-19 zu sterben ist der noch unveröffentlichten Studie zufolge elfmal höher. Allerdings gibt es seither keine Meldungen, dass B1427 in Deutschöand aufgetaucht ist.
  • Zuletzt tauchte mit B1525 eine weitere Mutante auf. Sie ähnelt der britischen Varinate B117, weist aber „Bild“ zufolge zusätzlich eine Mutation des Spike-Proteins auf, diese haben auch die brasilianische und südafrikanische Mutation. Das Spike-Protein ist quasi die Andockstelle, um menschliche Zellen zu infizieren. Man geht davon aus, dass B1525 deutlich ansteckender ist als das ursprüngliche Coronavirus. Die neue Variante B1525 gibt es bereits in verschiedenen Ländern wie Dänemark, Italien, Nigeria, England, Norwegen und Amerika. Am 10. März wurde sie erstmals in Deutschland nachgewiesen. Man fand sie in einer Probe einer aus Sachsen stammenden Person im Testzentrum am Flughafen Berlin-Brandenburg (BER).

Wie verbreitet sind die Corona-Mutationen in Deutschland?

Das Robert-Koch-Institut weist darauf hin, dass alle drei Varianten aus England, Südafrika und Brasilien in Deutschland angekommen sind. Ihre Verbreitung jedoch ist höchst unterschiedlich.
Beim RKI heißt es in seinem letzten Bericht zu Mutationen vom 3.03.2021, dass vor allem B117 auf dem Vormarsch sei.
  • Mit 46 Prozent der Neuinfektionen insgesamt sei die britische Variante die zweithäufigste in Deutschland.
  • Es sei mit einer weiteren Erhöhung des Anteils auf über 50 Prozent der Virusvariante B117 zu rechnen, ähnlich wie bereits geschehen in anderen europäischen Ländern.
  • Das sei besorgniserregend, weil B.1.1.7 nach bisherigen Erkenntnissen ansteckender als andere Varianten ist.
  • Auch Verbreitung der Variante B1351 aus Südafrika sei weiter deutlich gestiegen. Allerdings bewegen sich die Fallzahlen bei dieser Variante und auch der brasilianischen im kleinen einstelligen Prozentbereich.

Was macht die jeweiligen Mutationen so gefährlich?

Für die Besorgnis wegen der Mutationen gibt es mehrere Gründe:
  • Mutationen, vor allem B117 aus England, verbreiten sich rasant in Deutschland und lassen die Fallzahlen steigen. Damit steigt auch die Zahl der schweren Verläufe und Todesfälle.
  • Manche Mutationen können für schwerere Verläufe sorgen - und damit auch die Mortalität, also die Sterblichkeit, erhöhen. Das gilt zum Beispiel rechnerisch für die Variante B117.
  • Zudem können bereits infizierte oder geimpfte Menschen bei der Variante aus Südafrika und Brasilien weniger oder nicht mehr immun sein.

Wirken Corona-Impfstoffe gegen Mutationen?

  • Gegen die Variante B117 scheinen die Impfstoffe von Moderna und Biontech/Pfizer gut zu wirken.
  • Zur Südafrika-Mutation B1351 berichtet das RKI allgemein, dass „möglicherweise der durch die Impfungen vermittelte Schutz reduziert sein“ könne.
  • „Business Insider meldete jüngst, dass die Impfstoffe von Moderna und Pfizer/Biontech gegen die Südafrika-Variante B1351 sogar deutlich weniger wirksam zu sein scheinen, als bislang gedacht. Das habe eine neue Studie ergeben.
  • Bei der südafrikanischen Mutante B1351 warfen Studienergebnisse Zweifel an der Wirksamkeit des Astrazeneca-Impfstoffs auf.
  • Gegen B117 soll Astrazeneca gut wirken, berichtet die Deutsche Welle.

Können Impfstoffe an Coronavirus-Mutationen angepasst werden?

Das kommt auf die Mutation an. Die aktuellen Corona-Impfstoffe können relativ schnell an neue Virusvarianten angepasst werden. Sie könnten dann entweder eine neue oder eine zusätzliche Komponente enthalten, erklärte Klaus Cichutek, Präsident des für Impfstoffe zuständigen Paul-Ehrlich-Instituts (PEI).
Bei mRNA-Impfstoffen wie Biontech oder Moderna sei eine Umstellung binnen sechs Wochen möglich und die Herstellung von Millionen Dosen innerhalb weiterer sechs Wochen, sagte Cichutek.

Corona-Impfung von Johnson&Johnson in der EU zugelassen

Die Europäische Union hat einen vierten Corona-Impfstoff zugelassen: Auch das Mittel des US-Herstellers Johnson & Johnson kann ab sofort genutzt werden. Die EU-Kommission genehmigte dies am Donnerstag auf Empfehlung der Arzneimittelbehörde EMA. Bei dem Mittel reicht - anders als bei anderen Präparaten - eine Spritze, was Impfungen sehr beschleunigen könnte. Es ist zudem leicht handhabbar, weil es im Kühlschrank gelagert werden kann.
Corona Impfung Johnson&Johnson Vierter Impfstoff in der EU zugelassen

Berlin/Genf