• Der Lockdown ist bis zum 28. März verlängert
  • Nachdem die Zahl der Neuinfektionen wochenlang gesunken ist, ist sie zuletzt an manchen Tagen wieder gestiegen. Dafür ist unter anderem die britische Mutation B117 verantwortlich.
  • Dennoch gibt es seit 1. März Lockerungen. Vielerorts dürfen Friseure und Gärtnereien wieder öffnen.
  • Auch Bücherläden dürfen wieder bundesweit aufmachen
Beim Corona-Gipfel am 03.03. ist beschlossen worden, dass der Lockdown in Deutschland bis zum 28. März verlängert wird. Doch es gibt Ausnahmen.
  • Buchhandlungen, Blumengeschäfte und Gartenmärkte können bundesweit ab 8.03.2021 wieder öffnen. Voraussetzung sind Hygienekonzepte und eine Begrenzung der Kundenzahl im Geschäft.
  • Abhängig von der Corona-Lage in den Ländern und Regionen sind noch weitere Öffnungen im Einzelhandel, in der Kultur und im Sport möglich.
  • Bei Inzidenzwerten zwischen 50 und 100 Neuinfektionen sind Öffnungen möglich, im Einzelhandel und auch in Museen oder Zoos mit Terminbuchung.
Das haben Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der Länder am Mittwoch in Berlin vereinbart, wie aus ihrem Beschlusspapier hervorgeht. In einigen Ländern sind diese Geschäfte trotz der Corona-Pandemie bereits offen.

Video Lockdown wird verlängert - mit vielen Öffnungsmöglichkeiten

Corona-Gipfel Beschlüsse: Ergebnisse des Bund-Länder-Treffens - Die neuen Regeln im Überblick

Die Konferenz von Kanzlerin Angela Merkel und den Ministerpräsidenten war lang und zäh. Um viele Beschlüsse wurde hart gerungen. Nach über neun Stunden standen die Ergebnisse fest, aus denen die Bundesländer nun regional neue Regeln formen. Hier geht`s zur Übersicht.

Friseure, Gärtnereien, Blumenläden: Wer ab 1. März öffnen darf

Seit Montag, 01.03.2021, dürfen bereits Friseure, Gärtnereien und Blumenläden in Baden-Württemberg und Bayern wieder öffnen. Seit Mitte Dezember waren die Friseursalons wegen der Pandemie geschlossen, im Frühjahr 2020 hatten sie schon mal dichtmachen müssen. Zwischendrin durften die Betriebe nur unter Einhaltung strenger Auflagen öffnen - auch diesmal orientieren sich die Vorbereitungen an einem strikten Hygienekonzept. „Wir halten einen Sicherheitsabstand von 1,5 Metern ein und tragen eine medizinische Maske. Umhänge werden nach jedem Kunden gewechselt und der Arbeitsplatz desinfiziert“, sagte Jörg Müller, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands des Deutschen Friseurhandwerks. Zudem arbeiteten Friseure ausschließlich nach vorheriger Terminvergabe.
Wie groß die Sehnsucht vieler Kunden nach einem neuen Haarschnitt ist, zeigt ein Blick in die Regale der Drogeriemärkte. Die Drogeriekonzerne dm und Rossmann berichtet etwa, dass die Nachfrage nach Haarscheren in den vergangenen Wochen gestiegen sei - bei Rossmann nach Unternehmensangaben teilweise sogar um das Vierfache. Um dem Kundenandrang gerecht zu werden, wollen viele Betriebe täglich länger und auch montags öffnen und für Mitarbeiter Schichtbetrieb einführen, sagte etwa der Geschäftsführer des Fachverbands Friseur und Kosmetik Baden-Württemberg, Matthias Moser.
Doch nicht alle blicken positiv auf den März. „Friseure sollten zu sein“, meinen etwa die Mitglieder von „#ZeroCovid“ - eine Initiative von Wissenschaftlern, Aktivisten und Gesundheitspersonal. Sie fordern einen strengen Lockdown, damit die Infektionszahlen auf null sinken. Eine Öffnung der Salons bewirke das Gegenteil - es sei anzunehmen, dass die Zahlen wieder anstiegen. „Die nächste Corona-Welle rollt an“, sagte David Schrittesser aus dem Presseteam der Initiative.
In Bayern hat das Kabinett beschlossen, dass ab dem 01.03.2021 außer Friseuren und Gärtnereien auch Kosmetikstudios wieder öffnen dürfen. Aus Baden-Württemberg ist lediglich bekannt, dass wie bisher „körpernahe Dienstleistungen“ gestattet sind, sofern sie medizinisch notwendig sind.

Rufe nach Lockerungen

Immer mehr Menschen wünschten sich eine Lockerung des Lockdowns: In einer Umfrage des Instituts YouGov im Auftrag der dpa war zuletzt nur noch gut ein Drittel der Befragten für eine Beibehaltung (26 Prozent) oder Verschärfung (9 Prozent) der Corona-Beschränkungen. 43 Prozent meinten dagegen, der Lockdown sollte weiter gelockert werden. 17 Prozent plädierten für eine komplette Rückkehr zur Normalität.

Immer mehr Einzelhändler klagen gegen den Corona-Lockdown

Egal ob Media Markt Saturn, Obi oder der Modehändler Breuninger: Bei immer mehr Einzelhändlern in Deutschland reißt nach Monaten des Lockdowns der Geduldsfaden. Die Folge: Auf die deutschen Gerichte rollt derzeit eine Klagewelle zu, mit der die Elektronikhändler, Baumärkte und Modegeschäfte ein Ende der Ladenschließungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie erzwingen wollen.
Beispiel Media Markt Saturn: Deutschlands größter Elektronikhändler hat beim Oberverwaltungsgericht Münster einen Eilantrag auf Aufhebung der Betriebsschließungen in Nordrhein-Westfalen gestellt. Anträge in weiteren Bundesländern sollen folgen. „Die bereits seit mehr als zwei Monaten bestehenden Betriebsschließungen in Deutschland sind unverhältnismäßig. Der Einzelhandel war nachweislich nie ein Infektionshotspot“, begründete Deutschland-Chef Florian Gietl den Schritt.
Media Markt Saturn ist nicht allein. Auch die Baumarktkette Obi, sowie die Textilketten Peek&Cloppenburg (Düsseldorf) und Breuninger ziehen vor Gericht. „Wir haben Klagen vor den Verwaltungsgerichtshöfen in Baden-Württemberg, in Hessen, in Nordrhein-Westfalen, in Thüringen und Sachsen eingereicht – überall dort, wo wir Häuser haben. Ziel ist die sofortige Aussetzung der Lockdown-Maßnahmen, weil sie nicht verhältnismäßig sind und eine Ungleichbehandlung gegenüber dem Lebensmittelhandel bedeuten“, sagte ein Breuninger-Sprecher. Alternativ fordere das Unternehmen Entschädigungen. „Denn jeder Tag, an dem unsere Stores geschlossen sind, kostet richtig Geld.“
Zwar musste Breuninger vor dem Verwaltungsgerichtshof in Mannheim bereits eine erste Niederlage hinnehmen. Doch entmutigt das den Händler nicht: „Das Gericht hat signalisiert, dass der Ausgang des Hauptverfahrens offen ist. Wir sind optimistisch, dort doch noch recht zu bekommen“, sagte der Unternehmenssprecher.

Intensivmediziner warnen vor dritter Corona-Welle

Die Fachgesellschaft der Intensivmediziner hatte vorab gefordert, bis Anfang April im Lockdown zu bleiben. Deutschland müsse mit dem Impfen deutlich vorankommen, bevor die ansteckendere Mutante durchstartet, hieß es zu Erkenntnissen aus einem Prognosemodell. Im schlimmsten Fall könnten Lockerungen im März demnach dazu führen, dass Mitte Mai bis zu 25.000 Intensivpatienten durch Covid-19 zu versorgen wären, eine nicht mehr zu bewältigende Anzahl. Nicht berücksichtigt ist in der Berechnung die offene Frage, ob die wärmere Jahreszeit die Ansteckungsfähigkeit der Mutante möglicherweise dämpft. Drosten hatte zuletzt wenig Hoffnungen auf größere Saisoneffekte gemacht.
Zur Vorsicht mahnte auch Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter. Er verwies in Berlin auf die weitere Ausbreitung gefährlicherer Varianten des Coronavirus. Daher drohe die Gefahr, "dass wir trotz der Maßnahmen in eine dritte Welle kommen", sagte auch er.
Ähnlich äußerte sich Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus (CDU). Er sei sehr dafür, "verantwortungsvoll Schritt für Schritt" zu gehen, sagte der CDU-Politiker. Es müsse vermieden werden, jetzt zu lockern und in vier Wochen wieder einen Schritt zurückzugehen.