Welche neuen Maßnahmen bezüglich Quarantäne beschließt die Bundesregierung bei der aktuellen Corona-Konferenz am Montag, den 16.11.2020? Zwei Wochen des „Lockdown light“ sind vergangen und noch immer steigt die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Deutschland. Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten der Länder beraten deshalb am Montag 16.11. über die Corona-Maßnahmen.

Verdacht auf Corona: Das plant der Bund zu Quarantäne bei Halsschmerzen, Husten und Schnupfen

Die Beschlussvorlage des Bundes lag zahlreichen Medien vorab vor. Darin werden auch weitere Maßnahmen zur Isolierung von Corona-Verdachtsfällen diskutiert. Gegen diese so genannte „Schnupfenquarantäne“ gab es allerdings heftige Kritik vom Arbeitgeberverband. Im ersten Unterpunkt der Vorlage richtet sich die Bundesregierung mit Empfehlungen an die Bürger und Bürgerinnen. Der Bund empfiehlt allen Menschen mit Erkältungssymptomen sich zu Hause in Quarantäne zu begeben. Das soll man bei Erkältungssymptomen tun:
  • Bei welchen Symptomen soll ich zu Hause bleiben? Im Prinzip bei allen Erkältungssymptomen, also Halschmerzen, Husten, Schnupfen, Fieber. Der Bund betont jedoch, dass besonders bei Schnupfen und Husten eine Isolierung wichtig ist.
  • Wie lange muss ich bei Schnupfen und Halsschmerzen zu Hause bleiben? „Dort sollen sie fünf bis sieben Tage bis zum Abklingen der Symptome verbleiben“, heißt es. in der Vorlage.
  • Darf ich Kontakt innerhalb des Haushalts haben? Eher nein. Auch innerhalb des Haushalts soll man Distanz halten, wenn man erkältet ist. Das gilt insbesondere für Risikogruppen.
  • Darf ich bei Erkältung einkaufen oder spazieren gehen? Da man sich selbst in Quarantäne begeben hat und diese nicht vom Gesundheitsamt angeordnet wurde, darf man das Haus verlassen. Allerdings sollte man abwägen, ob das nötig ist. So kann man beispielsweise Nachbarn oder Freunde bitten, einkaufen zu gehen.
  • Wie kann ich mich krankschreiben lassen? Die Krankschreibung soll telefonisch durch den Hausarzt erfolgen zunächst ohne Präsenzbesuch in der Praxis.
  • Muss ich einen Corona-Test machen? In Absprache mit dem Arzt werde auch geklärt, ob ein Corona-Test erforderlich sei.

Söder gegen „Schnupfenquarantäne“

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat Bedenken gegen die Pläne des Bundes angemeldet, Menschen bei jedem Auftreten von Erkältungssymptomen sofort in die häusliche Quarantäne zu schicken. Darüber müssten Bund und Länder noch einmal „ausführlich diskutieren“, sagte Söder am Montag im ZDF-Morgenmagazin mit Blick auf das für Montagnachmittag geplante Gespräch von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und den Regierungschefs der 16 Bundesländer.
Markus Söder hat die Pläne der Bundesregierung für Quarantäne bei Erkältungen kritisiert.
Markus Söder hat die Pläne der Bundesregierung für Quarantäne bei Erkältungen kritisiert.
© Foto: Sven Hoppe/DPA

Corona Cluster: Quarantäne auch ohne positiven Test möglich?

Da eine vollständige Nachverfolgung von Kontakten oft nicht möglich ist, sollen bei Ausbruchsgeschehen in einem bestimmten Cluster wie einer Schule oder einem Unternehmen die Maßnahmen wie eine Quarantäne auch ohne positives Testergebnis angewendet werden. „Mit Blick auf die Verhältnismäßigkeit ist die Isolierung von Kontakt- bzw. Ausbruchsclustern im Vergleich zu Beschränkungsmaßnahmen ein milderes Mittel“, heißt es in der Vorlage.
Der Berliner Virologe Prof. Christian Drosten hatte diese Möglichkeit zur Eindämmung der Pandemie in dem NDR-Podcast „Coronavirus Update“ mehrfach zur Sprache gebracht.

Corona-Infektion und Verdacht darauf: Das bedeuten Quarantäne und Isolierung

Bei den unterschiedlichen Maßnahmen fallen immer wieder die Begriffe „Quarantäne“ und „Isolierung“. Doch was heißt was?
Isolierung: Die Isolierung ist eine behördlich angeordnete Maßnahme bei Kranken mit bestätigter Corona-Infektion. Die Entlassung aus der Isolierung erfolgt nach festgelegten Kriterien. In der Regel ist dies der Fall, wenn davon auszugehen ist, dass die Person nicht mehr ansteckend ist.
Quarantäne: Die Quarantäne ist eine zeitlich befristete Absonderung von Personen, bei denen der Verdacht auf eine Infektion mit dem Coronavirus besteht oder von Personen, die möglicherweise das Virus verbreiten können. Die Quarantäne kann sowohl von den Behörden festgelegt werden, als auch freiwillig erfolgen.
Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung erklärt in einem Merkblatt wie man sich während der Quarantäne verhalten sollte.

Quarantäne Erstattung und Lohnfortzahlung das müssen Arbeitgeber und Arbeitnehmer wissen

Bekomme ich Lohn, wenn ich wegen einer angeordneten Quarantäne nicht arbeiten darf? Das fragen sich viele in diesen Zeiten. Doch Arbeitnehmer können beruhigt sein: Der Arbeitgeber muss das Gehalt zunächst weiter bezahlen. Nach §56 Infektionsschutzgesetz kann sich der Arbeitgeber die dadurch entstandenen Kosten entschädigen lassen.
Wenn durch angeordnete Quarantäne-Maßnahmen Schäden durch Verdienstausfälle für Arbeitgeber und Selbstständige entstehen, können diese eine Erstattung der Verdienstausfälle beantragen. Der Antrag gilt für Verdienstausfälle, die wegen einer behördlich angeordneten Quarantäne oder eines Tätigkeitsverbots entstanden sind. Anträge müssen spätestens 12 Monate nach Beginn des Tätigkeitsverbots oder dem Ende der Quarantäne gestellt werden.

Kind in Quarantäne: Wie sieht es mit der Arbeit der Eltern aus?

Wenn Schulen oder Kitas schließen oder das Kind in Quarantäne muss, weil es Kontaktperson ist, stellt das berufstätige Eltern vor große Herausforderungen. Das gilt bei Kindern in Quarantäne:
  • Müssen die Eltern zur Arbeit? Grundsätzlich geht die Aufsichtspflicht dem Kind gegenüber vor der Verpflichtung zu Arbeiten. Trotzdem müssen Eltern versuchen eine andere Betreuungsmöglichkeit zu finden.
  • Gilt das für Kinder aller Altersstufen? Nein, das Infektionsschutzgesetz geht in §56 davon aus, dass Kinder bis zum 12. Lebensjahr betreut werden müssen.
  • Bekommen Eltern weiterhin Gehalt, wenn das Kind in Quarantäne ist? Ja, auch das ist im Infektionsschutzgesetz geregelt. Der Arbeitgeber zahl weiter Gehalt an den Arbeitnehmer und kann sich das erstatten lassen. Für erwerbstätige Personen wird die Entschädigung allerdings maximal für 10 Wochen gewährt, für Alleinerziehende maximal für 20 Wochen. Die Entschädigung beträgt 67 Prozent des Verdienstausfalls, maximal aber 2016 Euro.
  • Gilt das auch bei freiwilliger Quarantäne? Nein, bisher gelten die Regelungen für die Entschädigung nur bei angeordneter Quarantäne.