Corona-Gipfel am Montag: Merkel dämpft Hoffnungen auf Lockerungen

Am heutigen Montag treffen sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Länderchefs zum nächsten Corona-Gipfel in einer Schaltkonferenz. Alle Beteiligten haben in den vergangenen Tagen wiederholt Erwartungen an eine Lockerung des seit Anfang des Monats geltenden Lockdown Light versucht zu dämpfen.
So sagte etwa Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne), dass über Weihnachten erst geredet werden solle, wenn die Fallzahlen nach unten gingen. Er sprach sich entsprechend gegen Lockerungen zum jetzigen Zeitpunkt aus - und schlug damit in dieselbe Kerbe, in die auch der Chef des Weltärzteverbandes, Frank-Ulrich Montgomery, geschlagen hatte. Er sagte angesichts der unverändert hohen Fallzahlen, dass er eher Verschärfungen als Lockerungen der Maßnahmen in Betracht ziehen würde.

Mehrheit der Deutschen spricht sich für Lockerungen der Corona-Regeln aus

Eine Mehrheit der Menschen in Deutschland sprach sich in einer Umfrage allerdings dafür aus, dass im Dezember Restaurants und Kultureinrichtungen wieder öffnen dürfen. In einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Kantar für die „Bild am Sonntag“ gaben 78 Prozent der Befragten an, dass Restaurants im Dezember wieder öffnen sollten. Eine Öffnung von Kultureinrichtungen würden 68 Prozent begrüßen.

RKI-Zahlen für Deutschland: So hoch sind die Fallzahlen am 16.11.2020

Die Entscheidung über das weitere Vorgehen in der Corona-Pandemie sind also stark davon abhängig, wie das Infektionsgeschehen ist. Hier sind die aktuellen Fallzahlen von heute, Montag, 16.11.2020.
  • Neuinfektionen: Die Gesundheitsämter meldeten nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) 10.824 Neuinfektionen. Zum Vergleich: Am Sonntag waren 16.947 Fälle gemeldet worden, am vergangenen Montag hatte die Zahl gemeldeter Neuinfektionen bei 13.363 gelegen. Der Höchststand war am vergangenen Freitag mit 23.542 gemeldeten Fällen erreicht worden.
  • Infizierte: Nach RKI-Angaben haben sich seit Beginn der Pandemie mindestens 801.327 Menschen in Deutschland mit dem Coronavirus infiziert.
  • Todesfälle: Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit Covid 19 liegt bei 12.547. Das sind 62 vermeldete Tote mehr als am Vortag.
  • Genesene: Die Zahl der Genesenen beläuft sich laut dem RKI auf etwa 515.200

    Wichtiger Hinweis:
    An Sonntagen und Montagen sind die erfassten Fallzahlen meist niedriger, unter anderem weil am Wochenende weniger getestet wird.

RKI Zahlen für Deutschland: So hoch liegt der R-Wert aktuell

Zudem gibt das RKI in seinem aktuellen Lagebericht ein so genanntes Sieben-Tage-R an. Der Wert bezieht sich auf einen längeren Zeitraum und unterliegt daher weniger tagesaktuellen Schwankungen. Nach RKI-Schätzungen lag dieser Wert bei 1,03 (Vortag: 1,05). Er zeigt das Infektionsgeschehen von vor 8 bis 16 Tagen. Liegt er für längere Zeit unter 1, flaut das Infektionsgeschehen ab.
In seinem Dashboard zeichnet das RKI die aktuelle Entwicklung der Corona-Pandemie in Deutschland nach.
In seinem Dashboard zeichnet das RKI die aktuelle Entwicklung der Corona-Pandemie in Deutschland nach.
© Foto: Screenshot; Quelle: RKI

Zentrale Kennziffern der Corona-Pandemie in Deutschland

Seit Beginn der Pandemie werden jeden Tag Zahlen veröffentlicht, die den Verlauf nachzeichnen sollen. Hier die Erklärung, welche Zahlen was bedeuten.

Reproduktionszahl

Die Reproduktionszahl - oder kurz R-Wert - beschreibt, wie viele Menschen ein Infizierter während seiner Erkrankung ansteckt. Liegt die Zahl über eins, breitet sich eine Krankheit immer weiter in der Bevölkerung aus. Je weiter sie sich von der eins entfernt, desto schneller und bedrohlicher verläuft der Trend. Dabei handelt es sich aber immer nur um eine pauschale bundesweite Lageeinschätzung.
Es gibt außerdem gewisse Ungenauigkeiten durch Meldeverzüge und andere Faktoren. In Deutschland schwankt der Wert nach Schätzungen des RKI derzeit um eins. Nach Angaben der Experten dort gilt das schon als Erfolg und weist darauf hin, dass Gegenmaßnahmen zur Kontaktreduzierung wirken. Diese verringern die Chance, dass ein Infizierter weiterer Menschen ansteckt und drücken so den R-Wert. Sonst könnte dieser durchaus bei drei oder vier liegen.

Neuinfektionen

Der R-Wert allein sagt nicht unbedingt etwas aus über die Dramatik der gesamten Entwicklung. Sie ergibt sich erst aus der Kombination mit der Zahl der täglichen oder wöchentlichen Neuinfektionen. Der Grund ist einfach: Bei gleichem R-Wert macht es einen gewaltigen Unterschied, ob täglich 50.000 Ansteckungen hinzukommen oder einige hundert. Die Ausbreitungsdynamik ist theoretisch gleich, belastet die Kapazitäten der Gesundheitssysteme im Fall der höheren Zahlen allein durch die schiere Masse aber mit wesentlich größerer Wucht.
In Deutschland bewegt sich die Zahl der täglichen Neuinfektionen inzwischen zwischen 12.000 und 23.000 Fällen. Das ist ein extremer Anstieg in relativ kurzer Zeit. Noch Anfang Oktober lag die Zahl der täglich neu gemeldeten Fälle laut RKI bei nur tausend bis 4000. In anderen europäischen Ländern ist die Entwicklung noch dramatischer.

Siebentageinzidenz

Die sogenannte Siebentageinzidenz ist ein zentraler Maßstab, um die Infektionsdynamik in einem bestimmten Gebiet zu beurteilen und über Gegenmaßnahmen zu entscheiden. Sie wird in Deutschland auf Gemeinde- oder Landkreisebene erfasst und drückt aus, wie viele Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den zurückliegenden sieben Tagen registriert wurden. Bundesweit liegt sie inzwischen bei 139.
Dahinter verbergen sich aber regional unterschiedliche Trends. Als wesentliche Schwelle zur Einführung strengerer Eindämmungsmaßnahmen wurde in Deutschland ein Inzidenzwert von 50 eingeführt, der inzwischen fast flächendeckend aber deutlich überschritten wurde.

Schwere Verläufe und Intensivbettenbelegung

Letztlich entscheiden nicht die Fallzahlen allein darüber, wie gut ein Land die Pandemie bewältigen kann. Von entscheidender Bedeutung ist vielmehr, ob die Kapazitäten des Gesundheitssystems ausreichen, um die Erkrankten zu behandeln. Deshalb beobachten Experten und Politik sehr genau, wie sich die Zahl der schweren Verläufe und der verfügbaren Behandlungsplätze entwickelt.
Erstere wird vor allem dadurch beeinflusst, wie sich das Virus innerhalb der Risikogruppen verbreitet, bei denen schwere Verläufe viel wahrscheinlicher sind. Besonders genau betrachtet wird die Anzahl der Intensivpatienten, die lebensbedrohlich erkrankt sind. Kapazitäten in diesem Bereich sind immer begrenzt, allein schon mit Blick auf das Fachpersonal.
Die Zahl ist auch noch aus anderem Grund ein wichtiger Maßstab bei Entscheidungen über die Eindämmungsmaßnahmen: Es gibt dabei keine Dunkelziffer. Anders als bei Meldezahlen zu Infektionen, die auch durch Teststrategien beeinflusst werden, gibt es bei den künstlich beatmeten Intensivpatienten in Kliniken keine „Untererfassung“. Zu beachten ist aber ein Zeitverzug von zwei Wochen. So lange dauert es nach einer Ansteckung, bis sich schwere Verläufe einstellen. Die Zahl der Intensivpatienten hinkt der Infektionsdynamik hinterher.