• Spätestens an Ostern müsse es für Hotels und Gastronomie losgehen sonst drohen massive Probleme, so erste Forderungen.
Der bayerische Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) fordert von der Bund-Länder-Schalte zum weiteren Vorgehen in der Corona-Pandemie am Montag „ein klares Signal für Osterurlaub in Deutschland“. Das Ostergeschäft sei für Viele „der letzte rettende Strohhalm“, sagte Aiwanger den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Mittwoch). Tausende Betriebe stünden finanziell und emotional mit dem Rücken zur Wand, „da darf die Politik nicht mehr länger zusehen“, forderte Aiwanger. Auch aus Sicht des Infektionsschutzes halte er Urlaub in Bayern für besser als auf Urlaubsinseln im Süden mit diversen zusätzlichen Kontakten.

Niedrige Inzidenzwerte an deutschen Küsten

Die Hauptgeschäftsführerin des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga), Ingrid Hartges, sagte den Funke-Zeitungen: „Es ist für keinen Hotelier nachvollziehbar, warum man auf Mallorca Urlaub machen darf, aber nicht an der Ostsee oder Nordsee. Das kann niemand verstehen - und ich kann es auch niemandem erklären“. Auch an der deutschen Küste gebe es zum Teil niedrige Inzidenzwerte.

Verbände fordern Öffnung von Gastronomie und Hotels

"Verzweiflung, Wut und Zukunftsängste": Mit eindringlichen Worten hat der Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga), Guido Zöllick, eine Perspektive für die Branche in der Corona-Krise angemahnt. Nach einem Jahr Pandemie mit insgesamt sieben Monaten Lockdown seien Stimmung und Lage im Gastgewerbe "katastrophal", sagte Zöllick am Donnerstag in Berlin. "Jeder Monat Schließung bedeutet für unsere Betriebe durchschnittlich 75 Prozent Umsatzverlust", beklagte er.
"Die Konten sind leer, die Rücklagen aufgebraucht, die Angst vor dem endgültigen Aus nimmt dramatisch zu", sagte Zöllick. "72,2 Prozent unserer Unternehmer bangen um ihre Existenz und sogar jeder Vierte hat ausdrücklich betont, dass er eine Betriebsaufgabe in Erwägung zieht", fügte der Dehoga-Präsident unter Verweis auf eine aktuelle Umfrage des Verbandes hinzu, an der sich 6500 Betriebe beteiligten.
Im Kampf gegen die Pandemie mahnte Zöllick zudem zielgerichtete und widerspruchsfreie Maßnahmen an. "Wir verstehen zum Beispiel nicht, dass die Regierung einerseits mehr private Kontakte ermöglicht, auf der anderen Seite unsere Betriebe mit den funktionierenden Hygienekonzepten aber weiterhin geschlossen bleiben."
Nicht erklärbar sei auch, dass die Bundesregierung "Urlaub im internationalen Maßstab möglich macht, aber einen Besuch in unseren heimischen Biergärten weiterhin nicht erlaubt", fügte er mit Blick auf die Diskussionen um Osterurlaub etwa auf Mallorca hinzu. Aufgabe der Politik sei es, alles dafür zu tun, "dass unsere Betriebe keinen einzigen Tag länger als gesundheitspolitisch geboten geschlossen bleiben."
Der Vorsitzende des Hotelverbands Deutschland, Otto Lindner, sagte, einen monatelangen zweiten Lockdown könne auch ein ehemals gesundes Unternehmen nicht verkraften. Die Branche sei in dieser Situation auf staatliche Unterstützung und Entschädigung "auf Gedeih und Verderb angewiesen".
Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes legte der Umsatz im deutschen Gastgewerbe im Januar zwar im Vergleich zum Vormonat Dezember wieder um 3,3 Prozent zu - liegt aber noch immer 70 Prozent unter dem Niveau vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie.

Osterurlaub auch Thema beim Corona-Gipfel

Auch Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) hatte rasche Entscheidungen zu Tourismus in Deutschland angemahnt. „Wir werden über Ostern reden müssen“, sagte sie am Dienstag in Schwerin mit Blick auf die bevorstehenden Bund-Länder-Beratungen. „Ich glaube, dass es schwer vermittelbar ist, dass die Bundesregierung einerseits jetzt wieder Urlaub in anderen Ländern freigegeben hat, zum Beispiel Urlaub auf Mallorca, und gleichzeitig kein Urlaub im eigenen Bundesland möglich ist.“