Wann dürfen Fitnesstudios wieder öffnen?

Vor dem Treffen von Bund und Ländern am Mittwoch, 25.11., zur nächsten Corona-Konferenz beraten die Länder über eine gemeinsame Beschlussvorlage. Laut einem Entwurf dieser Vorlage, der der Deutschen Presseagentur vorliegt, planen die Länder eine Verlängerung des Lockdown. Diese Termine für ein Ende des Lockdown werden genannt:
  • bis mindestens zum 20. Dezember.
  • Möglich sind auch Einschränkungen bis zum 17. Januar.
Grundsätzlich sollen die derzeit geltenden Maßnahmen bis zum 20. Dezember beibehalten werden. Dies betrifft etwa die Schließung von Fitnessstudios. Bei einer Inzidenz von deutlich weniger als 50 Neuinfektionen pro Woche auf 100.000 Einwohner und einer sinkenden Tendenz sollen die Länder eigenständig Lockerungen verfügen dürfen. Vor Weihnachten sollen die Maßnahmen überprüft und bewertet werden. Dieses Verfahren der Überprüfung soll in den Wintermonaten fortgeführt werden.
Nach diversen Urteilen – unter anderem in NRW – bleibt die Lockdown-Lage für Fitnessstudios fast überall in Deutschland prekär, während in Baden-Württemberg ein paar Schlupflöcher gefunden wurden. Außerdem urteilten Richter in Hamburg zugunsten von Fitnessstudios.

Corona Regeln für den Sport: Das ist im Lockdown erlaubt

Die Ausgestaltung der Regeln für den Amateur-Sport unterscheiden sich von Bundesland zu Bundesland. Es gilt grundsätzlich:
  • Der Freizeit- und Amateursportbetrieb auf und in allen öffentlichen und privaten Sportanlagen, Schwimm- und Spaßbädern wurde ab dem 2. November eingestellt.
  • Auch Fitnessstudios und ähnliche Einrichtungen müssen schließen.
  • Erlaubt bleibt der Individualsport sowie Sport zu zweit oder mit den Angehörigen des eigenen Hausstands.
  • Mannschaftssport mit direktem Körperkontakt ist also überall untersagt.
  • Das gilt auch für Sportgruppen in Vereinen (z.B. Gymnastik, Tanz oder Rehasportgruppen)
  • Einzelne Bundesländer weisen Besonderheiten bei den Regeln auf.

Sonderkündigungsrecht Fitnessstudio: Kündigen wegen Corona?

Wer an seinem Vertrag nicht mehr festhalten will, kann ihn grundsätzlich fristgemäß kündigen. Am vereinbarten Vertragsende ändere auch die Pandemie laut Rechtsanwalt Bartel nichts. Gerichtlich geklärt ist diese Frage aber nicht. Ein Sonderkündigungsrecht besteht bei behördlich verfügten Schließungen aber nicht, dafür fehle eine gesetzliche Grundlage.

Muss man das Fitnessstudio weiterzahlen trotz Corona?

Die Betreiber dürfen ihre Dienstleistung aufgrund der Vorgaben derzeit nicht anbieten. Im Prinzip dürften sie für nicht erbrachte Leistungen aber auch kein Geld verlangen. Für Kunden entfällt damit die Pflicht, ihre Beiträge zu zahlen. Geregelt ist das in Paragraf 326 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB). Allerdings gibt es gegenteilig lautende Gerichtsurteile. Abschließend geklärt ist das Problem nicht.

Corona Regeln für den Sport: Lauterbach erwartet Einschränkungen für Sport

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach erwartet nach dem nächsten Corona-Gipfel auch weitere Einschränkungen für den Sport. Sollten sich die Fallzahlen nicht gut entwickeln, „dann könnte ich mir gut vorstellen, dass wir den Freizeitsport und auch den Profisport, zumindest den Hallensport, komplett verbieten“, sagte der 57 Jahre alte Bundestagsabgeordnete im Interview der Deutschen Presse-Agentur vor den Beratungen von Bundesregierung und Ministerpräsidenten am Mittwoch. „Selbst beim Profi-Fußball bin ich nicht sicher, wie lange wir das noch durchhalten“, meinte Lauterbach.

Corona-Maßnahmen: Gerichte bestätigen die Schließung von Fitnessstudios

Gegen die Schließung von Fitnessstudios hatten zahlreiche Betreiber in verschiedenen Bundesländern geklagt. In Bayern folgte daraus zunächst eine Öffnung der Studios, bis Indoor-Sport schließlich gänzlich verboten wurde. Auch in diesen Ländern gab es Urteile, die die Schließung bestätigen:
  • Hessen
  • Sachsen
  • Hamburg

Corona und Fitnessstudios: Betreiber warnen vor Insolvenzen

Die Fitnessbranche in Deutschland warnt vor Insolvenzen, sollten die Studios in der Corona-Krise nicht bald wieder öffnen dürfen. „Die Unsicherheit in der Branche ist groß“, sagt Ralph Scholz, Vorsitzender des Deutschen Industrieverbands für Fitness und Gesundheit. Es fehle eine verlässliche Perspektive der Politik für die Corona-Pandemie, klagt er. „Die Studios können nicht im 14-Tages-Rhythmus planen, ob sie wieder öffnen dürfen oder nicht.“

München/Neu-Ulm

Umsatzeinbußen von rund 5,5 Milliarden Euro

Jahrelang haben die knapp 10.000 Fitnessstudios in Deutschland einen Aufschwung erlebt, 2019 verzeichneten sie gut 11,6 Millionen Mitglieder. Doch nach dem Shutdown im Frühjahr mussten die Studios im November erneut schließen. Bei vielen Betreibern liefen die Beiträge zunächst weiter, Mitglieder wurden oft mit späteren Freimonaten, Gutscheinen oder kostenlosen Personal-Trainings getröstet. Das erhält die Liquidität, kostet die Studios aber künftig Geld.
Die Umsatzeinbußen beziffert Scholz bei 5,5 Milliarden Euro jährlichen Beitragseinnahmen auf 460 Millionen Euro im Monat. Der Shutdown wirkt sich auch auf die Anmeldungen aus. Fitnessstudios dürften bis Jahresende 10 bis 15 Prozent weniger Mitglieder haben als Ende 2019, fürchtet Scholz. Das wären rund 1,6 Millionen Menschen. „Wenn der Lockdown noch lange dauert, werden viele das nicht überleben.“