In Deutschland schauen in diesen Tagen vor dem nächsten Corona-Gipfel auf das Infektionsgeschehen hierzulande: Bleiben die Corona-Fallzahlen so hoch wie bisher? Greift der seit Anfang November geltende Lockdown Light und die Inzidenz geht runter?
Die zurückliegende Woche hat vor diesem Hintergrund eher Anlass zur Sorge gegeben: Am Freitag wurde mit mehr als 23.600 Neuinfektionen binnen eines Tages ein neuer Rekordwert vom Robert-Koch-Institut (RKI) veröffentlicht; seit Donnerstag haben alle Stadt- und Landkreise in der Bundesrepublik mindestens einen Toten, nachdem auch der Kreis Uelzen in Niedersachsen nun einen Todesfall im Zusammenhang mit dem Coronavirus zu verzeichnen hat; und am Mittwoch wurde nach Angaben von „Zeit Online“ der Tag mit der höchsten Todeszahl seit Beginn der Pandemie in Deutschland registriert.

Standorte für Impfzenren sind bekannt

Die ersten Standorte für die von der grün-schwarzen Landesregierung geplanten großen Corona-Impfzentren in Baden-Württemberg sind bekannt. Es stehe fest, dass solche Zentren in den Messen in Ulm, Freiburg und Offenburg errichtet werden, sagte Sozialminister Manfred Lucha (Grüne) der «Heilbronner Stimme» und dem «Mannheimer Morgen» (Samstag). Die Verhandlungen mit den Kommunen über weitere Standorte stünden vor dem Abschluss.

Von der Entwicklung der Zahlen hängt auch die Strategie beim nächsten Corona-Gipfel ab

Natürlich gab es mit der Meldung, dass Biontech und Pfizer für ihren Corona-Impfstoff in den USA die Zulassung beantragt haben, auch positive Nachrichten. Doch wie gespannt die Lage in Deutschland vor dem nächsten Corona-Gipfel am kommenden Mittwoch, 25.11., ist, zeigte die Abstimmung über die Änderung des Infektionsschutzgesetzes am Mittwoch: wütende Proteste, Festnahmen - und sogar von offensichtlichen (und von AfD-Abgeordneten in den Bundestag eingelassenen) Corona-Gegnern vor der Abstimmung bedrängte Abgeordnete.
Die Höhe und die Interpretation der Corona-Zahlen wird im gemeinsamen Ringen um eine Strategie und um geeignete Maßnahmen zwischen Bund und Ländern eine große Rolle spielen. Wie also sehen die aktuellen Fallzahlen heute, am Samstag, 21.11.?

Aktuelle Corona-Zahlen laut RKI-Dashboard heute

Das Robert Koch-Institut erfasst kontinuierlich die aktuelle Corona-Lage und bewertet nach eigenen Angaben auf der Homepage alle Informationen und schätzt das Risiko für die Bevölkerung in Deutschland ein. Darüber hinaus stellt das RKI eigenen Angaben nach Empfehlungen für die Fach­öffentlich­keit zur Verfügung, etwa zu Fallzahlen und Epidemiologie, allgemeinen Infektionsschutzmaßnahmen, Diagnostik und Teststrategie und Prävention in Gesundheitseinrichtungen, und gibt einen Überblick über eigene Forschungsvorhaben.
Die aktuellen Zahlen der Corona-Pandemie laut RKI:
  • Neuinfektionen: Nach Angaben des RKI meldeten die Gesundheitsämter 22.964 Neuinfektionen. Das ist ein neuer Rekordwert in Deutschland. Zum Vergleich: Am Vortag lagen sie bei über 23.600. Das ist ein neuer Rekordwert binnen eines Tages. Laut den Daten von „Zeit Online“ registrierten die Ämter 23.913 neue Fälle. Die Zahlen von „Zeit Online“ basieren auf den direkten Angaben aus den Landkreisen. Sie sollen, ist auf der Zeit-Homepage aufgeführt, weniger als die Statistiken des Robert Koch-Instituts von verzögerten Meldeketten betroffen sein und können deshalb abweichen.
  • Infizierte: Seit Pandemie-Beginn haben sich deutschlandweit laut RKI mindestens 902.528 Personen mit dem Coronavirus infiziert.
  • Todesfälle: Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit einer Covid-19-Infektion liegt bei 13.885. Das sind 254 Tote mehr als am Vortag. Zeit Online berichtet von 286 Toten binnen 24 Stunden.
  • Genesene: Die Zahl der Genesenen beläuft sich laut RKI auf etwa 593.100.
  • R-Wert: Das RKI gibt in seinem aktuellen Lagebericht ein so genanntes Sieben-Tage-R an. Dieser Wert bezieht sich auf einen längeren Zeitraum und unterliegt daher weniger tagesaktuellen Schwankungen. Das sogenannte Sieben-Tage-R lag laut RKI-Lagebericht vom Donnerstagabend bei 1,05 (Vortag: 0,99). Er zeigt das Infektionsgeschehen von vor 8 bis 16 Tagen. Liegt er für längere Zeit unter 1, flaut das Infektionsgeschehen ab.

    Video Rekord bei Corona-Neuinfektionen in Deutschland




    Deutschland kommt im Vergleich zu anderen Ländern bislang relativ gut durch die Corona-Pandemie. Die in Baltimore im US-Bundesstaat Maryland ansässige Johns-Hopkins-University etwa meldet für Frankreich inzwischen mehr als 2,3 Millionen Corona-Fälle bei fast 67 Millionen Einwohnern. Global lassen sich die Zahlen jedoch nur eingeschränkt vergleichen — denn nur dort, wo ausreichend getestet wird, liefern die Infektionszahlen ein realistisches Bild des Infektionsgeschehens ab.

Neuinfektionen, Inzidenz, R-Wert - Das bedeuten die Corona-Zahlen

Wichtige Kennziffern der Corona-Pandemie in Deutschland

Seit Beginn der Pandemie werden jeden Tag Zahlen veröffentlicht, die den Verlauf nachzeichnen sollen. Hier die Erklärung, welche Zahlen was bedeuten.
  • Reproduktionszahl (R-Wert): Die Reproduktionszahl - oder kurz R-Wert - beschreibt, wie viele Menschen ein Infizierter während seiner Erkrankung ansteckt. Liegt die Zahl über eins, breitet sich eine Krankheit immer weiter in der Bevölkerung aus. Je weiter sie sich von der eins entfernt, desto schneller und bedrohlicher verläuft der Trend. Dabei handelt es sich aber immer nur um eine pauschale bundesweite Lageeinschätzung. Es gibt außerdem gewisse Ungenauigkeiten durch Meldeverzüge und andere Faktoren. In Deutschland schwankt der Wert nach Schätzungen des RKI derzeit um eins. Nach Angaben der Experten dort gilt das schon als Erfolg und weist darauf hin, dass Gegenmaßnahmen zur Kontaktreduzierung wirken. Diese verringern die Chance, dass ein Infizierter weiterer Menschen ansteckt und drücken so den R-Wert. Sonst könnte dieser durchaus bei drei oder vier liegen.
  • Neuinfektionen: Der R-Wert allein sagt nicht unbedingt etwas aus über die Dramatik der gesamten Entwicklung. Sie ergibt sich erst aus der Kombination mit der Zahl der täglichen oder wöchentlichen Neuinfektionen. Der Grund ist einfach: Bei gleichem R-Wert macht es einen gewaltigen Unterschied, ob täglich 50.000 Ansteckungen hinzukommen oder einige hundert. Die Ausbreitungsdynamik ist theoretisch gleich, belastet die Kapazitäten der Gesundheitssysteme im Fall der höheren Zahlen allein durch die schiere Masse aber mit wesentlich größerer Wucht. In Deutschland bewegt sich die Zahl der täglichen Neuinfektionen inzwischen zwischen 12.000 und 23.000 Fällen. Das ist ein extremer Anstieg in relativ kurzer Zeit. Noch Anfang Oktober lag die Zahl der täglich neu gemeldeten Fälle laut RKI bei nur tausend bis 4000. In anderen europäischen Ländern ist die Entwicklung noch dramatischer.
  • Siebentage-Inzidenz: Die sogenannte Siebentageinzidenz ist ein zentraler Maßstab, um die Infektionsdynamik in einem bestimmten Gebiet zu beurteilen und über Gegenmaßnahmen zu entscheiden. Sie wird in Deutschland auf Gemeinde- oder Landkreisebene erfasst und drückt aus, wie viele Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den zurückliegenden sieben Tagen registriert wurden. Bundesweit liegt sie inzwischen bei 139. Dahinter verbergen sich aber regional unterschiedliche Trends. Als wesentliche Schwelle zur Einführung strengerer Eindämmungsmaßnahmen wurde in Deutschland ein Inzidenzwert von 50 eingeführt, der inzwischen fast flächendeckend aber deutlich überschritten wurde.


Corona in Deutschland: Stabilisiert bei „weit zu hohen Zahlen“

Die Bundesregierung hält die Corona-Lage in Deutschland weiterhin für sehr ernst. Seit Inkrafttreten der neuen Beschränkungen am 2. November sei es lediglich gelungen, "den starken, steilen, exponentiellen Anstieg zu stoppen", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Freitag. Die Neuinfektionen hätten sich stabilisiert, "aber bei weit zu hohen Zahlen", fügte er hinzu. "Wir alle wissen: Die Zahlen müssen stabil auf ein deutlich niedrigeres Niveau sinken."
Auch die Zahl der Todesfälle durch das neuartige Coronavirus sei weiterhin "sehr hoch", mahnte Seibert. Es gehe um "200, 250 Menschen jeden Tag, die ihr Leben wegen dieser Krankheit verlieren. Das ist etwas, woran wir mehr denken sollten und womit wir uns keine Minute abfinden dürfen."
Mit Blick auf die nächsten Beratungen von Bund und Ländern über das weitere Vorgehen am kommenden Mittwoch sagte Seibert, es sei "kein Geheimnis", dass sich die Bundesregierung bereits bei den jüngsten Gesprächen dieser Woche "mehr gewünscht hätte". Die Vorbereitungen auf die nächste Bund-Länder-Runde liefen "intensiv". Es werde dabei auch darum gehen, "wie wir Weihnachten und dann auch Silvester ins Auge fassen".