Curevac-Schock in Tübingen
: Betriebsrat kritisiert die Biontech-Geschäftsleitung scharf

750 Beschäftigte sind von der Schließung in Tübingen betroffen: Der Betriebsrat von Curevac sieht einen „Bruch mit den Prinzipien vertrauensvoller Zusammenarbeit“ und fürchtet negative Folgen für den mRNA-Forschungsstandort Deutschland.
Von
Moritz Siebert
Tübingen
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Eines der Gebäude von CureVac in Tübingen auf der Oberen Viehweide. CureVac, Forschung, Corona, Impfung, Medizin, Nordstadt 06 25 Foto: Carolin Albers

Curevac-Gebäude auf der Oberen Viehweide in Tübingen: 750 Curevac-Beschäftigte sind von der Schließung des Standorts betroffen.

Carolin Albers
  • Biontech kündigt die Schließung mehrerer Standorte an – auch die von Curevac in Tübingen.
  • Betroffen sind rund 750 Beschäftigte in Tübingen; insgesamt könnten bis zu 1860 Stellen entfallen.
  • Der Curevac-Betriebsrat kritisiert die Geschäftsleitung scharf und verweigert Zustimmung.
  • Versprochener mRNA-Forschungsstandort sei gefährdet, Vertrauen und Know-how würden zerstört.
  • Gefordert werden Alternativen, Beschäftigungsperspektiven und verbindliche Absicherung.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Der Betriebsrat von Curevac der Standorte Tübingen und Wiesbaden zeigt sich zutiefst besorgt über die angekündigte vollständige Schließung des Unternehmens mit rund 750 Beschäftigten und kritisiert die Entscheidung der Geschäftsleitung von Biontech scharf. „Wir stellen unmissverständlich klar: Diese Betriebsschließung wird vom Betriebsrat weder fachlich noch inhaltlich mitgetragen“, heißt es in einem Statement des Betriebsrats.

Am Dienstag (5. Mai) hat das Mainzer Pharma-Unternehmen Biontech bekannt gegeben, die Produktionsstandorte in Idar-Oberstein, Marburg und Singapur sowie an den Standorten von Curevac zu schließen. Insgesamt könnten vom Stellenabbau im Unternehmen bis zu 1860 Beschäftigte betroffen sein. Hintergrund ist ein Konsolidierungsprogramm: Informiert hat das Unternehmen am Dienstag auch über einen Quartalsverlust von 531,9 Millionen Euro.

„Bruch mit den Prinzipien der vertrauensvollen Zusammenarbeit“

Biontech hatte das Tübinger Unternehmen Curevac erst im Dezember 2025 übernommen mit der Zusage, dass ein zukunftsorientierter mRNA-Forschungsstandort entstehen soll. „Die jetzt angekündigte Schließung steht in eklatantem Widerspruch dazu“, beklagt der Betriebsrat. „Nach Kenntnis des Betriebsrats bildete diese Zusage eine wesentliche Grundlage für die Zustimmung der bisherigen Anteilseigner, darunter auch öffentliche Institutionen wie die KfW.“

Vor dem Hintergrund der Pandemie sei der Erhalt biotechnologischer Kompetenzen im Inland als strategisch wichtig hervorgehoben worden, erinnert der Betriebsrat. „Genau diese Kompetenzen stehen nun infrage.“ Der Betriebsrat sei zu keinem Zeitpunkt in die Entscheidungsfindung einbezogen worden. „Die Information über die Schließung erfolgte erst nach Abschluss der unternehmerischen Entscheidungsfindung, sodass es keine Mitwirkungsmöglichkeiten mehr gab.“ Dieses Vorgehen stellt aus Sicht des Betriebsrats „einen klaren Bruch mit den Prinzipien der vertrauensvollen Zusammenarbeit im Sinne des Betriebsverfassungsgesetzes dar und widerspricht einem verantwortungsvollen und respektvollen Umgang mit der Belegschaft“.

Geplant sei nicht nur die vollständige Schließung des Standorts, sondern auch eine drastische Reduzierung der mRNA-Forschung, heißt es im Statement. „Damit wird eine Schlüsseltechnologie, die in Deutschland über Jahre aufgebaut wurde, faktisch zerschlagen.“

Der Betriebsrat von Curevac fordert die Geschäftsleitung auf, für die betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verbindliche Lösungen zu schaffen. Dazu zählten konkrete Beschäftigungsperspektiven und gezielte Qualifizierungsangebote. „Angesichts der millionenschweren Boni an das Management im Zuge des Verkaufs an Biontech erwartet der Betriebsrat, dass auch für die Beschäftigten mindestens eine angemessene und verbindliche Absicherung sichergestellt wird.“

In der Entscheidung sieht der Betriebsrat eine massive Vernichtung von Werten, darunter Know-how aus über 20 Jahren Forschung, hochqualifizierte Arbeitsplätze, öffentlich geförderte Innovationskraft sowie das Vertrauen in unternehmerische Zusagen. „Durch den Abbruch von Projekten und die Nicht-Nutzung vorhandener Patente werden aus Sicht der Arbeitnehmervertretung bewusst Zukunftschancen vergeben.“

Es geht um die Zukunft einer Schlüsseltechnologie

Der Betriebsrat fordert, dass politisch Verantwortliche den Vorgang aktiv begleiten. „Hier geht es nicht nur um einen Standort, sondern um die Zukunft einer Schlüsseltechnologie in Deutschland.“

Außerdem fordert der Betriebsrat die Biontech-Geschäftsleitung auf, die geplanten Schließungen zu überdenken und gemeinsam mit den Arbeitnehmervertretern ernsthafte Alternativen zu erarbeiten. Ziel müsse es sein, eine Zerschlagung des mRNA-Forschungsstandorts Deutschland zu verhindern. Der Prozess müsse sorgfältig und „ohne unnötigen Zeitdruck“ geführt werden. „Wir als Betriebsrat kämpfen entschieden für eine sozialverträgliche Lösung im Sinne der gesamten Belegschaft.“

Curevac in Tübingen – ein Rückblick