„Hier sind wir zu Hause“ in Braunsbach
: Bürgermeister sagt Ja zu Ehrenamt und zweiter Amtszeit

Zum Leserfest der HT-Aktion kommen rund 200 Menschen auf den Marktplatz in Braunsbach. Im Interview beantwortet David Beck, was die Anwohner wissen wollen. Mit Bildergalerie.
Von
Jessica Wolf,
Gottfried Mahling
Braunsbach
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Vollbesetzt sind die Bänke auf dem Marktplatz in Braunsbach. Aufmerksam verfolgen die Besucherinnen und Besucher das Programm auf der Bühne mit Grußworten, Kindergarten-Malwettbewerb und Bürgermeister-Interview. Im Hintergrund stehen die Menschen am Stand des TSV Braunsbach für Essen und Getränke Schlange.

Voll besetzt sind die Bänke auf dem Marktplatz in Braunsbach. Aufmerksam verfolgen die Besucherinnen und Besucher das Programm auf der Bühne mit Grußworten, Kindergarten-Malwettbewerb und Bürgermeister-Interview. Im Hintergrund stehen die Menschen am Stand des TSV Braunsbach für Essen und Getränke Schlange.

Ufuk Arslan
  • Rund 200 Menschen feiern beim HT-Leserfest auf dem Marktplatz in Braunsbach.
  • Bürgermeister David Beck beantwortet Fragen und plant die Feuerwehr-Grundausbildung.
  • Er befürwortet Ehrenamt, schließt eine zweite Amtszeit ab 2032 nicht aus und erntet Applaus.
  • Zu Problemen: Keime im Orlacher Trinkwasser bleiben Thema, Tempo 30 derzeit nicht möglich.
  • Privat gibt Beck den Hauskauf am Südhang bekannt – Umzug steht an, PV-Anlage ist geplant.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Am Donnerstagabend herrscht ausgelassene Stimmung auf dem Marktplatz in Braunsbach. Bereits kurz nach Veranstaltungsbeginn sind die Bänke und Tische voll besetzt, Kinder kicken einen Fußball gegen die Torwand oder toben auf der Hüpfburg, der TSV Braunsbach grillt Würstchen, Steaks und gibt kühle Getränke aus. Moderator Harald Grüsser und Peer Ley, Leiter des Lesermarkts von Südwest Presse und Schwarzwälder Boten, heißen die rund 200 Besucherinnen und Besucher des HT-Leserfests willkommen.

Nach einer Vorstellung der Verlagsmitarbeitenden sowie dem Kindergarten-Malwettbewerb greift Redaktionsleiter Dr. Marcus Haas zum Mikrofon, der Bürgermeister David Beck live auf der Bühne interviewt. Das Fest überschneidet sich zeitlich mit der Vorpremiere des Stücks „Pension Schöller“, das der Verein Theater in Braunsbach auf der Kulturinsel zeigt. „Spielen Sie eigentlich wie Ihr Vorgänger Frank Harsch im Theater mit?“, will Haas entsprechend vom Schultes wissen. Doch der muss leider enttäuschen: „Theater ist nicht so mein Steckenpferd.“

Bald Teil der Feuerwehr

Dafür übernimmt David Beck bald ein anderes Ehrenamt. „Ich bin jetzt schon Mitglied in der Feuerwehr und plane, im September meine Grundausbildung zu beginnen“, gibt der Bürgermeister bekannt.

Seit 2024 ist Beck an der Rathausspitze. Seine Bewerbungsunterlagen hat er von San Francisco aus verschickt, als er mit seiner Frau Felicia auf Weltreise war, blickt der 31-Jährige zurück. Zuvor war er seit 2019 als Hauptamtsleiter in der Gemeinde tätig. „In der Zeit ist der Wunsch in mir gereift, Bürgermeister zu werden.“ Hätte es mit der Wahl im Kochertal nicht geklappt, wäre für Beck auch eine andere Kommune infrage gekommen, sagt er. Aber: „Ich bin sehr glücklich, Bürgermeister in Braunsbach zu sein.“

Der Braunsbacher Schultes David Beck (links) im Gespräch mit Redaktionsleiter Dr. Marcus Haas.

Der Braunsbacher Schultes David Beck (links) im Gespräch mit Redaktionsleiter Dr. Marcus Haas.

Ufuk Arslan

Ursprünglich hatte sich der Schultes vorgenommen, jederzeit Bürgerinnen und Bürger in seinem Büro zu empfangen – seine Tür sollte also wortwörtlich immer offenstehen. Das hat er nicht umgesetzt, denn er habe festgestellt: „Es ist viel wichtiger, in die Teilorte zu gehen, wenn wichtige Themen anstehen.“ Kürzlich gab es eine Versammlung in Döttingen, jetzt folgt eine in Arnsdorf.

Auch mit schwierigen Angelegenheiten muss sich eine Gemeinde beschäftigen. So ist das Trinkwasser im Ortsteil Orlach seit rund drei Jahren mit Keimen belastet. Marcus Haas will wissen, ob eine Lösung in Aussicht sei. „Ich kann den Unmut verstehen“, zeigt Beck Verständnis. „Ich kann Ihnen aber versichern, dass alle Beteiligten dran sind, die Situation zu beheben.“

Apotheke und Tempo 30

Schnellfragerunde: Der Redaktionsleiter hat ein paar der Belange mitgebracht, die die HT-Leserinnen und -Leser vorab einreichen konnten. „Die Apotheke – kommt keine mehr?“, erkundigt sich Haas etwa. Zu Beginn seiner Amtszeit habe die Verwaltung nochmal Bemühungen angestellt, jedoch keine Nachfolge gefunden, antwortet Beck. Wie sieht es mit Tempo 30 in den Teilorten aus? Derzeit seien die verkehrsrechtlichen Grundlagen für Begrenzungen nicht gegeben, erklärte der Rathauschef. Und etwas provokanter: „Soll Bühlerzimmern wieder zu Hall gehören?“ Der Teilort hat nach wie vor Haller Postleitzahl und Telefonvorwahl. Der Schultes gibt hier ein klares „Nein!“ zur Antwort.

Nach mehr als zwei Jahren zieht Beck ein positives Fazit. „Was mich wirklich begeistert hat, ist das bürgerliche Engagement“, sagt er. Das zu stärken und zu würdigen sei ihm ein Anliegen und bisher gut gelungen, findet er, etwa beim Pfingstmarkt oder dem Neujahrsempfang. Wünschen würde er sich derweil mehr Beteiligung beispielsweise im Klimaausschuss der Kommune, in dem aktuell nur zwei Mitglieder abseits des Gemeinderats seien.

Noch eine Bürgerfrage: Was würde Beck direkt umsetzen, wenn er nicht aufs Geld schauen müsste? Seine Antwort kommt schnell: „Dann würde ich das Kress-Areal kaufen und ein medizinisches Versorgungszentrum bauen, mit Parkplätzen, vielleicht reicht es auch noch für eine Tiefgarage.“ Damit reagiert er auf die Stimmen, die finden, in Braunsbach gebe es zu wenige Parkmöglichkeiten – und erntet lauten Applaus aus den Zuschauerreihen. Genauso für die Bestätigung, dass er sich noch eine zweite Amtszeit ab 2032 vorstellen könnte.

Nach dem Interview kommen die Menschen miteinander und mit den Verlagsmitarbeitenden ins Gespräch, die Kinder spielen, und so klingt der Abend gemütlich aus.

Eigenheim in Braunsbach gekauft

Im Interview mit Redaktionsleiter Dr. Marcus Haas erzählt Bürgermeister David Beck das ein oder andere private Detail. So antwortet er etwa auf die Leserfrage, ob er schon ein Haus in Braunsbach gekauft habe, mit einem klaren Ja. Seine Frau Felicia Beck und er hätten im Juni den Kaufvertrag für ein Eigenheim am Südhang im Kernort unterschrieben. „Das Haus ist wunderschön gelegen, sehr ruhig, mit schön angelegtem Garten“, führt David Beck aus. Die beiden wohnen bereits seit zwei Jahren in Braunsbach, seither in einer Wohnung.

„Dieses Wochenende ist der Umzug geplant“, erzählt der 31-Jährige. Das Haus sei schon etwas älter, daher wollen die Eheleute noch das ein oder andere sanieren – das Dach etwa, wo zudem eine PV-Anlage installiert werden soll. Renovieren die beiden auch in Eigenleistung? Der Großvater von Beck führte eine Gärtnerei, sein Vater ist gelernter Florist, seine Mutter machte eine Ausbildung zur Schreinerin. „Haben Sie auch eine handwerkliche Begabung?“, wollte Haas daher wissen. „Ne, das ist tatsächlich nicht so“, gab der Schultes zu. Gut möglich also, dass die Eltern beim Umbau ein bisschen unter die Arme greifen müssen. Ansonsten gibt es in der näheren Umgebung ja reichlich Handwerksbetriebe. Ein Pool sei aber nicht geplant, sagte Beck außerdem. „Dafür ist der Kocher dann doch zu nah.“ Darin lasse es sich ebenfalls gut schwimmen.

Lautstärke entscheidet über Sieg im Malwettbewerb

115 Dezibel. So laut sind ein Flugzeugstart, eine Kreissäge, ein Rockkonzert – und das Braunsbacher Publikum, als es darum geht, den Sieger des Malwettbewerbs zu küren. Alle sieben Gruppen des Kindergartens haben mit Wasserfarben, Stiften und verschiedenen Materialien wunderbare Collagen gestaltet, die vorn auf der Bühne präsentiert und von den beiden Kita-Leiterinnen Sophie Oberländer und Christina Bauer erläutert werden.

Eine strahlende, einer Blüte ähnelnde Sonne, die Kochertalbrücke, eine Unterwasserwelt, ein riesiger Fisch, eine Gebirgslandschaft mit Seilbahn und Heißluftballons, ein Storch als Hommage an die Nachbargemeinde Untermünkheim und fröhliche Kinder mit bunten Haaren und Sonnenbrillen: Alle sieben Kunstwerke hätten den ersten Platz verdient. Die Reihenfolge wird schließlich per Schallpegelmessgerät ermittelt. Am lautesten jubelt das Publikum bei der orangen Gruppe, gefolgt von der roten und der grünen Gruppe. Traurig sein müssen aber auch die dahinter Platzierten nicht, denn alle Gruppen erhalten für ihre Teilnahme Wunscherfüller-Gutscheine im Wert von 75 Euro und mehr.

  • Im laut Jubeln sind die Braunsbacher Kindergartenkinder richtig gut.​

    Im laut Jubeln sind die Braunsbacher Kindergartenkinder richtig gut.​

    Ufuk Arslan
  • Die Kinder der orangen Gruppe sind glückliche Sieger des Malwettbewerbs. Stolz präsentieren sie ihr Kunstwerk und den Gutschein. Mit den Kindern freuen sich die beiden Kita-Leiterinnen Sophie Oberländer und Christina Bauer sowie Peer Ley, Lesermarkt-Leiter von Südwest Presse und Schwarzwälder Bote.​

    Die Kinder der orangen Gruppe sind glückliche Sieger des Malwettbewerbs. Stolz präsentieren sie ihr Kunstwerk und den Gutschein. Mit den Kindern freuen sich die beiden Kita-Leiterinnen Sophie Oberländer und Christina Bauer sowie Peer Ley, Lesermarkt-Leiter von Südwest Presse und Schwarzwälder Bote.​

    Ufuk Arslan
  • Der Braunsbacher Marktplatz ist am Donnerstagabend während „Hier sind wir zu Hause“ gut gefüllt.​

    Der Braunsbacher Marktplatz ist am Donnerstagabend während „Hier sind wir zu Hause“ gut gefüllt.​

    Ufuk Arslan
  • Kinder rutschen und toben auf der Hüpfburg.​

    Kinder rutschen und toben auf der Hüpfburg.​

    Ufuk Arslan
  • Am Glücksrad heißt es Schlangestehen.​

    Am Glücksrad heißt es Schlangestehen.​

    Ufuk Arslan
  • Rund 80 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat die Südwest Presse Hohenlohe (SHO). Etliche sind in Braunsbach dabei, um bei der Organisation zu helfen oder Informationen für die Berichterstattung zu sammeln. Moderator Harald Grüsser bittet das SHO-Team auf die Bühne.

    Rund 80 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat die Südwest Presse Hohenlohe (SHO). Etliche sind in Braunsbach dabei, um bei der Organisation zu helfen oder Informationen für die Berichterstattung zu sammeln. Moderator Harald Grüsser bittet das SHO-Team auf die Bühne.

    Ufuk Arslan
  • In diesen Briefkasten können Besucher vor Ort ihre Umfrage-Coupons einwerfen. Wie zufrieden sind sie insgesamt mit der Gemeinde Braunsbach? Als Durchschnittsnote auf diese Frage geben die Bürger eine 2,3.

    In diesen Briefkasten können Besucher vor Ort ihre Umfrage-Coupons einwerfen. Wie zufrieden sind sie insgesamt mit der Gemeinde Braunsbach? Als Durchschnittsnote auf diese Frage geben die Bürger eine 2,3.

    Gottfried Mahling
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TSV Braunsbach stillt großen Hunger

Lange Schlangen bilden sich beim Glücksraddrehen und insbesondere am Essens- und Getränkestand. 200 Würste und 100 Steaks haben die Helfer vom TSV Braunsbach eingekauft – alles wird bis zum Ende der Veranstaltung verzehrt. Am Glücksrad, wo es kleine Preise wie Seifenblasen oder Gummibärchen zu gewinnen gibt, stellen sich manche Kinder mehrfach an. Viel Trubel herrscht auf der kleinen Hüpfburg, wo sich die jungen Besucher kräftig austoben.

Alte Bekannte treffen

Gut gelaunte Braunsbacher sind am Donnerstagabend anzutreffen. „Schön!“ findet etwa Anette Stirn das Fest. Sie sei auf den Marktplatz gekommen, um vielleicht noch etwas Neues zu erfahren. Und: „Weil ich Interesse an der Gemeinde habe“, sagt die Frau, die im Kernort lebt. Das Interview mit Bürgermeister David Beck habe ihr sehr gut gefallen. Neben ihr sitzen Brigitta Kuhn aus Braunsbach, Anja Schwarz aus Geislingen und deren Schwester Bärbel Lay, die an diesem Tag erst von der Ostsee angereist ist. Dort wohnt die gebürtige Geislingerin seit mehr als zehn Jahren, besucht ihre Heimat aber immer wieder, erzählt sie. Praktisch: Bei der Veranstaltung sehe sie viele alte Bekannte.

Unter den Besucherinnen und Besuchern sind auch einige Gemeinderatsmitglieder. „Das ist selbstverständlich, wenn sowas im Dorf stattfindet“, sagt Annegret Pfeiffer. Sie und Brigitte Ehrmann seien natürlich gespannt gewesen, was David Beck auf der Bühne sagen wird, konnten aber mit allem mitgehen, sagen sie. „Schön war die Malaktion mit den Kindern“, lobt Ehrmann. „Wir haben aber auch ein tolles Kindergartenteam.“

Gesamtnote 2,3 für Braunsbach

Die Bürger bewerten ihre Gemeinde in den meisten Kategorien durchschnittlich, sind aber insgesamt glücklich, in Braunsbach zu leben. Diese Schlussfolgerung lassen die Ergebnisse einer Umfrage zu, an der insgesamt 136 Leserinnen und Leser teilgenommen haben.

Die Noten im Einzelnen – wie zufrieden sind Sie ...

  • ... mit dem Betreuungsangebot der Kindertagesstätten? Note: 2,4
  • ... mit dem Angebot für Jugendliche? Note: 2,9
  • ... mit dem Angebot für Senioren? Note: 2,8
  • ... mit dem Angebot der Schulen? Note: 2,6
  • ... mit dem Busangebot? Note: 3,2
  • ... mit dem Angebot von Radwegen? Note: 2,3
  • ... mit dem gastronomischen Angebot? Note: 2,5
  • ... mit dem Arbeitsplatzangebot? Note: 3,2
  • ... mit dem kulturellen Angebot? Note: 2,7
  • ... mit den Einkaufsmöglichkeiten? Note: 2,7
  • ... mit der medizinischen Versorgung? Note: 2,7
  • ... insgesamt mit der Gemeinde Braunsbach? Note: 2,3

Übrigens: Schon beim letzten „Hier sind wir zu Hause“ 2015 sahen die Braunsbacher ihre Kommune insgesamt positiv.

Quelle: SHO