Serie „Urlaub auf dem Teller“: Pici und Cinghiale erfreuen den Gaumen

Ein einfaches, aber delikates Gericht aus der Toskana: Pici Carbonara.
Vera Bender- Toskana-Reise: Autorin schwärmt von Küche, Landschaft und Sitten, seit dem ersten Urlaub 2020.
- Italienische Etikette: Cappuccino nur morgens, Espresso an der Bar, keine Löffel zu langen Nudeln.
- Mehrgängemenü üblich: Antipasti, Primi, Secondi, Contorni, Dolce – Coperto ersetzt Trinkgeld.
- Regionale Küche im Fokus: Pici, Ragù di Cinghiale, Bistecca; Beilagen oft als eigener Gang.
- Rezepttipp Pici Carbonara ohne Sahne: Nudeln, Guanciale, Eier, Pecorino, Pfeffer, Nudelwasser.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Die Vorfreude steigt: In einer Woche weile ich wieder in der Toskana. Ach, was hatte ich mich bis vor fünf Jahren gesträubt, nach Italien zu reisen. Weil ich gelesen hatte, dass in touristischen Gebieten die Urlauber im Restaurant eine andere Speisekarte ausgehändigt bekommen als die Einheimischen – mit deutlich höheren Preisen. Und schon war ich voreingenommen. Letztlich war es der Hund, der den Urlaubstraum meines Gatten endlich wahr werden ließ. Denn in Italien zeigt man sich absolut hundefreundlich und deshalb findet man dort weitaus mehr Ferienhäuser, in die der Vierbeiner mit darf, als in Südfrankreich.
Melodisch klingende Speisen
Der erste Urlaub in der Toskana im Jahr 2020 war dann so rundum positiv, dass wir seither jedes Jahr an ein anderes Fleckchen zwischen Pisa, Florenz und San Gimignano reisen. Die Kultur, die Landschaft, die Menschen – und vor allem auch die italienische Küche – haben mich in ihren Bann gezogen. Allein schon der Duft und die melodisch klingenden Namen vermeintlich einfacher Gerichte wie Panzanella, Pappardelle alla Cinta Senese, Bistecca alla Fiorentina oder Ragù di Cinghiale lassen mich dahinschmelzen. Einfach Pizza oder Pasta? Nein! Bei den Restaurantbewertungen beschwert sich hin und wieder irgendein Deutscher, dass die Portion Nudeln zu klein war und nicht satt gemacht hat.
Aber nicht nur in Frankreich wählt man mehrere Gänge aus der Speisekarte aus. Da gibt es Antipasti, Primi, Secondi, Contorni, Dolce – und auch Coperto. Nicht wundern, wenn auf der Rechnung dieses Wort steht und pro Person zusätzlich zwischen einem und drei Euro berechnet werden. Das ist für das Gedeck, das Leitungswasser in der Karaffe, das Brot und das Olivenöl auf dem Tisch und kann mit unserem Trinkgeld verglichen werden. Nur, dass es sozusagen eine Zwangsabgabe ist. Weshalb man am Ende auch nicht noch zusätzlich großzügig aufrunden muss.
Was haben Sie mitgebracht und nachgekocht?
Reisen erweitert den Horizont – und manchmal auch den heimischen Speiseplan. Welches Gericht haben sie im Urlaub entdeckt? Was hat Sie kulinarisch so begeistert, dass Sie es in die heimische Küche übernommen haben?
Schicken Sie uns Ihre Geschichte, wo und wie Sie ein neues Lieblingsessen gefunden haben, am besten mit einem appetitanregenden Foto und einem Porträtbild von Ihnen. Der Text sollte etwa 1900 Zeichen lang sein. Wir sind gespannt!
Wenn Sie aus dem Kreis Tübingen kommen, ist redaktion@tagblatt.de die richtige Adresse, im Kreis Reutlingen ist es muv.redaktion@swp.de, im Zollernalbkreis zollernalbkreis.redaktion@swp.de.
Diese Rezepte gibt es bereits:
- Paprika mit Anchovis: Schmeckt wie im Mairatal
- Salbeinudeln aus Italien
- Kalte Rote-Bete-Suppe: Der kleine Baltikum-Urlaub
- Im Land des Kibbeling und der Bitterballen
- Pici und Cinghiale erfreuen den Gaumen
- Dieses Fischgericht schmeckt nach Ferien am See
- Schnitzel in Wien, Nockerl in Salzburg und eine Jause auf den Bergen
- Einen Salade Nicoise an der Cote d´Azur genießen
Cappuccino nur zum Frühstück
Zurück zu den Speisen. Gastfreundlich mutet es an, wenn man sich gegen den Durst bei großer Hitze schon mal ein Glas Wasser einschenken und das ungesalzene und relativ harte Brot in köstliches Olivenöl tunken kann. Wenn das kein Gruß aus der Küche ist! Und in jedem noch so einfachen Ristorante eigentlich ganz normal. Ebenso erlebt man es, dass man in ländlichen Gegenden vor dem Bezahlen – das meist nicht am Tisch, sondern an einer zentralen Kasse unter Nennung der Tischnummer vorgenommen wird – eine Flasche Limoncello samt einiger Gläser hingestellt bekommt. Man schenkt sich einfach selbst auf Kosten des Hauses ein.

In dieser Atmosphäre in der Toskana lässt es sich wunderbar speisen.
Vera BenderAndere Länder, andere Sitten. Deshalb auch niemals nach dem Essen einen Cappuccino bestellen. Der Kaffee mit aufgeschäumter Milch wird nur zum Frühstück getrunken. Ansonsten genehmigt sich der Italiener den Tag über hier und da einen Espresso, aber niemals „to go“ im Pappbecher, sondern wenigstens am Tresen in der Porzellantasse. Wer einen Kaffee haben will, wie man ihn in Deutschland trinkt, der muss schon den Zusatz „deutsch“, also „caffè tedesco“, oder „amerikanisch“, also „americano“, anhängen. Innerlich rümpft der Wirt dann zwar die Nase, lässt sich aber äußerlich nichts anmerken und serviert das dünne Gebräu ohne mit der Wimper zu zucken.
Mehrere separate Gänge
Wer eines der schmackhaften Fleischgerichte bestellt, die durchweg von sehr hoher Qualität sind, sollte sich nicht wundern, wenn es keine Beilage dazu gibt. Die isst man als separaten Gang meist vorher. Beispielsweise Pici: Das sind Nudeln, die typisch für die Toskana und einfach ausgedrückt eine Kombination aus Spaghetti und Spätzle sind. Quasi dicke Spaghetti mit viel Biss. Nicht mit Bolognese, auch das ist nämlich typisch deutsch. Wenn, dann mit Ragout, sehr fein geschnittenem Fleisch statt Hackfleisch. Und die langen Nudeln, von denen es viele Sorten gibt, isst man auch nicht mit Gabel und Löffel und schon gar nicht mit dem Messer, sondern einfach mit der Gabel.
Wer erst einmal eingetaucht ist in die Raffinessen der italienischen Küche, die auf den ersten Blick so schlicht und einfach wirkt, der kommt aus dem Schwärmen nicht mehr heraus. Es sind die Frische und die Regionalität der verwendeten Zutaten, die aus einem einfachen Mahl mit Käse, Tomaten, Schinken, Oliven und Auberginen einen wahren Gaumenschmaus machen. In der Toskana habe ich auch gelernt, dass Spaghetti Carbonara so wunderbar köstlich schmecken können und es dafür keine Sahne braucht – einfach Nudeln, Eier, Speck, Käse und Pfeffer. Und nein: Wir haben nie eine andere Speisekarte bekommen als die Einheimischen – außer sie war in Englisch gehalten. Die Preise unterschieden sich trotzdem nicht.
Rezept für Pici Carbonara
Die typisch toskanischen Nudeln mit dem Namen Pici bekommt man in Deutschland eigentlich nur in Delikatessenläden. Man kann deshalb auch zu Spaghetti aus dem Supermarktregal greifen. Die 500 Gramm Nudeln werden al dente, also bissfest, gekocht. Zeitgleich brät man in einer Pfanne 200 Gramm Guanciale (luftgetrockneter Schweinebackenspeck) oder anderen aromatischen Speck in kleinen Würfeln an. Diesen würzt man mit reichlich frisch gemahlenem schwarzen Pfeffer. Währenddessen schlägt man in einer Schüssel drei Eigelb und ein ganzes Ei auf und rührt etwa 80 Gramm Peccorino (Schafsmilchhartkäse) darunter. Zur Not kann man auch auf Parmesan zurückgreifen. Sind die Nudeln fertig, werden sie aus dem Wasser in die Pfanne mit dem Speck geschöpft und vermischt. Anschließend rührt man das Käse-Eier-Gemisch darunter. Vorsicht: Sind die Pfanne oder die Pasta zu heiß, gerinnt das Ei. Für die Sämigkeit schöpft man mit einer Kelle noch etwas salziges Nudelwasser in die Pfanne. Buon appetito!


