Nach Zugunglück in Riedlingen
: GDL-Vorsitzender: „Dass die Strecke noch gesperrt ist, ist für die Lokführer ein Segen“

Nach dem verheerenden Zugunglück in Riedlingen laufen die Ermittlungen auf Hochtouren. Noch ist die Strecke gesperrt. Ein Gewerkschafter erklärt, was eine solche Katastrophe mit Lokführern macht.
Von
asc, dpa
Stuttgart
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Drei Menschen kamen bei dem Unglück ums Leben – zwei davon Mitarbeiter der Bahn. (Archivbild)

Jason Tschepljakow/dpa
  • Zugunglück in Riedlingen: Drei Tote, 36 Verletzte – Ursache war ein Hangrutsch nach Unwetter.
  • Zwei der Opfer waren Bahnmitarbeiter – Unfallstelle bleibt aktuell gesperrt.
  • GDL-Chef: Gesperrte Strecke entlastet Lokführer emotional nach der Katastrophe.
  • Kritik an Bahn: Grünschnitt seit Privatisierung stark reduziert, präventive Arbeiten fehlen.
  • Opfer wurden in einem Gottesdienst gewürdigt, Ermittlungen laufen weiter.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Das schwere Zugunglück in Riedlingen beschäftigt weiter. Neben Betroffenen, Einsatzkräften und Ermittlern vor allem die Lokführer. Das bestätigt der örtliche Chef der Lokführergewerkschaft GDL. Nach seinen Aussagen treibt es die Kollegen bei der Bahn um. „Das macht was mit jedem, der den gleichen Beruf ausübt. Noch mehr, wenn man die Strecke selbst täglich gefahren ist – womöglich am gleichen Tag“, sagte Nico Rebenack, GDL-Bezirksvorsitzender Süd-West, der „Stuttgarter Zeitung“ und den „Stuttgarter Nachrichten“.

Dass die Strecke noch immer gesperrt ist, ist für die Lokführer ein Stück weit ein Segen. Wenn man direkt nach einem solchen Unglück an der Unfallstelle vorbeimuss, das ist schlimm.“ Rebenack sagte, er hätte verstanden, wenn Lokführer in den Tagen nach dem Unglück daheim geblieben wären. Es habe aber nicht mehr Krankmeldungen gegeben. „Vermutlich ist der ein oder andere aber automatisch ein bisschen langsamer gefahren.“

„Wie mit Taschenlampe im Dunkeln“

Wie so eine Fahrt vom Führerhaus aussehe, das könnten sich diejenigen, die hinten im Zug sitzen, schwer vorstellen, berichtete der GDL-Mann den Blättern. „Sie sehen trotz Beleuchtung fast nichts, das ist eher wie mit einer Taschenlampe, mit der sie ins Dunkel leuchten“, so Rebenack.

„Und dann fahren sie mit 140 oder 160 in eine Kurve.“ Absolutes Vertrauen in die Technik sei nötig. Rebenack kritisierte, dass der Grünschnitt seit der Privatisierung der Bahn massiv zurückgefahren worden sei. „Es werden im Grunde nur Arbeiten gemacht, die unbedingt nötig sind“.

Bei der Entgleisung eines Regionalzugs nach einem Unwetter am 27. Juli waren drei Menschen getötet worden, 36 wurden teilweise schwer verletzt. Ursache war nach dem aktuellen Ermittlungsstand ein Hangrutsch an der Strecke. Zuvor war ein Abwasserschacht oberhalb des Hangs übergelaufen. Am vergangenen Freitag war den Opfern in einem Gottesdienst gedacht worden.