Gottesdienst nach Bahnunglück
: „Schmerz tut weh, er lässt sich nicht einfach wegwischen“

In Zwiefalten wird der Opfer des schweren Unfalls auf der Zugstrecke zwischen Sigmaringen und Ulm gedacht. Bischof Klaus Krämer dankt allen Helfern für ihren Einsatz.
Von
Moritz Clauß
Zwiefalten/Riedlingen
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Trauergottesdienst für die Opfer des tödlichen Zugunglücks: 01.08.2025, Baden-Württemberg, Zwiefalten: Bahnchef Richard Lutz (v.l) Winfried Hermann (Bündnis 90/Die Grünen), Verkehrsminister von Baden-Württemberg, Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) und Winfried Kretschmann (Bündnis 90/Die Grünen), Ministerpräsident von Baden-Württemberg, stehen im Münster Unserer Lieben Frau bei einem Trauergottesdienst anlässlich des Zugunglücks von Riedlingen in nebeneinander. Bei der Entgleisung eines Regionalzugs nach einem Unwetter waren am 27. Juli drei Menschen getötet und Dutzende teilweise schwer verletzt worden. Foto: Bernd Weißbrod/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Trauergottesdienst für die Opfer des tödlichen Zugunglücks: Bahnchef Richard Lutz (v.l) Winfried Hermann (Bündnis 90/Die Grünen), Verkehrsminister von Baden-Württemberg, Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) und Winfried Kretschmann (Bündnis 90/Die Grünen), Ministerpräsident von Baden-Württemberg, stehen im Münster in Zwiefalten.

Bernd Weißbrod/dpa
  • Gedenkgottesdienst in Zwiefalten für Opfer des Zugunglücks bei Riedlingen – ökumenische Teilnahme.
  • Bischof Krämer und Landesbischof Gohl sprechen Trost aus, bedanken sich bei Helfern und Notfallseelsorgern.
  • Bahnunglück durch Hangrutsch ausgelöst – Hangrutsch wohl Folge eines überlaufenden Abwasserschachts.
  • Abwasserschacht wurde wenige Tage vor dem Unglück überprüft – Ermittlungen der BEU laufen.
  • Drei Tote und Dutzende Verletzte – Ziel der Ermittlungen: Sicherheitsverbesserung im Bahnverkehr.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

„Die Fassungslosigkeit über die Ereignisse verbindet uns über die Konfessions- und Glaubensgrenzen hinweg“, sagte Bischof Klaus Krämer am Freitag beim Gottesdienst zum Gedenken an die Opfer des Zugunglücks bei Riedlingen. „Gemeinsam suchen wir Trost und Halt.“ Der ökumenische Gottesdienst im Münster in Zwiefalten (Landkreis Reutlingen) begann am Freitag um elf Uhr, die Diözese Rottenburg-Stuttgart und die Evangelische Landeskirche in Württemberg hatten gemeinsam dazu eingeladen.

Zelebriert wurde der Gottesdienst von Klaus Krämer, Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart, und Ernst-Wilhelm Gohl, Landesbischof der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Auch Vertreterinnen und Vertreter anderer Institutionen waren vor Ort, darunter Ministerpräsident Winfried Kretschmann und Landesverkehrsminister Winfried Hermann (beide Grüne), der CDU-Landesvorsitzende Manuel Hagel und Bahnchef Richard Lutz sowie Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU). Der SWR zeigte den Gottesdienst live im Fernsehen und online.

„Wir ahnen, wie unfasslich und nicht zu begreifen dieses Unglück ist“

„Schmerz tut weh, er lässt sich nicht einfach wegwischen, er will ausgehalten werden“, sagte Bischof Krämer im Gottesdienst, als er die Teilnehmerinnen und Teilnehmer begrüßte. „Zuerst denke ich an dieser Stelle an die Angehörigen der Verstorbenen, die so plötzlich einen lieben Menschen verloren haben.“ Er denke außerdem an die Ersthelfer, Mitarbeitende von Polizei, Rettungsdiensten, Feuerwehren, des THW und in den Kliniken. „Sie alle haben maßgeblich zur Bergung, Rettung und Versorgung der Verletzten beigetragen“, sagte Krämer. „Von Herzen möchte ich Ihnen dafür danken.“ Zudem wies er auf die wichtige Arbeit der Notfallseelsorgerinnen und Notfallseelsorger hin: Auch im Gottesdienst standen Seelsorger zum Gespräch bereit.

Ernst-Wilhelm Gohl sagte: „Wir erahnen, was Sie, die Familien, die Freundinnen und Freunde, mit dem Tod ihrer Lieben verloren haben.“ Von einer Sekunde auf die andere sei alles anders. „Und wir ahnen, wie unfasslich und nicht zu begreifen dieses Unglück ist. Ohne jede Vorwarnung herausgerissen aus der lebendigen Welt, einfach so.“ Es sei wie ein böser Traum, bei dem man hoffe, endlich aufzuwachen.

Abwasserschacht wurde kurz vor dem Zugunglück überprüft

Bei dem Zugunglück am Sonntagabend waren drei Menschen gestorben und dutzende Personen verletzt worden. Nun ermittelt nicht nur die Polizei. Auch die Bundesstelle für Eisenbahnunfalluntersuchung (BEU) hat ihre Ermittlungen aufgenommen. Mit einem Ergebnis ist aber wohl frühestens in einigen Monaten zu rechnen. Ziel der BEU ist es, mögliche Lehren aus dem Unglück zu ziehen und so die Sicherheit des Eisenbahnsystems zu verbessern. Die Bundesstelle will deshalb unter anderem die Unfallursache ermitteln.

Zu dem schweren Bahnunfall kam es laut aktuellem Ermittlungsstand aufgrund eines Hangrutsches. Der wiederum wurde wohl durch einen überlaufenden Abwasserschacht ausgelöst. Für den betroffenen Schacht ist das Landratsamt Biberach zuständig. Das hat ein Sprecher der Behörde am Donnerstag gegenüber der SÜDWEST PRESSE bestätigt. Demnach wurde der Schacht erst wenige Tage vor dem Unglück überprüft.