Wo wird gestreikt?
: Streiks bei Bahn, Lufthansa und Co. in der Übersicht

Egal ob Bahn oder Flugzeug, das Reisen ist derzeit sehr schwer planbar. Bei all den (un)angekündigten Streiks ist es mühsam, den Überblick zu behalten.
Von
Amelie Schröer,
Daniel Wydra
Ulm
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Wer streikt grade wo und wie lange? Die Streiks bei Bahn und Lufthansa im Überblick.

dpa

Der Urlaub an die Ostsee ist lange gebucht, die Geschäftsreise nach New York seit vielen Wochen geplant. Auch das Ticket für den Flieger oder den Zug ist gezahlt. Doch dann kann die Reise doch nicht wie geplant stattfinden, denn Streiks verhindern Starts und Landungen bei der Lufthansa und die GDL hat ihre Lokführer zur Arbeitsniederlegung aufgerufen. Seit Wochen sorgen bundesweite Streiks — vor allem im Verkehrssektor — für viel Aufmerksamkeit und zunehmend geht der Überblick darüber verloren, wer überhaupt gerade wo und wie lange streikt. Wir haben die aktuellen Infos dazu in der Übersicht.

Einschränkungen bei Lufthansa wegen Streik der Flugbegleiter

Der Warnstreik des Lufthansa–Bodenpersonals ist gerade erst wenige Tage vorbei, da ruft ein anderer Sektor des Luftfahrtriesen zur Arbeitsniederlegung auf: Dieses Mal hat die Kabinengewerkschaft Ufo die rund 19.000 Flugbegleiter der Lufthansa und der Lufthansa Cityline zum Streik aufgerufen. Am Dienstag (12.3.) wurden von 4 Uhr bis 23 Uhr alle Abflüge von Frankfurt bestreikt, am Mittwoch (13.3.) in der gleichen Zeit am Flughafen München. Insgesamt rund 1000 Flüge sind davon betroffen und rund 120.000 Passagiere.

Nächster Streik im Luftverkehr am Donnerstag

Doch auch danach gilt es für Flugreisende, genau die Flugpläne zu checken, denn bereits am Donnerstag (14.3.) geht es mit dem nächsten Streik im Luftverkehr munter weiter. Dann ruft die Gewerkschaft Ver.di das Sicherheitspersonal auf, die Arbeit ruhen zu lassen. Eingeschlossen sind Beschäftigte in der Fluggastkontrolle, in der Personen– und Warenkontrolle, in der Frachtkontrolle und in Servicebereichen. Von dem Streik betroffen sind die folgenden Flughäfen:

  • Karlsruhe/Baden–Baden
  • Köln
  • Berlin
  • Hamburg
  • Stuttgart
  • München

Laut einer Meldung der Nachrichtenagentur AFP streiken in Berlin, Hamburg und Stuttgart die Beschäftigten in der Fluggastkontrolle, der Personal– und Warenkontrolle, der Frachtkontrolle und den Servicebereichen. Am Flughafen Karlsruhe/Baden–Baden und in Köln streiken nur die Fluggastkontrolleure, in München nur die Personal–, Waren– und Frachtkontrolleure.

Der Hauptstadtflughafen BER, der Stuttgarter sowie der Hamburger Flughafen verwiesen auf ihrer Website darauf, dass „keine Abflüge“ von Passagierflügen möglich seien. In Köln fällt ein Großteil der Flüge aus, am Flughafen Karlsruhe/Baden–Baden wurden laut Website alle Abflüge gestrichen oder umgeleitet.

Passagiere können dort nicht mehr in den Sicherheitsbereich kommen. Betroffen davon sind rund 90.000 Fluggäste auf mehr als 580 abgesagten Flugverbindungen.

Auch am Freitag (15.3.) ruft Ver.di zu Warnstreiks des Sicherheitspersonals auf. Nach Angaben von Verdi–Verhandlungsführer Wolfgang Pieper werde der Streik nach und nach die sechs Flughäfen Hannover, Dortmund, Weeze, Dresden, Karlsruhe/Baden–Baden und Leipzig treffen. Der Flughafen Hannover teilte am Mittwoch mit: „Aus diesem Grund werden am Freitag, dem 15. März 2024 in der Zeit von 0 Uhr bis 12 Uhr keine Abflüge möglich sein. Ankünfte sind nicht betroffen.“

Lokführer der GDL im Streik sorgen für Ausfälle bei der Bahn

Streiks der Deutschen Bahn gehören inzwischen schon fast zum Alltag dazu. Hatten die Lokführer der Gewerkschaft GDL erst in der vergangenen Woche (7./8.3.) ihre Arbeit niedergelegt, folgte der nächste Streik gleich wenige Tage später. Vergeblich hatte die Bahn versucht, diesen per Gericht stoppen zu lassen. Am Montagabend (11.03.) startete der nächste Warnstreik um 18 Uhr mit dem Güterverkehr, am Dienstagmorgen um 2 Uhr folgte dann auch der Personenverkehr, bei dem es an diesem Tag zu massiven Einschränkungen kam.

Weiterhin bleiben die Gespräche zwischen der GDL und der Deutschen Bahn ohne Ergebnis, sodass auch zukünftig mit Streiks zu rechnen ist — teils auch als unangekündigte „Wellenstreiks“. Das wiederum führt zu einer schlechten Planbarkeit für die DB und die Fahrgäste. Ziel sei, dass „die Eisenbahn kein zuverlässiges Verkehrsmittel mehr“ ist, hatte GDL–Chef Klaus Weselsky vor einigen Tagen gesagt.

Im ÖPNV drohen unbefristete Streiks

Doch damit nicht genug. Auch in vielen Bundesländern hatten Warnstreiks zuletzt den ÖPNV lahmgelegt. Ver.di verhandelt derzeit in 14 Bundesländern mit den Verkehrsunternehmen über neue Tarifverträge. In Baden–Württemberg waren diese zuletzt gescheitert, sodass die Gewerkschaftsmitglieder dort über unbefristete Streiks abstimmen. Die Urabstimmung beginne am 18. März und dauere vier Wochen. Zwar sind akut keine Warnstreiks geplant, wenn 75 Prozent der Befragten zustimmten, seien sie aber unbefristet möglich.

Betroffen von der Auseinandersetzung ist der öffentliche Personennahverkehr in Stuttgart, Karlsruhe, Heilbronn, Freiburg, Baden–Baden, Esslingen und Konstanz. Der Arbeitskampf hatte den ÖPNV dort bereits mehrmals weitgehend lahmgelegt.

Streiks wegen mehr Lohn auch an Unikliniken

Außerhalb von Lufthansa und Bahn gab es zu Beginn der Woche auch Streiks an den Unikliniken in Baden–Württemberg. Ärztinnen und Ärzte gingen am Montag (11.03.) auf die Straße und forderten mehr Geld sowie neue Schichtregelungen.