Analyse zur Bundestagswahl
: Schwacher Scholz, abgestrafte FDP – fünf Lehren des Wahlabends

ReportageDie CDU gewinnt, doch Friedrich Merz kann laut einer Analyse nur bedingt überzeugen – und das wichtigste Thema für die Wähler ist nicht die Migration. Eine Analyse des Wahlabends.
Von
Moritz Clauß
Mannheim
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Bundestagswahl - Auszählung Briefwahl: 23.02.2025, Baden-Württemberg, Stuttgart: Stimmzettel der Briefwahl für die Bundestagswahl werden im Schwabenzentrum ausgezählt. Am Sonntag fand die vorgezogene Wahl zum 21. Deutschen Bundestag statt. Foto: Bernd Weißbrod/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Stimmzettel der Briefwahl für die Bundestagswahl werden in Stuttgart ausgezählt.

Bernd Weißbrod/dpa
  • Die CDU gewinnt die Bundestagswahl 2025; Merz kann nur bedingt überzeugen.
  • Schwacher Scholz und FDP-Absturz: SPD verliert wegen Ampel-Frust.
  • AfD-Wähler unterstützen vor allem die Asylpolitik der Partei.
  • Hauptthema für Wähler: "Frieden und Sicherheit" vor Wirtschaft und Gerechtigkeit.
  • 69% sehen AfD als Gefahr für die Demokratie; nur rund 25% befürworten ihre Regierungsbeteiligung.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Die Union hat die Bundestagswahl 2025 gewonnen – soviel lässt sich schon am frühen Sonntagabend sagen. Vieles andere ist weniger klar, etwa die Fragen, ob FDP oder BSW den Sprung über die Fünf-Prozent-Hürde schaffen. Das Institut Forschungsgruppe Wahlen hat nach der Schließung der Wahllokale eine erste Wahlanalyse veröffentlicht. Das sind die wichtigsten Aspekte daraus:

1. Die SPD verliert – auch wegen Olaf Scholz

„Hauptgründe für das SPD-Fiasko sind ein historisch schwacher Kanzler, Defizite bei den Top-Themen Wirtschaft und Migration und die miserable Bilanz der rot-grün-gelben Bundesregierung“, schreibt die Forschungsgruppe Wahlen in ihrer Analyse. Die anderen Parteien hätten vom Ampel-Frust profitiert. Dabei seien für den Erfolg der CDU/CSU vor allem die Stimmen der älteren Menschen ausschlaggebend. Laut der ARD waren bei jungen Wählerinnen und Wählern vor allem die Linkspartei und die AfD erfolgreich. CDU-Kanzlerkandidat Friedrich Merz konnte der Forschungsgruppe Wahlen zufolge nur bedingt überzeugen – trotzdem reicht es für ihn und die CDU/CSU zum Wahlsieg.

2. Die Wählerschaft der AfD steht hinter den Positionen der Partei

Immer wieder heißt es, die AfD spreche besonders häufig Protestwählerinnen und Protestwähler an. Die Forschungsgruppe Wahlen kommt zu einem anderen Ergebnis. Sie zeigt in einer Umfrage: 68 Prozent der AfD-Wähler geben an, die rechtspopulistische Partei wegen ihrer politischen Forderungen zu wählen. Nur für 29 Prozent stehe hinter der Wahlentscheidung der Wunsch nach einem „Denkzettel“. Das wichtigste Wahlmotiv der AfD-Wähler: die Asylpolitik.

3. „Frieden und Sicherheit“ ist für die Deutschen das wichtigste Wahlmotiv

Wochenlang wurde im Wahlkampf vor allem über Migrationsfragen gestritten. Die Forschungsgruppe Wahlen hält fest, dass es für die Wählerinnen und Wähler deutlich wichtigere Themen gibt. An der Spitze liegt demnach mit 51 Prozent das Theme „Frieden und Sicherheit“. Dahinter folgen: Wirtschaft (40 Prozent), Soziale Gerechtigkeit (34 Prozent). „Flüchtlinge und Asyl“ sei für 28 Prozent der Befragten das wichtigste Thema für die Wahlentscheidung, „Rente“ und „Klimaschutz“ liegen abgeschlagen bei 22 bzw. 20 Prozent.

4. Die FDP hat den heftigsten Image-Einbruch

Das Ansehen einer Partei kann mit der Zeit zu- oder abnehmen. Der Forschungsgruppe Wahlen zufolge hat sich das Image der Ampel-Parteien im Vergleich zur vergangenen Bundestagswahl verschlechtert. Die FDP sticht dabei laut der Wahlanalyse negativ hervor: 44 Prozent der Befragten finden, dass sie „hauptsächlich Schuld am Scheitern der Ampel“ ist. Die Liberalen müssen am Wahlabend um den erneuten Einzug in den Bundestag bangen. Wenn sie an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern, ist das eine große Niederlage für Parteichef Christian Lindner.

5. Die große Mehrheit will nicht, dass die AfD mitregiert

Verschiedene AfD-Politikerinnen und -Politiker werden auch am Wahlabend nicht müde, zu betonen, die Union könne mit ihnen migrationspolitische Ziele umsetzen. Nach aktuellen Hochrechnungen kommt die AfD bei der Bundestagswahl auf um die 20 Prozent der Stimmen. Im Umkehrschluss bedeutet das: 80 Prozent haben eine andere Partei gewählt. Laut der Forschungsgruppe Wahlen sehen 69 Prozent der Befragten die AfD als Gefahr für die Demokratie. Nur ein Viertel glaube, „dass ein Mitregieren der AfD zu besserer Politik führen würde“.

Wahlanalyse: Rund 50.000 Menschen befragt

Die Zahlen der Forschungsgruppe Wahlen basieren auf einer Umfrage. Dabei wurden 1520 Wahlberechtigte in Deutschland in der Woche vor der Wahl befragt – telefonisch oder online. Außerdem wurden am Wahltag 49.469 Wählerinnen und Wähler befragt.