Die türkische Regierung hat am 20. November, einen Teil-Lockdown verhängt. Wegen steigender Corona-Zahlen ließ Präsident Erdogan unter anderem Restaurants und Cafés schließen. Außerdem gelten am Wochenende nächtliche Ausgangsbeschränkungen.
Von freitags um 20 Uhr bis sonntags um 10 Uhr vormittags gibt es eine generelle Ausgangssperre. An normalen Werktagen dürfen über 65-Jährige nur zwischen 10 und 13 Uhr ihre Wohnungen verlassen, unter 20-Jährige hingegen lediglich von 13 bis 16 Uhr. Restaurants und Cafés dürfen nur noch Liefer- und Abholservices anbieten. Nicht lebensnotwendige Geschäfte sind im Normalfall geschlossen – bis auf wichtige Dienstleister wie Frisöre. Die Schulen laufen bis mindestens Ende des Jahres nur noch per Fernunterricht. Unterdessen hat die Türkei 10 Millionen Dosen eines neuen chinesischen Corona-Impfstoffs geordert.

Göppingen

Corona in der Türkei: Warnschild am Haus von Infizierten

Darüber hinaus sollen je nach Provinz und Lage offenbar an Häusern mit Corona-Fällen Warnhinweise angebracht werden, schreibt die deutsche Online-Ausgabe der Tageszeitung „Hürriyet“. Das Betreten für Außenstehende soll in diesem Fall verboten sein, heißt es.
Laut Hürriyet denkt die Regierung denkt über noch härtere Corona-Maßnahmen nach, falls die neuen Regeln bis in 15 Tagen nicht wirken. Dann drohen laut Hürriyet Ausgangssperren rund um die Uhr am Wochenende und teilweise wohl auch an Werktagen. An der Türkei hatte es wegen mutmaßlich falscher Corona-Zahlen unterdessen viel internationale Kritik gegeben.

Corona Türkei: Reisewarnung auch für Antalya, Aydin, Izmir und Mugla

Zum 9. November hat das Auswärtige Amt nun eine erneute Reisewarnung für die gesamte Türkei herausgegeben. Für den so genannten sicheren „Reisekorridor“ in die Küstenprovinzen Antalya, Aydin, Izmir und Mugla bedeutet die Entscheidung das Aus. Hingegen soll die Bundesregierung laut internationalen Medienberichten aktuell mit Ländern wie Spanien über Tourismuskorridore für die neue Normalität in Corona-Zeiten verhandeln.
Grund für das vorläufige Ende der Zusammenarbeit mit der Türkei ist weniger eine Häufung von Ansteckungen unter Touristen, sondern eher die Tatsache, dass das Land nur noch Corona-Fälle an die Weltgesundheitsorganisation (WHO) meldet, in denen Infizierte Krankheitssymptome aufweisen. „Dies entspricht nicht den geltenden Richtlinien der WHO, da eine erhebliche Zahl von Infizierten (...) auf diese Weise nicht erfasst werden“, hieß es aus dem Ministerium. Die Bundesregierung hatte im August eine transparente und verlässliche Datenbasis über das Infektionsgeschehen verlangt. Das sieht sie nun nicht mehr als gegeben an.

Sehr hohe Corona-Zahlen in der Türkei

Derweil sind die Infektionszahlen sehr hoch. Der türkische Ärzteverband will aus Regierungskreisen ein Papier erhalten haben, in dem die Zahl der täglichen Corona-Infektionen in Wirklichkeit auf mutmaßlich über 29.000 beziffert wird, während nur ein Bruchteil davon offiziell angeben wird.
An den Corona-Daten in der Türkei waren unter Ärzten und Beobachtern immer mehr ernsthafte Zweifel aufgekommen. Wie es in Medienberichten heißt, soll die Türkei ihre Corona-Zahlen manipuliert haben, indem seit 29. Juli nur noch Erkrankte in der Statistik geführt wurden. Positiv Getestete ohne Symptome fielen unter den Tisch. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte die Türkei daraufhin aufgefordert, die Zahl der Corona-Infektionen „gemäß der entsprechenden WHO-Richtline zu melden, um Datenerfassung und Maßnahmen zu harmonisieren“. So wurde es in einem Statement über den Twitter-Account des türkischen WHO-Büros verbreitet.

5-Tages-Quarantäne seit 9. November für alle Rückkehrer aus der Türkei

Reisen in die Türkei sind derzeit erschwert bis unmöglich. Nicht nur für Touristen, auch für Geschäftsreisende könnten die Reisebeschränkungen das Aus bedeuten. Wie die türkische Zeitung Hürriyet schreibt, sehen die Maßnahmen vor, dass alle Reiserückkehrer aus Risiokoländern – auch aus der Türkei – in eine 5-Tages-Quarantäne gehen müssen, bis überhaupt ein Test gemacht werden kann. Im vergangenen Jahr waren noch etwa fünf Millionen Touristen aus Deutschland in die Türkei gereist.
Auch wenn die Reisewarnung für die Türkei im August gelockert worden war, galt das Land weiterhin  als Risikogebiet. Das allgemein feindselige diplomatische Klima zwischen dem Westen und der Türkei dürfte ebenfalls nicht gerade zu einer Verlängerung des Tourismusprotokolls für ausgewählte Regionen beigetragen haben.

Offiziell genannte Corona-Zahlen in der Türkei

  • Täglich über 6000 neue Covid-19-Erkrankungen (zzgl. asymptomatische Infektionen)
  • Mindestens 139 Corona-Tote in den letzten 24 Stunden
  • Mindestens 4000 Schwerkranke mit aktiver Corona-Infektion
  • Fast 12.500 Todesfälle seit Beginn der Pandemie
  • Etwa 450.000 Erkrankte seit März
  • Stand: 24. November, 13.48 Uhr
  • Quelle: Hürriyet