Kurz vor den Herbstferien ist die Unsicherheit groß: Reiserückkehrer aus Risikogebieten haben aktuell noch die Möglichkeit, sich mit einem Corona-Test gleich nach der Ankunft oder sogar in den letzten 48 Stunden vor dem Rückflug von einer 14 Tage langen Quarantäne in Deutschland zu befreien. Doch damit ist bald Schluss, denn Bund und Länder haben sich auf 5 Tage Mindestquarantäne geeinigt, bevor überhaupt ein Test absolviert werden kann.

Bundespolizei kontrolliert Aussteigekarten

Zudem sollen die so genannten „Aussteigekarten“ aus dem Flugzeug verstärkt von der Bundespolizei kontrolliert werden, und Reisende müssen künftig ihre Daten auch online angeben, damit die lokalen Ordnungsämter und Gesundheitsbehörden sie nachprüfen können. Der Bund arbeitet derzeit an einer Rahmenverordnung, die bis 15. Oktober fertig sein könnte.

BW will verschärfte Quarantäne ab 15. Oktober

Allerdings gibt es zwischen den Bundesländern offenbar noch Uneinigkeit darüber, wann die neuen Corona-Regeln für Reisende in Kraft treten sollen. Einige peilen den 15. Oktober an, andere erst den 1. oder 2. November, wurde berichtet. Baden-Württemberg hat es mit der Zwangsquarantäne nach dem Urlaub recht eilig: „Eher der 15. Oktober“, hieß es auf Anfrage aus dem Sozialministerium. Die Rahmenverordnung des Bundes liege aber noch nicht vor, und eine genaue Terminplanung sei daher nicht möglich, so eine Sprecherin.

Damoklesschwert für Urlaub in den Herbstferien

Herbstferien in Tirol und Vorarlberg oder auf Mallorca und den Kanaren wären somit für Badener und Württemberger weiter erschwert, da diese bei teilweise deutlich sinkenden Infektionszahlen Anfang Oktober nach wie vor als Risikogebiete galten. Die TUI will wegen großer Nachfrage indes trotz Reisewarnung wieder Pauschalreisen nach Teneriffa oder Gran Canaria anbieten.

Soll die Post die Quarantäne kontrollieren?

Technische Probleme könnten das Vorhaben von Bund und Ländern indes beeinträchtigen. Laut Medienberichten sind die IT-Systeme nicht für einen Datenaustausch zwischen den Behörden ausgerüstet. Zur Übermittlung von Reisedaten war daher auch ein umständliches Identifzierungsverfahren über die Deutsche Post AG im Gespräch. Keiner weiß bisher genau, wie es eigentlich aussehen könnte. Denkbar wäre zum Beispiel, dass die Anwesenheit zu Hause durch den Briefträger kontrolliert wird, indem man eine Postident-Karte ausfüllt, wie es bei der Eröffnung von Bankkonten üblich ist.
Reisewarnung Risikogebiete 1. Oktober Willkür bei deutschen Reisewarnungen?

Berlin

Eingeschränkte Lohnfortzahlung für Rückkehrer aus Risikogebieten?

Entgehen könnte man einem solchen Verfahren allerdings mit einem Flug über Zürich oder bei einer Fahrt mit dem Auto schlicht und einfach durch illegales Unterlassen der Rückmeldung bei den Behörden. Außerdem sind Aufenthalte unter 48 Stunden von der Quarantänepflicht ausgenommen, und es weiß ja niemand, wie lange man denn wo war.
Je strenger und unpraktikabler die neuen Corona-Regeln ausfallen, desto schwerer dürfte auch ihre Durchsetzung werden. Laut „Bild“ ist aktuell übrigens auch eine Einschränkung der Lohnfortzahlung nach Aufenthalten in Risikogebieten im Gespräch. Einen entsprechenden Gesetzentwurf soll es bereits geben. Beobachter befürchten dadurch einen weiteren Anreiz zum Verschweigen von Reisen.

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