50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern und Woche scheinen derzeit das Mantra der deutschen Corona-Politik zu sein. Im April angeblich von Kanzlerin Angela Merkel und Virologe Christian Drosten freihändig so definiert, wirkt sich die „magische Zahl“ nicht nur auf Reisewarnungen in Europa aus, sondern zunehmend auch innerdeutsch.
So verlangt Mecklenburg-Vorpommern für Reisende aus Berlin und potenziell auch Baden-Württemberg oder Bayern neuerdings 14 Tage Zwangsquarantäne, wenn man denn aus einem innerdeutschen „Risikogebiet“ kommt. Das gilt einerseits für Hotels und Ferienunterkünfte, andererseits zum Beispiel auch für Familienbesuche.

Berlin/Ankara

Nach „Einreise“ automatisch Zwangsquarantäne in Mecklenburg-Vorpommern

„Eine Einreise aus einem besonders betroffenen Gebiet ist möglich (Voraussetzung: verbindliche Buchung für mindestens eine Übernachtung in einem Beherbergungsbetrieb in Mecklenburg-Vorpommern sowie negativer Corona-Test; die betroffenen Personen müssen sich aber unverzüglich absondern)“, hieß es auf Anfrage.
„Die Regelung wird seitens der Landesregierung für verfassungskonform gehalten. Klagen diesbezüglich sind nicht bekannt“, so Gunnar Bauer vom Schweriner Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Gesundheit auf Anfrage unserer Redaktion.

„Kein vernünftiger Bezugsrahmen für Wert von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner“

Prof. Stefan Willich vom Institut für Epidemiologie an der Berliner Charité geht unterdessen davon aus, dass es für den Wert von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche „keinen vernünftigen Bezugsrahmen“ gebe. Man solle dabei bedenken, dass inzwischen viel mehr getestet werde als im vergangenen Frühjahr. „Ich denke, das wird in den nächsten Wochen auch auf der Basis von neuen Stichproben und Erhebungen noch einmal anders definiert werden müssen“, sagte Willich der Tageszeitung „Die Welt“. Die EU hatte bereits eine europaweite Vereinheitlichung von Corona-Grenzwerten mit zusätzlichen Parametern ins Gespräch gebracht, was die Bundesregierung, die derzeit den EU-Ratsvorsitz innehat, jedoch bislang souverän ignoriert.

Stuttgart

Mecklenburg-Vorpommern schickt alle Türkei-Reisenden in Zwangsquarantäne

In Mecklenburg-Vorpommern gelten bundesweit mit die strengsten Corona-Vorschriften. Selbst Reiserückkehrer aus den türkischen Provinzen Antalya, Aydin, Izmir und Mugla, für die es im September und Anfang Oktober gar keine Risikowarnung gab, müssen dort schon seit einiger Zeit für mindestens 5 Tage in Zwangsquarantäne, während man sich in vielen anderen Bundesländern derzeit noch durch einen PCR-Test vor dem Heimflug davon befreien kann. Auch anderswo droht die neue 5-Tages-Quarantäne bald in Kraft zu treten.