Eva Högl ist keine Unbekannte im politischen Berlin. Nach elf Jahren im Bundestag und 13 Jahren im SPD-Vorstand ist sie seit drei Jahren die Wehrbeauftragte des Bundestags. In dieser Position ist sie die Ansprechpartnerin der Soldaten und Soldatinnen in der Bundeswehr. Oft wird der Posten auch „Anwalt der Soldaten“ genannt.
Nach einem turbulenten Jahr hat Verteidigungsministerin Christine Lambrecht ihren Rücktritt verkündet. Die Debatte um die Nachfolge lief auf Hochtouren: Als mögliche Nachfolgerin wird Eva Högl gehandelt. Der neue Verteidigungsminister ist nun aber Boris Pistorius (SPD). Wäre sie besser geeignet? Wie war ihre bisherige Laufbahn? Alle Infos zur Wehrbeauftragten hier.

Kinder, Ehemann, Ausbildung: Eva Högl im Steckbrief

  • Name: Eva Alexandra Ingrid Irmgard Anna Högl
  • Alter: 54
  • Geburtstag: 6. Januar 1969
  • Geburtsort: Osnabrück (Niedersachsen)
  • Geschwister: nicht bekannt
  • Ausbildung: Studium der Rechtswissenschaften; Promotion 1997
  • Beruf: Politikerin, Abgeordnete und Wehrbeauftragte (seit 2020)
  • Ehe: Jörg Högl
  • Kinder: keine
  • Twitter: @EvaHoegl

Lebenslauf und Karriere von Eva Högl

Geboren und aufgewachsen ist Eva Högl in Niedersachsen, nicht weit von der Grenze zur Niederlande. Nach dem Abitur begann sie ein Studium in Rechtswissenschaften, das sie letztlich mit einer Doktorarbeit abschließen konnte. Ihre 1997 geschriebene Dissertation behandelte das Thema Arbeit- und Sozialrecht - weshalb sie längere Zeit (1999 bis 2009) für die SPD im Arbeitsministerium gearbeitet hat. Mehrmals in der Vergangenheit wurde der Name Eva Högls als mögliche Arbeitsministerin erwähnt. Das hat sich aber nie verwirklicht.
Schon während des Studiums war Eva Högl in der SPD aktiv. Der Partei trat sie 1987 bei. Sie war zunächst stellvertretende Vorsitzende der Jusos und später auch im SPD-Bundesvorstand. Seit 2009 war sie Abgeordnete im Bundestag. 2020 verzichtete sie auf ihr Mandat, da sie vom Bundestag zur Wehrbeauftragten gewählt wurde. Ihre Nominierung als Wehrbeauftragte wurde damals kritisiert, da sie davor keine besondere Expertise in der Verteidigungspolitik nachweisen konnte. Allerdings genießt sie mittlerweile auch überparteilich Vertrauen wenn es um die Probleme in der Bundeswehr geht. Niemand bestreitet, dass sich Högl die Fachkompetenz schnell und umfangreich erarbeitet hat.

Eva Högl als Wehrbeauftragte

Als Wehrbeauftragte verwies Högl schon früh auf die massiven Ausrüstungsmängel in der Truppe, setzte sich für einen höheren Frauenanteil in der Bundeswehr ein und forderte ein entschiedeneres Vorgehen gegen rechtsextremistische Soldatinnen und Soldaten.
Eine Kontroverse löste sie kurz nach ihrem Amtsantritt im Juli 2020 aus. Sie bezeichnete es als "Riesenfehler, dass die Wehrpflicht ausgesetzt wurde". Högl begründete dies mit der Befürchtung, "dass sich Rechtsextremismus in einer Berufsarmee stärker entwickelt als in einer Wehrpflichtarmee". Ablehnung zu Högls Vorstoß kam postwendend nicht nur von der damaligen CDU-Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer, sondern auch von Grünen und FDP.
Högl hat alle Standorte der Bundeswehr besucht und viel Zeit auf Gespräche mit Soldaten verwendet. Sie sagte vor kurzem noch: „100 Tage im Jahr, also ein Drittel des Jahres, bin ich unterwegs.“ Sie kritisiert das Verteidigungsministerium und die Verteidigungspolitik der vergangenen Jahre. „Wir reden sehr viel über Material, aber der Knackpunkt ist das Personal, die Bundeswehr besteht zuallererst aus 182 000 Soldatinnen und Soldaten“, sagt sie. Sie erlebe die Bundeswehr als sehr belastet. Högl: „Im Jahresbericht der Wehrbeauftragten steht seit Jahren: 20 000 Dienstposten sind nicht besetzt und an vielen Stellen ist nicht die richtige Person zur richtigen Zeit auf dem richtigen Dienstposten.“
Eva Högl hat sich dafür eingesetzt, dass die Bundeswehr deutlich mehr als 100 Milliarden Euro Sondervermögen bekommt. „Wir erheben keine eigenen Zahlen, aber von Expertinnen und Experten sowie aus der Truppe höre ich: Man bräuchte 300 Milliarden Euro, um in der Bundeswehr signifikant etwas zu verändern. Das scheint mir nicht aus der Luft gegriffen zu sein“, sagte die SPD-Politikerin der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“.

Eva Högl privat: Ehemann ist Architekt

Obwohl Eva Högl aus Niedersachsen kommt ist sie Jahren Wahlberlinerin. Ihr Wahlkreis ist Berlin-Mitte. Sie ist verheiratet mit dem Architekten Jörg Högl, der viele Wohnhäuser in Berlin konzipiert hat. Gemeinsam wohnt das Ehepaar in Berlin-Wedding. Sie haben keine Kinder.