In Österreich hat die Zahl der täglichen Neuinfektionen mit dem Coronavirus einen neuen Höchstwert erreicht. Binnen eines Tages wurden laut Innenministerium 4453 neue Fälle verzeichnet. Unter Berücksichtigung der Einwohnerzahl ist die Entwicklung damit deutlich schlechter als in Deutschland. Auch die Auslastung der Klinikbetten stieg markant an.
„Die Ultima-Maßnahme ist ein zweiter Lockdown“, sagte Bundeskanzler Sebastian Kurz zum Nationalfeiertag am Montag, 26. Oktober. „Je höher die Ansteckungszahlen sind, desto restriktivere Maßnahmen braucht es“, so Kurz.
Im Interview mit „Puls 24“ nannte der Kanzler eine Schwelle von 6000 Neuinfektionen am Tag, bei der er einen Lockdown für unvermeidbar hält. In der benachbarten Schweiz mit einer ähnlichen Einwohnerzahl wie Österreich sind derart hohe Corona-Zahlen bereits erreicht. Seine Entscheidung wolle Kurz offenbar auch vom Rat der Virologin Elisabeth Puchhammer-Stöckl abhängig machen, um eine Überlastung der Intensivstationen zu vermeiden, wurde berichtet. Zudem hat der steirische Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer (ÖVP) gegen Corona nun auch Polizeimaßnahmen in Privaträumen ins Gespräch gebracht. Der grüne Gesundheitsminister Rudolf Anschober ist jedoch dagegen.
Markus Söder Corona-Gipfel „Lockdown näher als viele glauben“

München

Corona-Lockdown und Rechtsstaat in Österreich

Ein erneuter Lockdown könnte auch im gesellschaftlich relativ autoritär tickenden Österreich an die Grenzen von Verfassung und Rechtsstaat stoßen. Juristische Berater der Regierung sehen einen Lockdown laut Medienberichten an eine Überlastung des Gesundheitssystems gebunden. Ein Kollaps wird dann befürchtet, wenn 800 von 2000 Intensivbetten im Land belegt sind – also 40 Prozent.
Laut einem von der Zeitung „Kurier“ beschriebenen Szenario aus Regierungskreisen dürfte es ab etwa 6000 Neuinfektionen pro Tag in diese Richtung gehen. Nur falls die zuletzt ergriffenen Maßnahmen wie eine Verschärfung der Maskenpflicht Erfolg zeigen, hält Kurz einen Lockdown angeblich noch für vermeidbar. Gesundheitsminister Anschober sah Österreich nach eigenen Worten noch „weit entfernt“ von einem Lockdown, könnte möglicherweise aber schon schnell von der Realität überholt werden, wenn es so weiter geht wie in den letzten Wochen.

Wie hart wäre ein Corona-Lockdown in Österreich?

Zudem war in den letzten Wochen mehrfach die Rede von einem möglichen „Lockdown light“ in Österreich. Bereits am Samstag, 24. Oktober, war in Österreich mit 3614 Fällen ein Corona-Höchststand zu verzeichnen gewesen. An der Grenze zwischen Deutschland und Österreich gelten Sonderregeln für Berufspendler, die Bayern jedoch seit Kurzem zu einem wöchentlichen Coronatest zwingt, was sowohl den Grenzverkehr als auch die Wirtschaft beeinträchtigt, etwa im Montage- und Außendienstbereich. Vorarlberger dürfen neuerdings ohne Quarantäne für maximal 24 Stunden nach Baden-Württemberg fahren – etwa zum Einkaufen.
Die Corona-Politik in Österreich wird von Beobachtern kritisiert, weil der harte Lockdown mit radikalen Grenzschließungen und Kontaktverboten im Frühjahr mittelfristig offenbar nicht die gewünschten Erfolge brachte. Nach den Lockerungen im Sommer soll dass Contact-Tracing dann sehr lax gehandhabt worden sein. Kritik gibt es auch an den Vorbereitungen für die Skisaison in Österreich, bei der im Extremfall ein „zweites Ischgl“ drohen könnte.
Corona Österreich Skisaison Droht in Österreich ein zweites Ischgl?

Innsbruck

Das ist die Corona-Inzidenz in den Bundesländern in Österreich:

  • Burgenland: 227,3
  • Kärnten: 123,5
  • Niederösterreich: 199,4
  • Oberösterreich: 303,4
  • Salzburg: 311,9
  • Steiermark: 199,1
  • Tirol: 376,6
  • Vorarlberg: 346,7
  • Wien: 259,3
  • Österreich gesamt: 254,4