Corona Österreich Skisaison
: Droht in Österreich ein zweites Ischgl?

Warum die Skisaison in Österreich ziemlich gefährlich werden könnte und bisher kaum Corona-Maßnahmen ergriffen wurden.
Von
Michael Maier
Innsbruck
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Nicht überall in den Liften in Österreich wird so viel Corona-Abstand gehalten.

dpa / Leandre Duggan

Noch vor Kurzem hatte Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz ein vermeintlich sicheres Corona-Konzept für einen Winter ohne Après Ski und mit großen Sicherheitsabständen vorgestellt. Richtig zu funktionieren scheint das bisher nicht, wie auf Bildern vom Auftakt der Gletschersaison zu sehen ist.

Auf einem Video aus Hintertux ist zu sehen, wie die Skifahrer dicht an dicht an der Bahn anstehen. Es ist offenbar keinerlei Security vor Ort, und auf dem Boden sind keine Markierungen zum Abstandhalten zu sehen. Österreichische Medien beschönigen die Situation und schieben die Probleme auf „Undiszipliniertheit“, während gleichzeitig immer mehr Fragen nach den Sicherheitskonzepten aufkommen. Vor allem an sonnigen Tagen kann es in den Gletscher-Skigebieten in Österreich sehr voll werden: „Es gibt niemanden, der verhindert, dass sich ungeduldige Skifahrer doch noch in die Gondel quetschen. Ein über die Nase gezogener Schal reicht zur Erfüllung der Maskenpflicht, Gondeln werden kaum belüftet“, bereichtete ein Skisportler der Tageszeitung „Der Standard“.

Gondeln und Kabinenbahnen in Österreich teils voll besetzt

Offenbar ist in Liften, Gondeln oder Kabinenbahnen noch nicht einmal eine Kapazitätsreduzierung vorgesehen, da man ja ohnehin eine Maske tragen muss. Dies im Widerspruch zu wissenschaftlichen Erkenntnissen, nach denen sowohl ein Abstand von 1,5 Metern als auch ein Mund-Nasen-Schutz empfohlen wird.

Man sei öffentlichen Verkehrsmitteln gleichgestellt, heißt es von Liftbetreibern in den Skigebieten. Eine Pflicht zur Entzerrung der Kapazitäten gebe es nicht, heißt es auf der Seite der Tiroler Zugspitzbahn. Allerdings befülle man die Kabine auf freiwilliger Basis nur zu 60 Prozent und könne „bei Bedarf“ den Takt erhöhen. Ob dies angesichts hoher Energiekosten und gleichzeitig sinkender Einnahmen tatsächlich so gehandhabt wird, ist die große Frage. Unterdessen gehen Experten davon aus, dass das Infektionsrisiko an der frischen Luft niedriger ist als etwa in einer Gondel. Am sichersten dürften offene Sessellifte sein, in denen nicht jeder Platz besetzt ist.