In der brasilianischen Hauptstadt Brasilia haben am 8. Januar 2023 mehrere hundert Anhänger von Jair Bolsonaro den Kongress gestürmt. Am Abend (Ortszeit) war die Lage wieder unter Kontrolle, mindestens 200 Personen wurden festgenommen. Verantwortlich waren radikale Anhänger des Ex-Präsidenten Jair Bolsonaro, der Anfang des Jahres vom linksgerichteten Politiker Lula da Silva abgelöst wurde. Die rechtsradikalen Anhänger erkennen Lula aber nicht als Präsidenten an und wollen, dass er abgesetzt wird.
In all den Ereignissen ist eine Person auffällig abwesend gewesen: Jair Bolsonaro selbst. Wo ist der ehemalige Präsident also?

Wo ist Bolsonaro? Rechtspopulist mit seiner Familie im Ausland

Schon wenige Tage vor dem Ende seiner Amtszeit ist Jair Bolsonaro mit seiner Familie ausgereist. Er ist Medienberichten zufolge aktuell in Florida, USA. Er ist wohl auf Anraten seiner Anwälte in die USA gereist, um sich vor strafrechtlichen Ermittlungen zu schützen. Er befindet sich nur wenige Kilometer von Mar-a-Lago entfernt, wo sein Verbündeter Donald Trump wohnt und arbeitet. Vor seiner Ausreise plante er, mindestens einen Monat in Orlando, Florida zu bleiben. Möglicherweise ändern sich seine Pläne jetzt aber.
Vor seinem Abflug rief Bolsonaro seine Anhänger zum Kampf gegen Lula auf. Auf Twitter erklärte Bolsonaro am Sonntagabend, dass sich die Überfälle und Plünderungen von friedlichen Demonstrationen unterscheiden und „nicht der Regel entsprechen“ würden.

Politiker in den USA wollen Bolsonaro ausweisen

Schon wenige Stunden nach der Erstürmung der brasilianischen Parlamentsgebäude haben erste US-Politiker reagiert. Die linke Politikerin Alexandria Ocasio-Cortez forderte die Ausweisung von Bolsonaro nach Brasilien. „Die USA müssen aufhören, Bolsonaro in Florida Zuflucht zu gewähren“, forderte sie auf Twitter. Andere Politiker schlossen sich der Forderung an. US-Präsident Joe Biden hat sich zur Ausweisung noch nicht geäußert.

Was wollen die Anhänger von Jair Bolsonaro erreichen?

Am Tag nach dem Aufstand in der brasilianischen Hauptstadt haben die Sicherheitsbehörden rund 1200 Menschen festgenommen. Jetzt wird wohl für Brasilien eine Zeit der Aufarbeitung folgen müssen. Doch was wollten die Anhänger des Ex-Präsidenten Bolsonaro erreichen? Hier erklären wir die Hintergründe zu den Unruhen.