Für viele fühlte es sich nach einem Déjà Vu an: Am 8. Januar 2023 erstürmen rechtsextreme Anhänger eines abgewählten Präsidenten das Landesparlament. Nur diesmal nicht in den USA, sondern in Brasilien. Anhänger des Ex-Präsidenten Jair Bolsonaro haben für einige Stunden die Kontrolle über den Kongress übernommen, das Gebäude geplündert und Möbel zerstört. Der Rechtspopulist hat auf Twitter die Unruhen verurteilt – und lehnt jeglichen Zusammenhang zwischen ihm und dem Aufstand ab.
Die Sicherheitsbehörden haben mittlerweile wieder vollständig die Kontrolle über das Parlamentsgebäude. Etwa 200 Personen wurden festgenommen. Nun werden die Hintergründe aufgeklärt. Was wollten die Anhänger Bolsonaros erreichen?

Unruhen in Brasilien: Bolsonaro-Anhänger wollen Haft für Lula

Die rechtsextremen Anhänger von Ex-Präsident Jair Bolsonaro sind getrieben von mehreren Faktoren. Zum einen sind sie wütend über die verlorene Wahl im Herbst 2022. Der Wahlausgang bei der Präsidentenwahl zwischen Lula da Silva und Bolsonaro war äußert knapp – und die Bolsonaro-Anhänger wittern Wahlbetrug. Sie erkennen den Wahlsieg Lulas nicht an. Das ist sehr ähnlich wie in den USA nach der Wahlniederlage von Ex-Präsident Donald Trump – nur hat Bolsonaro am Ende tatsächlich seine Niederlage anerkannt. Trump tut das bis heute nicht.
Doch ist Bolsonaros Niederlage nicht der Fokus der Randalen in Brasilia. Wie Katy Watson, Reporterin für das britische Nachrichtenportal BBC News schreibt, spielt der Ex-Präsident weniger eine Rolle, wie man meinen würde. Vielmehr wollen sie Präsident Lula in Haft sehen und nicht im Palast des Präsidenten. Der war nämlich kurz vor seiner Wiederwahl im Gefängnis: 2018 wurde er eigentlich wegen Korruption zu 12 Jahren Haft verurteilt. Lula wurde beschuldigt, Geldsummen in Höhe von umgerechnet über eine Million Dollar in Form von Bauarbeiten in seinem Appartement im Gegenzug für vermittelte Geschäftskontakte erhalten zu haben. Lula bestritt alle Anschuldigungen. Seine Anhänger sprachen von einem politisch motivierten Verfahren, das ihn davon abhalten solle, bei den Wahlen 2018 erneut für die Präsidentschaft zu kandidieren. Sie bezeichneten ihn als den ersten politischen Gefangenen seit der Militärdiktatur. Im März 2021 wurden die Anklagen gegen Lula aufgehoben, da das Gericht, das die Prozesse um Lula geführt hatte, dafür nicht zuständig gewesen sei. Die Urteile wurden also aus prozessualen Gründen aufgehoben. Lula wurde nicht freigesprochen.

Bolsonaro-Anhänger wollen Militärdiktatur zurück

Auf der einen Seite wirkt die Wut der Bolsonaro-Anhänger also durchaus begründet. Allerdings sind sie auch von anderen Dingen getrieben, die fernab von der Realität sind. Da ist die falsche Behauptung, bei der Präsidentenwahl sei betrogen worden. Dafür hat es aber keine Hinweise gegeben. So sind viele von ihnen aber auch der Meinung, dass Lula da Silva ein Kommunist sei (ist er nicht) – und das ist einer der Hauptgründe für den Aufstand. Sie wollen, dass das Militär ihn absetzt und wieder die Kontrolle über das Land übernimmt. Zwischen 1964 und 1985 regierte eine Militärdiktatur das Land – und viele Bolsonaro-Anhänger wünschen sich diese Diktatur zurück. Sie würden sie aber nicht als Diktatur bezeichnen. Sie sagen, das Militär habe das Land unter Kontrolle gehabt und die Wirtschaft nach vorne gebracht. Sie leugnen viele Aspekte der Terrorherrschaft unter der militärischen Führung.