Trotz des verlängerten Teil-Lockdowns ist noch keine Trendwende bei den Corona-Zahlen in Deutschland zu erkennen. „Die Lage bleibt weiter sehr angespannt“, sagte RKI-Präsident Lothar Wieler am Donnerstag in Berlin. Ausbrüche in Alten- und Pflegeheimen bereiteten große Sorgen. Ziel bleibe, „die Infektionen auf ein Level zu senken, mit dem wir alle umgehen können“.
Gerade mit Blick auf Weihnachten und Silvester und vor dem Hintergrund verschärfter Hotspot-Regeln blicken dieser Tage viele Menschen in Deutschland daher besonders aufmerksam auf die Entwicklung der Corona-Zahlen.
Wie also steht es heute um das Infektionsgeschehen in Deutschland? Wie viele Neuinfektionen gibt es? Wie viele Tote und Genesene? Das Robert-Koch-Institut (RKI) hat die aktuellen Fallzahlen bekanntgegeben.

Corona Deutschland aktuell: Das sind die Fallzahlen am Freitag, den 4.12.2020

Jeden Tag werden die neuen Corona-Zahlen auf dem Dashboard des RKI bekanntgegeben. Dabei bezieht sich das Institut auf die Werte, die von den Gesundheitsämtern gemeldet werden. Das sind die Corona-Zahlen am Freitag, 4.12..20, im Detail:
  • Neuinfektionen: Laut RKI-Angaben haben sich deutschlandweit mindestens 23.449 Personen neu mit dem Coronavirus infiziert. Zum Vergleich: Am gestrigen Donnerstag waren es 22.046 neue Infizierte. Am Mittwoch waren es 17.200, am Dienstag 13.600. Am Freitag der Vorwoche, dem 27.11.2020, hatte es mehr als 22.800 Neuinfektionen binnen 24 Stunden. Nach Angaben von „Zeit Online“ gibt es heute 23.210 Neuinfektionen, was nach den Meldezahlen der Gesundheitsämter 1078 Neuinfektionen mehr als in der Vorwoche waren. Die Zahlen von Zeit Online basieren auf den direkten Angaben aus den Landkreisen. Sie sind weniger als die Statistiken des Robert Koch-Instituts von verzögerten Meldeketten betroffen und können deshalb abweichen
  • Bestätigte Neuinfektionen in den letzten sieben Tagen: Wie „Zeit Online“ berichtet, registrierten die Ämter 123.471 neue Fälle in den letzten sieben Tagen.
  • Infizierte: Die Gesamtzahl der Infektionen seit Beginn der Pandemie in Deutschland beträgt laut jüngsten Werten des RKI 1.130.238 Fälle.
  • Tote: Die Zahl der Menschen, die mit oder an einer Corona-Infektion gestorben sind, liegt bei 18.034. Das sind 432 Tote mehr als am Vortag und bedeutet einen weiterhin sehr hohen Wert. Am Mittwoch waren binnen eines Tages 487 Tote gemeldet worden - das war ein neuer Rekord seit Beginn der Pandemie.
  • Genesene: Die Zahl der Genesenen beläuft sich laut RKI auf etwa 820.600.
  • R-Wert: Das RKI gibt in seinem aktuellen Lagebericht ein so genanntes Sieben-Tage-R an. Dieser Wert bezieht sich auf einen längeren Zeitraum und unterliegt daher weniger tagesaktuellen Schwankungen. Das sogenannte Sieben-Tage-R lag laut RKI-Lagebericht vom Sonntagabend bei 0,94 (Vortag: 0,89). Der Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen vor 8 bis 16 Tagen ab. Liegt der Wert für längere Zeit unter 1, flaut das Infektionsgeschehen ab.

Corona in den Bundesländern: Aktuelle Infektionszahlen

Wie viele Infizierte gibt es heute in den einzelnen Bundesländern? Das Dashboard des RKI weist auf seiner interaktiven Karte auch die Corona-Zahlen für einzelne Bundesländer aus. Die Angaben werden täglich um 0 Uhr aktualisiert.

Inzidenz und Neuinfektionen - Die wichtigsten Kennziffern der Corona-Pandemie erklärt

Das Robert Koch-Institut (RKI) erfasst kontinuierlich die aktuelle Corona-Lage für Deutschland, bewertet nach eigenen Angaben auf der Homepage „alle Informationen und schätzt das Risiko für die Bevölkerung in Deutschland ein“. Zudem stellt das RKI Empfehlungen für die Fach­öffentlich­keit zur Verfügung wie Fallzahlen und Informationen zu allgemeinen Infektionsschutzmaßnahmen, Diagnostik und Teststrategie und Prävention in Gesundheitseinrichtungen.
Seit Beginn der Pandemie werden jeden Tag Zahlen veröffentlicht, die den Verlauf nachzeichnen sollen. Hier die Erklärung, welche Zahlen was bedeuten.
In seinem Dashbaord weist das RKI jeden Tag die aktuellen Corona-Zahlen für Deutschland aus.
In seinem Dashbaord weist das RKI jeden Tag die aktuellen Corona-Zahlen für Deutschland aus.
© Foto: Screenshot; Quelle: RKI

Reproduktionszahl (R-Wert)

Die Reproduktionszahl - oder kurz R-Wert - beschreibt, wie viele Menschen ein Infizierter während seiner Erkrankung ansteckt. Liegt die Zahl über eins, breitet sich eine Krankheit immer weiter in der Bevölkerung aus. Je weiter sie sich von der eins entfernt, desto schneller und bedrohlicher verläuft der Trend. Dabei handelt es sich aber immer nur um eine pauschale bundesweite Lageeinschätzung.
Es gibt außerdem gewisse Ungenauigkeiten durch Meldeverzüge und andere Faktoren. In Deutschland schwankt der Wert nach Schätzungen des RKI derzeit um eins. Nach Angaben der Experten dort gilt das schon als Erfolg und weist darauf hin, dass Gegenmaßnahmen zur Kontaktreduzierung wirken. Diese verringern die Chance, dass ein Infizierter weiterer Menschen ansteckt und drücken so den R-Wert. Sonst könnte dieser durchaus bei drei oder vier liegen.

Neuinfektionen

Der R-Wert allein sagt nicht unbedingt etwas aus über die Dramatik der gesamten Entwicklung. Sie ergibt sich erst aus der Kombination mit der Zahl der täglichen oder wöchentlichen Neuinfektionen. Der Grund ist einfach: Bei gleichem R-Wert macht es einen gewaltigen Unterschied, ob täglich 50.000 Ansteckungen hinzukommen oder einige hundert. Die Ausbreitungsdynamik ist theoretisch gleich, belastet die Kapazitäten der Gesundheitssysteme im Fall der höheren Zahlen allein durch die schiere Masse aber mit wesentlich größerer Wucht.
In Deutschland bewegt sich die Zahl der täglichen Neuinfektionen inzwischen zwischen 12.000 und 23.000 Fällen. Das ist ein extremer Anstieg in relativ kurzer Zeit. Noch Anfang Oktober lag die Zahl der täglich neu gemeldeten Fälle laut RKI bei nur tausend bis 4000. In anderen europäischen Ländern ist die Entwicklung noch dramatischer.

Siebentage-Inzidenz

Die sogenannte Siebentageinzidenz ist ein zentraler Maßstab, um die Infektionsdynamik in einem bestimmten Gebiet zu beurteilen und über Gegenmaßnahmen zu entscheiden. Sie wird in Deutschland auf Gemeinde- oder Landkreisebene erfasst und drückt aus, wie viele Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den zurückliegenden sieben Tagen registriert wurden. Bundesweit liegt sie inzwischen bei 139.
Dahinter verbergen sich aber regional unterschiedliche Trends. Als wesentliche Schwelle zur Einführung strengerer Eindämmungsmaßnahmen wurde in Deutschland ein Inzidenzwert von 50 eingeführt, der inzwischen fast flächendeckend aber deutlich überschritten wurde.

Schwere Verläufe und Intensivbettenbelegung

Letztlich entscheiden nicht die Fallzahlen allein darüber, wie gut ein Land die Pandemie bewältigen kann. Von entscheidender Bedeutung ist vielmehr, ob die Kapazitäten des Gesundheitssystems ausreichen, um die Erkrankten zu behandeln. Deshalb beobachten Experten und Politik sehr genau, wie sich die Zahl der schweren Verläufe und der verfügbaren Behandlungsplätze entwickelt.
Erstere wird vor allem dadurch beeinflusst, wie sich das Virus innerhalb der Risikogruppen verbreitet, bei denen schwere Verläufe viel wahrscheinlicher sind. Besonders genau betrachtet wird die Anzahl der Intensivpatienten, die lebensbedrohlich erkrankt sind. Kapazitäten in diesem Bereich sind immer begrenzt, allein schon mit Blick auf das Fachpersonal.
Die Zahl ist auch noch aus anderem Grund ein wichtiger Maßstab bei Entscheidungen über die Eindämmungsmaßnahmen: Es gibt dabei keine Dunkelziffer. Anders als bei Meldezahlen zu Infektionen, die auch durch Teststrategien beeinflusst werden, gibt es bei den künstlich beatmeten Intensivpatienten in Kliniken keine „Untererfassung“. Zu beachten ist aber ein Zeitverzug von zwei Wochen. So lange dauert es nach einer Ansteckung, bis sich schwere Verläufe einstellen. Die Zahl der Intensivpatienten hinkt der Infektionsdynamik hinterher.

Baden-Württemberg beschließt nächtliche Ausgangsbeschränkungen für Corona-Hotspots

In einigen Regionen laufen die Infektionszahlen seit Wochen aus dem Ruder. Die Landesregierung hat sich nun auf harte Maßnahmen geeinigt, um die Pandemie in den Kommunen wieder in den Griff zu kriegen. In Mannheim gilt beispielsweise ab Freitagabend bereits eine Ausgangsbeschränkung zwischen 21 Uhr und 6 Uhr. Man dürfe die Wohnung nur noch aus triftigen Gründen verlassen.
Die Corona-Zahlen in Baden-Württemberg sind Ministerpräsident Winfried Kretschmann zu hoch: Daher soll es in Hotspots im Land nun nächtliche Ausgangssperren geben.
Die Corona-Zahlen in Baden-Württemberg sind Ministerpräsident Winfried Kretschmann zu hoch: Daher soll es in Hotspots im Land nun nächtliche Ausgangssperren geben.
© Foto: DPA

Corona-Zahlen in Deutschland: Söder und Wieler warnen vor „Halbschlaf“

Ein Monat des Verzichts auf vieles - und dennoch sinkt die Zahl der Coronavirus-Neuinfektionen kaum. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) erwägt weitere Verschärfungen, wie er am Donnerstag erklärte. „Lieber kürzer und dafür konsequent. Wir können das Land nicht ewig im Halbschlaf halten.“
Auch der Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, konnte am Donnerstag nur feststellen: Nach einer sehr erfolgreichen Eindämmung im Frühjahr bekomme Deutschland die Zahlen derzeit „nicht mit aller Verve runter“. Die seit Anfang November geltenden Einschränkungen sind deutlich milder als im Frühjahr, als Ende März auch Schulen, Kitas und Geschäfte schließen mussten. Damals lag die Zahl der täglich gemeldeten Neuinfektionen bei rund 4000. Nachdem sie bis Anfang April auf mehr als 6000 gestiegen war, zeigten die Maßnahmen Wirkung: Vier Wochen nach Beginn des Lockdowns wurden dem RKI noch gut 2000 neue Fälle pro Tag gemeldet, Anfang Mai rund 1000.