Corona Urlaub Spanien
: Anstieg an Neuinfektionen und Reisewarnungen treffen Spaniens Wirtschaft hart

Die Corona-Krise trifft das beliebte Urlaubsland Spanien hart. Reisewarnungen und die steigende Zahl der Neuinfektionen belasten die Wirtschaft. So ist die Lage im Urlaubsland.
Von
Esther Lehnardt mit dpa
Madrid
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Geschlossene Geschäfte, wenig belegte Hotels, leere Strände - die Reisewarnung für Spanien trifft das Urlaubsland hart

Clara Margais/dpa

Die Corona-Krise trifft das beliebte Urlaubsland Spanien hart. Reisewarnungen und die steigende Zahl der Neuinfektionen belasten die Wirtschaft. So ist die Lage im Urlaubsland.

Neuinfektionen in Spanien: Mehr als 7000 neue Infektionen am Tag

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen steigt in Spanien rapide. Innerhalb eines Tages sind nach Informationen der Johns-Hopkins Universität in Baltimore 7117 Neuinfektionen gemeldet worden (Stand 26.08., 9:50 Uhr). Seit Anfang Juli steigt die Zahl der Neuinfektionen nahezu konstant an, nachdem Ende Mai das Infektionsgeschehen deutlich zurückgegangen war. „Niemand soll sich etwas vormachen. Es läuft nicht gut“, warnte der Chef der Behörde für Gesundheitliche Notfälle, Fernando Simón. Trotzdem betonte er, Spanien habe die Pandemie mit Ausnahme von wenigen Gebieten im Griff.

Corona-Zahlen Spanien: So viele Infizierte, Tote und Genesene gibt es

Die zweite Corona-Welle trifft Spanien mit voller Wucht. Das sind die aktuellen Zahlen der Johns-Hopkins-Universität von Mittwoch, 26.08.,9:50 Uhr:

Zahl der Infizierten: 412.553

Veränderung zum Vortag: + 7.117

Zahl der Toten: 28.924

Veränderung zum Vortag: +52

Zahl der Genesenen: 150.376

Spanien hat nach Angaben des European Centre for Disease Prevention and Control in Europa vor Großbritannien (326.614 nachgewiesene Infektionen) und Italien (260.298 nachgewiesene Infektionen) die meisten Coronainfizierten. Auch der Wert an Infizierten pro 100.000 Einwohner über die letzten 14 Tage ist mit 175,7 der höchste in Europa. Zum Vergleich: Deutschland hat einen Wert von 20,3.

Reisewarnung für Spanien: Hilferuf an Deutschland

Nachdem das Berliner Robert-Koch-Institut (RKI) die Balearen zum Corona-Risikogebiet erklärt und das Auswärtige Amt eine umfassende Reisewarnung ausgesprochen hatte, richtete Francina Amengol, Ministerpräsidentin der Balearen, einen Hilferuf an Deutschland. „In der gesamten autonomen Gemeinschaft ist der deutsche Tourismus sehr wichtig und insbesondere für Mallorca. Wir sollten auch beachten, dass der deutsche Tourismus, der nach ganz Spanien kommt, zu 40 Prozent nach Mallorca geht“, sagte Armengol der Bild. „Wir waren die Ersten, die das Nachtleben einschränkten. Wir haben Saufgelage im Freien verboten. Und wir haben die Einrichtungen an den Straßen geschlossen, in denen in Gruppen übermäßig Alkohol konsumiert wurde, um Verhaltensweisen zu vermeiden, die die Gesundheit aller gefährden.“

Feiern trotzt Corona: Durchschnittsalter der Infizierten sinkt

Nach Darstellung der Behörden gibt es auch deshalb relativ viele Infektionen, weil viel mehr getestet wird. Vor allem Besucher von Nachtlokalen sowie Teilnehmer von Privatpartys seien nun betroffen. Das Durchschnittsalter der Infizierten sinke von Woche zu Woche. Aktuell liege es bei 38 Jahren. Bei den meisten Betroffenen verlaufe die Infektion deshalb jetzt ohne Symptome.

Madrid, Baskenland und Navarra: Diese Regionen in Spanien sind besonders betroffen

Der Anstieg der Neuinfektionen bereitet vor allem in der Region Madrid im Zentrum sowie im Baskenland, in Navarra und in Aragonien im Norden und Nordosten des Landes Sorgen. Allein auf Madrid entfielen den amtlichen Angaben zufolge etwa ein Drittel aller am Freitag gemeldeten Neuinfektionen, knapp 1200. Die Gesundheitsbehörden empfahlen den Bewohnern der am stärksten betroffenen Gebiete Usera, Carabanchel und Vallecas - alles Arbeiterviertel im Süden der Hauptstadt - die eigenen vier Wände möglichst selten zu verlassen.

Reisewarnung: Auswärtiges Amt warnt vor Urlaub in Spanien

Aktuell gilt für ganz Spanien mit Ausnahme der Kanarischen Inseln eine Reisewarnung. Regionale Infektionsherde gibt es insbesondere in den Autonomen Gemeinschaften:

Aragón

Galizien

Kantabrien

Kastilien und Léon

Kastilien-La Mancha

Katalonien

La Rioja

Melilla

Navarra

im Baskenland

in der Hauptstadtregion Madrid

sowie auf den Balearen.

Auf Mallorca ist insbesondere Palma de Mallorca betroffen.

Der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung, Thomas Bareiß, machte am Dienstag Mallorca-Fans Hoffnungen, dass Reisen auf die spanische Ferieninsel bald wieder möglich sein könnten.

Das ist der aktuelle Stand für Spanien - Was Spanien-Urlauber wissen müssen

Noch sind die Kanaren kein Risikogebiet. Beim auswärtigen amt heißt es im Wortlaut zu Spanien: „Die Ausbreitung von Covid-19 führt weiterhin zu Einschränkungen im internationalen Luft- und Reiseverkehr und Beeinträchtigungen des öffentlichen Lebens. Vor nicht notwendigen, touristischen Reisen nach Spanien mit Ausnahme der Kanarischen Inseln wird derzeit aufgrund hoher Infektionszahlen gewarnt.

Deshalb gilt für Spanien-Urlauber vorerst:

Urlauber aus der EU und den Schengenstaaten dürfen grundsätzlich unbegrenzt nach Spanien einreisen. Aber:

Wegen wieder gestiegener Corona-Zahlen hat Deutschland das Land mit Ausnahme der Kanaren zum Risikogebiet erklärt und eine Reisewarnung auch für die beliebte Ferieninsel Mallorca ausgesprochen.

Reiseveranstalter sagten daraufhin Pauschalreisen nach Mallorca und andere Regionen ab.

Für Rückkehrer aus Risikogebieten gilt generell schon seit einigen Wochen, dass sie sich beim Gesundheitsamt melden müssen.

Zudem gibt es eine Testpflicht bei der Heimkehr.

Hilfe für Spaniens Wirtschaft: 15 EU-Länder sollen Darlehen für Kurzarbeitsregelungen erhalten

Aus dem wegen der Corona-Krise geschaffenen EU-Kurzarbeitsprogramm Sure sollen in Kürze die ersten Gelder fließen. Ein am Montag veröffentlichter Vorschlag für den Rat der Mitgliedstaaten sieht vor, zunächst 15 Ländern insgesamt 81,4 Milliarden Euro bereitzustellen. Die größten Summen würden demnach Italien (27,4 Mrd Euro), Spanien (21,3 Mrd Euro) und Polen (11,2 Mrd Euro) bekommen. „Wir müssen alles in unserer Macht Stehende tun, um Arbeitsplätze und Lebensgrundlagen zu erhalten“, kommentierte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. In der beispiellosen Krise stelle Sure ein starkes Symbol der Solidarität dar.