Auch die Türkei bleibt wie fast alle Länder der Welt vom Coronavirus nicht verschont. Laut Johns-Hopkins-University waren in der Türkei (Stand: 04.05., 15.32 Uhr)

  • 126.045 Menschen mit dem Coronavirus infiziert.
  • 3.397 sind daran gestorben
  • 63.151 elten als geheilt.

Reisebeschränkungen für 31 Städte in Türkei vorerst verlängert

Das türkische Innenministerium hat wegen der Corona-Pandemie erlassene Reisebeschränkungen für 31 Städte und Provinzen vorerst um einen Tag verlängert. Ob die Maßnahme, die nun bis Montag um Mitternacht Ortszeit (23.00 Uhr MESZ) gelte, darüber hinaus erhalten bleibe, werde auf einer Kabinettssitzung beraten, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu unter Berufung auf das Innenministerium in Ankara.

Minister: 120 Covid-19-Kranke in türkischen Gefängnissen

In türkischen Gefängnissen sind offiziellen Angaben zufolge bisher 120 Häftlinge an der Lungenkrankheit Covid-19 erkrankt. Alle würden in Kliniken behandelt, keiner sei auf einer Intensivstation, sagte Justizminister Abdulhamit Gül am Dienstag in Ankara während einer Pressekonferenz. Keiner der Infizierten sei in kritischer Verfassung. Gül zufolge kommen die Betroffenen aus vier Gefängnissen.

Am 13. April hatte Gül gemeldet, dass im offenen Vollzug bisher 17 Fälle der Lungenkrankheit Covid-19 bestätigt seien. Drei Menschen seien gestorben.

Die Regierung hat im April damit begonnen, Häftlinge aus den überfüllten Gefängnissen unter anderem in den Hausarrest zu entlassen, um die Verbreitung von Covid-19 aufzuhalten. Ein entsprechendes Gesetz soll die Entlassung von bis zu 90.000 Menschen ermöglichen. Anwälte und Menschenrechtler hatten die Maßnahme scharf kritisiert, weil sie Inhaftierte unter Terrorvorwürfen und Untersuchungshäftlinge ausschließt. Darunter sind auch Regierungskritiker und Journalisten. Betroffen sind auch einige wegen Terrorvorwürfen verurteilte Deutsche. Die große Oppositionspartei CHP geht mittlerweile vor dem Verfassungsgericht gegen das Gesetz vor.

Erdogan kündigt Ausgehverbot über langes Wochenende in 31 Städten an

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat wegen der Corona-Krise eine dreitägige weitgehende Ausgangssperre für Istanbul und 30 weitere Städte und Provinzen angekündigt. Sie beginne am Donnerstag, 30. April, um Mitternacht (Ortszeit/MEZ 23.00 Uhr) und ende am Sonntag um dieselbe Zeit, sagte Erdogan am Montag nach einer online abgehaltenen Kabinettssitzung in Istanbul. Am Freitag, dem 1. Mai, seien Supermärkte aber zwischen 9 und 14 Uhr geöffnet.

Die Türkei verhängt seit drei Wochen 48-stündige Ausgangssperren übers Wochenende in den betroffenen 31 Städten, darunter in Ankara, Istanbul und Izmir. Vergangenes Wochenende wurde das weitgehende Ausgehverbot wegen eines Feiertags auf vier Tage ausgeweitet. Wichtige Einrichtungen wie Apotheken, Bäckereien und Krankenhäuser bleiben in der Regel offen. Die Ausgangssperren übers Wochenende sollen noch mindestens bis zum Ende des Fastenmonats Ramadan Ende Mai fortgeführt werden, sagte Erdogan.

Ankara hat bereits zahlreiche Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus erlassen. So gilt etwa eine weitgehende Ausgangssperre für Menschen unter 20, Personen ab 65 Jahren und chronisch Kranke.

Delfine erobern den Bosporus zurück

Die Delfine erobern den Bosporus zurück: Wegen der Corona-Auflagen kommen die Meeressäuger in Istanbul wieder näher an die Küste und werden dort öfter als sonst gesichtet, wie der Leiter des Amateur- und Sportfischereiverbandes, Erol Orkcu, der Nachrichtenagentur AFP sagte. „Der Rückgang des Boots- und Personenverkehrs über den Bosporus hat große Auswirkungen“, betonte er.

Wegen der Corona-Pandemie ist der Schiffsverkehr nahezu zum Erliegen gekommen. Zudem gilt ein Fischereiverbot in der sonst stark befahrenen Meerenge zwischen Europa und Asien. Seit Donnerstag ist in Istanbul und weiteren 30 Städten des Landes eine viertägige Ausgangssperre in Kraft. Sie sollte am Sonntag um Mitternacht enden.

Vor der Pandemie war das Angeln ein tägliches Ritual der Istanbuler. Auf der Galatabrücke sowie an den Ufern des Bosporus versammelten sich tausende Hobby-Fischer. Die Rückkehr der Delfine in die Gewässer gilt laut Experten als ein Indikator für ein gesundes Ökosystem. Seit 1983 ist die Jagd auf Meeressäuger in der Türkei verboten, Delfine sind per Gesetz geschützt.

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Die Zahlen in der Türkei

Das Coronavirus  sorgt in der Türkei für gesellschaftlichen und politischen Sprengstoff. Und das Land steht wohl erst am Anfang der Krise. Das zeigt der Blick auf die Zahlen: In der Türkei haben sich laut der Johns-Hopkins-University bislang, Stand 20. April, 14.38 Uhr, 86.306 Menschen mit dem Virus infiziert, 2.017 sind daran gestorben, 11.976 genesen. Damit liegt das Land auf Platz 8 der am schwersten betroffenen Länder. Bislang. Denn in der Türkei steigen die Zahlen sprunghaft. Seit dem 1. April hat sich die Anzahl der Corona-Fälle nahezu versechsfacht.

Regierung plant Rückholaktion zu Ramadan

Die türkische Regierung will zum Fastenmonat Ramadan trotz der Corona-Krise und des Stopps internationaler Flüge rund 25 000 Menschen heimholen. Vizepräsident Fuat Oktay ließ am Freitag in einer Serie von Tweets verlauten, man habe gemeinsam mit den zuständigen Provinzgouverneuren „eine großangelegte Operation“ gestartet. „Unser Ziel ist zu gewährleisten, dass unsere Bürger so Gott will im gesegneten Ramadan mit ihren Lieben zusammenkommen“, schrieb er. Es geht demnach um Menschen aus 59 Ländern.

Derweil verlängert die Türkei die Reisebeschränkungen für 31 Städte und Provinzen um zwei Wochen. Die Grenzen der betroffenen Regionen bleiben für Reisen auf dem Land-, Luft- und Seeweg geschlossen - ausgenommen ist der Transport unverzichtbarer Güter, wie die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu am Samstag unter Berufung auf das Innenministerium berichtete. Seit gut zwei Wochen sind die Städte, darunter die Hauptstadt Ankara und die Metropole Istanbul, nach außen weitgehend abgeschottet. Die Bewohner brauchen für Reisen in andere Städte eine Genehmigung.

Türkischer Mafiaboss wegen Corona aus dem Gefängnis entlassen

Nach der Entlassung tausender Häftlinge wegen der Corona-Krise in der Türkei ist auch ein berüchtigter Mafiaboss wieder auf freiem Fuß. Der unter anderem wegen Anstiftung zum Mord an seiner Ex-Frau verurteilte Alaattin Cakici sei am Donnerstag in Ankara aus dem Gefängnis entlassen worden, berichtete die Nachrichtenagentur DHA. Der Sender Habertürk meldete, Cakici sei auf Bewährung freigekommen. 2006 bekam er lebenslange Haft, später wurde das Strafmaß auf 19 Jahre und zwei Monate reduziert.

Amnesty International kritisierst Vorgehen in der Türkei

In der Türkei habe das Parlament zwar beschlossen, im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie bis zu 100.000 Gefangene freizulassen, was angesichts der überfüllten und unhygienischen türkischen Gefängnisse ein sinnvoller Schritt sei, sagte die Europa-Expertin von Amnesty, Janine Uhlmannsiek. Doch die vielen inhaftierten Journalisten, Menschenrechtler und Oppositionelle seien von den Plänen ausgeschlossen.

Die Türkei hat mit der Entlassung der Häftlinge begonnen

Wegen der Corona-Krise hat die Türkei am Mittwoch mit der Entlassung Tausender Häftlinge begonnen. Aus Gefängnissen in Istanbul, Ankara und Izmir und anderen Städten wurden Inhaftierte mit Bussen abgeholt. Zum Schutz vor dem Coronavirus trugen manche Masken und Handschuhe. Das Gesetz ermöglicht die Entlassung von bis zu 90.000 Gefangenen. Es war gestern vom Parlament in Ankara verabschiedet worden.

Istanbul: Corona-Hot-Spot in der Türkei

Istanbul. Ausgerechnet Istanbul. Der Touristenmagnet am Bosporus hat sich von der türkischen Vorzeigestadt zur Problemstadt entwickelt. Istanbul hat mit Abstand die meisten registrierten Covid-19-Patienten in der Türkei. Zeitweise sollen es 60 Prozent aller türkischen Fälle gewesen sein.

Die Millionenstadt kämpft, ist aber offenbar am Limit. Ärzte schlagen Alarm: Die Intensivbetten in Istanbuler Krankenhäusern werden knapp. „In Istanbul gibt es 4600 Intensivbetten und in nur zwei bis drei Tagen waren bereits 80 Prozent davon belegt. Das wurde uns mitgeteilt. Und das wird zunehmen“, sagte der Chef der Türkischen Ärztevereinigung TTB, Sinan Adiyaman, am vergangenen Freitag.

Die Antwort der Regierung folgte noch am selben Abend. Gesundheitsminister Fahrettin Koca beschwichtigte. Die Auslastung der Intensivstationen liege derzeit bei 59,5 Prozent. Normalerweise sei sie bei 50,2 Prozent. Sein Fazit: Derzeit gebe es kein Problem.

Türkische Ärzte bezweifeln Zahl der Todesfälle

Die Ärztevereinigung äußert sich momentan häufiger. Anfang April bezweifelte sie, dass die Todeszahlen der Regierung korrekt seien. Es sei auffallend, dass die Zahl der Covid-19-Fälle ansteige, die Grafik der Todesfälle aber nicht entsprechend verlaufe. In der Tat hat die Türkei offiziell nur 1296 Corona-Tote. Halb so viele wie die Niederlande, wo knapp 30.000 Personen weniger infiziert sind.

Präsident Erdogan verweigert Rücktrittsgesuch des Innenministers

Öffentliche Schelte von Medizinern – das dürfte dem Präsident Recep Tayyip Erdogan nicht gefallen. Der 66-Jährige hat momentan aber größere Probleme.

Problem 1: Innenminister Süleyman Soylu. Dessen Ministerium hatte am Freitag die spontanen Ausgangssperren angekündigt – und war dafür scharf kritisiert worden. Auch weil wichtige Details zu dem Erlass – etwa dass Bäckereien ihre Ware liefern dürfen – nur scheibchenweise und im Stundentakt kommuniziert wurden. Am Sonntag übernahm Soylu die Verantwortung und trat zurück. Dachte er. Doch Erdogan hatte andere Pläne: Er verweigerte den Rücktrittsgesuch des Innenministers. Soylu werde „seine Aufgabe weiter ausführen“, teilte Erdogans Büro am Sonntagabend mit.

Wirtschaft in der Türkei: Tourismus-Branche eingebrochen

Problem 2: Die türkische Wirtschaft. Die wirkte schon vor der Pandemie wie ein angeschlagener Boxer. Nun hat ihr die Corona-Krise den nächsten Tiefschlag verpasst. Die Lira ist abgerutscht, die so wichtige Tourismus-Branche dürfte mindestens bis Spätsommer erhebliche Einbrüche vermelden.

Auch die halbstaatliche Fluggesellschaft Turkish Airlines ist von der Corona-Krise betroffen. Das Unternehmen hat ihren Flugstopp wegen der Coronavirus-Krise verlängert. Internationale Flüge würden bis zum 20. Mai ausgesetzt, teilte die türkische Airline am Dienstag mit. Die Maßnahme galt zuvor bis zum 1. Mai. Inlandsflüge sollen demnach nach jetziger Planung am 1. Mai wieder aufgenommen werden. Die Billigfluggesellschaft Pegasus verlängerte ihren Flugstopp vom 1. auf den 15. Mai.

Erdogan steckt in einer Zwickmühle. Er weiß, dass die Infizierten-Zahlen explodieren, wenn er das öffentliche Leben nicht einschränkt. Er weiß aber auch, dass die Einschränkungen im Extremfall zum wirtschaftlichen K.o. führen können.

Corona-Regeln in der Türkei: Schulen geschlossen, Ausgangssperre am Wochenende

Der Präsident versucht, einen Mittelweg zu finden. Landesweite Ausgangssperre ja. Aber nur am Wochenende. Zudem gilt für Menschen unter 20 und über 65 Jahren eine ganzwöchige Ausgangssperre. Die Regierung habe entschieden, diese Maßnahmen so lange wie nötig beizubehalten, sagte Erdogan am Montag in einer Fernsehansprache. Schulen, Bars und Kultureinrichtungen im Land sind bereits seit Längerem geschlossen.

Regierung lässt 90.000 Gefangene frei – massive Kritik von Menschenrechtlern

Trotzdem steigt die Zahl der Corona-Infizierten weiter. Für etliche türkische Gefängnisinsassen ein unverhofftes Glück. Denn das türkische Parlament hat wegen der Corona-Krise ein Gesetz zur Entlassung von bis zu 90.000 Gefangenen verabschiedet. Das Gesetz sieht unter anderem vor, dass die Haftzeit von Risikogruppen in Hausarrest umgewandelt wird. Außerdem dürften Verurteilte im offenen Vollzug ihre Strafe zu Hause absitzen. Zuvor waren drei türkische Häftlinge an Sars-CoV-2 gestorben.

Das am frühen Dienstagmorgen in Ankara verabschiedete Gesetz stieß auf scharfe Kritik, weil Inhaftierte unter Terrorvorwürfen, darunter Regierungskritiker und Journalisten, von der Regelung ausgenommen sind. Gefangene, die wegen vorsätzlichen Mordes, Gewalt gegen Frauen, Sexualstraftaten und Drogendelikten einsitzen, haben ebenfalls keine Chance auf eine coronabedingte Entlassung.

Türkei schickt Hilfslieferungen nach Großbritannien

Die Türkei hilft. Auch das ist eine Lehre der Corona-Krise. Das Land hat eine zweite Ladung medizinischer Hilfsgüter nach Großbritannien geschickt. Ein militärisches Frachtflugzeug aus Ankara sei am Sonntag in London gelandet, teilte das türkische Verteidigungsministerium mit. Zudem sei den Behörden ein Brief des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan an den britischen Premierminister Boris Johnson übergeben worden. Details zum Inhalt der Lieferung nannte das Ministerium nicht.

Bereits am Freitag hatte die Türkei Hilfsgüter nach Großbritannien sowie an die international anerkannte Regierung im Bürgerkriegsland Libyen geliefert. Zuvor hatte die Türkei Lieferungen mit Masken, Desinfektionsmittel und Schutzanzügen unter anderem nach Spanien und Italien gebracht.

So ist die aktuelle Lage an der türkisch-griechischen Grenze

Unterdessen befürchtet die griechische Regierung, dass schon bald wieder viele Migranten versuchen könnten, aus der Türkei nach Griechenland zu gelangen. Es gebe Informationen, dass die Türkei eine große Zahl von Migranten aus dem Landesinneren an die Küste der Ägäis gebracht habe, sagte der griechische Verteidigungsminister Nikos Panagiotopoulos dem griechischen Nachrichtensender Skai am Dienstag. Diese Menschen könnten in den kommenden Tagen versuchen, zu den griechischen Inseln Lesbos, Chios und Samos und damit in die EU überzusetzen.

Schiffe der griechischen Kriegsmarine verstärken bereits seit dem Osterwochenende die Küstenwache im Osten der Ägäis. „Die Verhinderung der Einreise von Menschen, die illegal ins Land kommen wollen, das ist der Befehl für alle Sicherheitskräfte zu Land und zur See“, sagte Panagiotopoulos dem Sender Skai weiter.