Italien ist nach den USA und Spanien das Land, das von dem Coronavirus am stärksten betroffen ist. Nach Angaben der Johns Hopkins Universität sind, Stand 30. April, 09:48 Uhr, mehr als 203.000 Menschen in Italien mit dem Coronavirus infiziert. An Covid-19 gestorben sind dort mehr als 27.000 Menschen.

Damit ist Italien weltweit auf Platz drei der Länder, die am stärksten von der Corona-Pandemie betroffen sind. Den traurigen Platz eins belegen die USA, gefolgt von Spanien auf Platz zwei.

Zum Vergleich: In Deutschland gab das Robert-Koch-Institut (RKI) die Zahl der mit dem Coronavirus infizierten Menschen am 30. April mit 159.119 an. Die Johns-Hopkins-Universität in Baltimore meldet sogar 161.539 Infizierte in Deutschland. Das RKI, das nur die elektronisch übermittelten Zahlen aus den Bundesländern berücksichtigt, registrierte in Deutschland bis zum 30. April 6288 Todesfälle, die Johns Hopkins Universität 6467.

Coronavirus Italien und Spanien Erste Hoffnungsschimmer in der Corona-Krise

Rom/Madrid

Corona in Italien: Mehr Infizierte haben nur die USA und Spanien

Mehr als 227.700 Menschen (Stand 30. April) sind weltweit bereits an dem Coronavirus gestorben. Fast drei Viertel der Todesfälle wurden in Europa registriert, wie eine Zählung der Nachrichtenagentur AFP auf Grundlage offizieller Daten ergab. Rund um den Globus infizierten sich bis zum 30. April 3.196.664 Menschen mit dem Erreger.

Italien trifft die Corona-Pandemie aber besonders hart. Nirgendwo sind so viele Menschen gestorben, mehr Infizierte haben nur die USA und Spanien. Woran das liegt, erfahrt ihr hier.

Wieso sterben in Italien so viele an Corona?

Vorab: Für die hohen Todesraten in Italien gibt es nicht den einen Grund. Vielmehr sind es mehrere Faktoren, die dazu beitragen.

Die Gesellschaft in Italien ist relativ alt

Laut einer Studie des Statistikportals statista.de von 2018 hat Italien in Europa im Durchschnitt die älteste Bevölkerung. Mit einem Altersmedian von 46,3 Jahren ist Italien sogar eine der ältesten Gesellschaften weltweit. Der Median sagt auch aus, dass die Hälfte der Menschen im Land also ein höheres Alter als dieses erreicht haben. In älteren Gesellschaften leben demnach mehr Menschen mit Vorerkrankungen. Und diese sind anfälliger für schwerere Verläufe von Corona. Der deutsche Bevölkerungsforscher Andreas Backhaus twitterte etwa vor einer Woche, dass in Italien viel mehr alte Menschen mit Corona infiziert sind, als in Deutschland.

Das Gesundheitssystem in Italien ist überlastet

Italien hat rund 60 Millionen Einwohner. Im gesamten Land gibt es nach Angaben der französischen Nachrichtenagentur AFP 5000 Intensivbetten, weitere seien angeschafft worden. Zum Vergleich: In Deutschland, mit rund 82 Millionen Einwohnern, gibt es 25.000 Intensivbetten mit Beatmungsgerät. In Italien stieg die Zahl der Infizierten zu Beginn rasend schnell an. Dadurch ist das Gesundheitssystem überlastet, Krankenschwestern, Pfleger und Ärzte müssen entscheiden, wer beatmet wird.

Der Unterschied zwischen Italien und Deutschland: Keine Tests bei Toten

Oft werden Deutschland und Italien vergleichen – in Deutschland sterben deutlich weniger Menschen. Dafür haben italienische Experten eine Erklärung: In Deutschland werden keine Post-mortem-Tests durchgeführt, das Robert-Koch-Institut (RKI) hält die nachträglichen Tests für keinen entscheidenden Faktor. Das Institut sagt: „Wir gehen davon aus, dass die Patienten diagnostiziert werden, bevor sie sterben.“

Giovanni Maga vom Italienischen Nationalen Forschungsrat sagt in einem Interview mit Euronews, dass somit die Statistiken der Länder unterschiedlich beeinflusst werden. Wenn ein Mensch demnach in Quarantäne sterbe, ohne in ein Krankenhaus eingeliefert worden zu sein, tauche er mit hoher Wahrscheinlichkeit in der Statistik der Corona-Todesfälle gar nicht auf, sagt er.

Wieso hat Italien so viele Infizierte?

Auch hier gilt: Auf diese Frage gibt es nicht nur eine Antwort, Wissenschaftler haben immer noch keinen eindeutigen Grund gefunden. Es gibt aber Ansätze.

Patient 0 ist bis heute nicht bekannt

Ende Januar wurden in Italien die ersten Fälle im Land bekannt, darunter waren zwei chinesische Touristen. Sie wurden isoliert, Kontaktpersonen ermittelt. Daraufhin stellte Italien Direktflüge von und nach China ein. Das stellte sich später als Fehler heraus. Italiens Corona-Sonderberater und Mitglied der WHO Walter Ricciardi sagte in einem Interview mit der Zeitung „La Stampa“, dass Passagiere so Umsteigeverbindungen wählen mussten. Das Problem: So wusste danach niemand, wer nun tatsächlich aus China kam.

Corona konnte sich unbemerkt im Norden Italiens ausbreiten

Das Virus schien damals unter Kontrolle, doch in der Realität breitete es sich unbemerkt in der Lombardei im Norden aus. Eine Region mit viel Wirtschaft, vielen Menschen, vielen Pendlern. Wer Patient 0, also wer das Virus zuerst in die Region gebracht hat, ist bis heute nicht klar.

Patient eins zu spät getestet

Der erste, bei dem das Coronavirus in Italien nachgewiesen wurde, war ein 38-jähriger Mann. Mitte Februar suchte er öfters das örtliche Krankenhaus in Codogno auf. Er wurde aber nicht auf Corona getestet, weil er davor nicht in China war. Er infizierte mehrere Kontaktpersonen, bevor er mit 36 Stunden Verspätung isoliert wurde.

In Italien leben alle Generationen unter einem Dach

Eine weiterer möglicher Grund, weshalb es in Italien so viele Infektionen gibt, ist die Form des Zusammenlebens. In Italien ist es üblich, dass mehrere Generationen unter einem Dach leben – anders als in Deutschland. Oma und Opa leben in Italien mit ihren Enkelkindern zusammen. So entstehen längere Infektionsketten und die gefährdeten Älteren werden eher infiziert.

Norditalienisches Dorf vom Corona-Virus verschont

Die Ortschaft Ferrera Erbognone liegt in der Corona-Hochburg Lombardei, nur rund 50 Kilometer von Mailand entfernt. Trotzdem sieht es so aus, als sei das Dorf in der Provinz Pavia bisher von der Virus-Welle verschont geblieben. Dass keine Fälle registriert wurden, kann Zufall sein. Doch die Einwohner teilen ihre Freude über ihre besondere Situation mit vielen Medien in Italien - als Zeichen für gute Nachrichten in schlimmen Zeiten.

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Ulm

In Ferrera Erbognone leben viele Ältere, also Menschen mit hohem Risiko zu erkranken. „Wir waren vom ersten Tag an extrem vorsichtig“, erzählt De Luca. Atemschutz und Handschuhe würden bei ihr im Laden stets getragen. Bürgermeister Giovanni Fassina hat sich gefragt, ob Vorsicht der einzige Grund sein kann. Ob viele im Dorf Antikörper hätten und immun seien – solche Spekulationen schossen hoch. Fassina regte eine Studie mit den Einwohnern an, wie er der Zeitung „La Repubblica“ sagte. Er wollte die Untersuchung mit Wissenschaftlern des Instituts Fondazione Mondino in Pavia starten. Dort gaben die Verantwortlichen eine Mitteilung zu dem Vorhaben heraus. Doch die Gesundheitsbehörden der Lombardei stoppten das Projekt zu dem „kleinen Wunder“, wie die „Repubblica“ berichtete. Die Einrichtung in Pavia sei nicht befugt, Corona-Studien zu machen.

In der Lombardei registrierten die Behörden rund 40 Prozent der über 128.000 Corona-Fälle Italiens.