Die Corona-Zahlen in Deutschland sinken. Doch Experten hoffen auf noch niedrigere Fallzahlen, um die Ausbreitung der Mutation des Coronavirus zu verhindern. Lockerungen der Regeln werden deshalb immer unwahrscheinlicher. Grund sind die laut SPD-Gesundheitspolitiker Prof. Karl Lauterbach „drei hochproblematischen Mutationen“ des Coronavirus aus
  • England (B117),
  • Südafrika (B1351/501.V2) und
  • Brasilien (P.1).
In Bayern ist eine vierte Mutation aus Dänemark aufgetaucht, wegen der 2020 15 Millionen Nerze getötet worden waren. Wie die Augsburger Allgemeine berichtet, wurden bei zwei Menschen aus Neu-Ulm und Ansbach die Mutationen entdeckt. Aber eine Bestätigung durch eine Genom-Sequenzierung stehe noch aus. Bayern scheint es aktuell durch Mutationen härter zu treffen.

Virus-Variante aus England: Wie gefährlich ist die Corona-Mutation aus Großbritannien?

Die Mutation aus Großbritannien mit der Bezeichnung B117 soll um 50 bis 70 Prozent ansteckender sein als das ursprüngliche Coronavirus, welches Deutschland mit den klassischen Maßnahmen Kontaktvermeidung und Impfen zu bekämpfen versucht.
B117 zum Beispiel ist gefährlich, weil einerseits die extrem schnelle Ausbreitung mehr Todesfälle auslösen könnte. Und andererseits, weil es auch in Bezug auf Covid-19 pathogener (krankheitsauslösender), also gegebenenfalls tödlicher sein könnte. Erste Hinweise gab es darauf aus England. Doch Experten zufolge ist das noch nicht endgültig bestätigt oder bewiesen.
Experten warnen vor allen drei Mutationen. Denn B1351 aus Südafrika ist ebenfalls hochansteckend, und P.1 aus Brasilien steht im Verdacht, auch Menschen zu befallen, die nach einer Corona-Infektion oder Covid-19-Erkrankung eigentlich immun sein sollten.

Virologe: Bis zu 100.000 Neuinfektionen täglich

Der Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité hatte im „Spiegel“ im Falle eines zu frühen Ende des Lockdowns gewarnt, dass mit im schlimmsten Fall 100.000 Neuinfektionen pro Tag zu rechnen sei. Eine Horrorzahl?
Laut SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach ist das eine realistische Prognose. Er sagte in „Bild“, man müsse davon ausgehen, dass auf einen Monat betrachtet die drei neuen Virus-Varianten 6 bis 8-mal so ansteckend seien. „Wenn ich dann die jetzigen Zahlen hochrechne, dann bin ich schnell bei dem Szenario, das Christian Drosten vorgerechnet hat.“ Und er ergänzt: Es sei wohl kaum zu verhindern, dass die drei Varianten sich in Deutschland sehr stark verbreiten würden.

Neue Corona-Mutation B117 breitet sich auch in Deutschland schnell aus

Klar ist: B117 ist bei uns längst angekommen, und es breitet sich auch in Deutschland stark und schnell aus. So musste in Berlin die Humboldt-Klinik wegen zahlreicher Infektionen mit der Mutation unter Quarantäne gestellt werden.
NTV zufolge scheint B117 besonders häufig Pflegekräfte zu treffen. Auch in Bayern: Nach Angaben des Gesundheitsministeriums in München sind acht Fälle der Virus-Mutante aus England (B117) und ein Fall der Südafrika-Variante (B1351) bestätigt. Im Klinikum Bayreuth gebe es außerdem neuerdings elf Verdachtsfälle des hochansteckenden B117-Virustyps aus Großbritannien. Die Krankenhäuser des Klinikums wurden am Dienstag, 26.1.2021, geschlossen, mehr als 3000 Mitarbeiter sind außerhalb ihrer Arbeitszeiten in Quarantäne.

Corona Mutation in Freiburger Kita?

Nach einem Corona-Ausbruch in einer Freiburger Kita ist die Landesregierung bemüht, weitere Übertragungen der womöglich mutierten Virus-Variante zu verhindern.
14 Erzieher und Erzieherinnen sowie 10 Kinder der Freiburger Kita Immergrün haben sich womöglich mit einer mutierten Variante des Coronavirus infiziert. Zwei der Kinder seien schon positiv darauf getestet worden, sagte ein Sprecher der Diakonie Baden, Träger der Einrichtung. Und: „Die Krankheitsverläufe waren allesamt moderat.“ Der Corona-Ausbruch geht nach Erkenntnissen der Diakonie auf einen Erzieher zurück, der zunächst keine Symptome hatte.

Corona-Mutation im Raum München nachgewiesen

Im Raum München breiten sich Corona-Mutationen aus England und Südafrika rasant aus. Auch im Kreis Neu-Ulm ist offenbar zudem eine Mutation aus Dänemark entdeckt worden.

Bundesregierung in Sorge wegen britischer Mutation

Die Deutsche Bundesregierung ist schon seit Wochen wegen der Mutationen beunruhigt, die Varianten waren mit ein Grund, warum auf dem Corona-Gipfel von Bund und Ländern mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) am 19.1.2021 eine Verschärfung und Verlängerung des Lockdowns bis mindestens 14.2.2021 beschlossen worden war.
Diese Sorge wächst sich zu konkreten Annahmen und Infektionsszenarien aus, die nicht ohne Folgen bleiben werden.

Einreiseverbot aus Risikogebieten? Flüge nach Deutschland sollen eingeschränkt werden

Wegen der neuen Corona-Mutanten will die Bundesregierung laut einem Bericht der "Bild"-Zeitung den Flugverkehr aus Hochrisikogebieten nach Deutschland drastisch einschränken. Das Kabinett habe das Innenministerium mit der Vorbereitung einer entsprechenden Verfügung beauftragt, berichtete die Zeitung am Mittwoch. Beschlossen werden soll die Maßnahme demnach bis Freitag. Auch der "Spiegel" berichtete über geplante Einreisebeschränkungen. Nach Informationen des Magazins soll das geplante Verbot allerdings nicht für deutsche Staatsbürger gelten.
Betroffen wären laut den Berichten Flüge aus:
  • Großbritannien
  • Südafrika
  • Brasilien
  • Portugal
  • Niederlande
  • Dänemark

Kanzleramt: B117 wird dominante Form des Coronavirus

So geht Kanzleramtschef Helge Braun (CDU), selbst Mediziner, davon aus, dass die bislang vor allem in Großbritannien verbreitete Mutation des Coronavirus auch in Deutschland zur dominanten Form werden wird. Soll heißen: B117 wird sich noch stärker verbreiten als SARS-CoV-2 und die ursprüngliche Form quasi „überholen“.
Helge Braun sagte in der ARD-Talkshow „Anne Will“: „Wir sehen ja momentan, dass wir jetzt in mehreren Krankenhäusern auch schon mit der Mutante zu tun haben. Das heißt, das ist bei uns im Land angekommen, und deshalb wird sie irgendwann so wie in anderen Ländern auch dann die Führung übernehmen und wird Probleme machen.“

Gibt es bald ein Medikament gegen Corona? Schwachstelle im Coronavirus entdeckt

Noch immer gibt es kein wirkungsvolles Medikament gegen Corona. Forscher aus Gießen haben jetzt ein Enzym gefunden, das Coronaviren zur Vermehrung brauchen und sich als ihre Achillesferse entpuppen könnte. Alle Infos zur entdeckten Schwachstelle im Coronavirus, die Ansatz für ein Covid-Medikament sein könnte.

Verschärfte Maßnahmen statt Lockerungen in Deutschland?

Helge Braun betonte, es sei deswegen nun umso wichtiger, die Infektionszahlen „sehr stark“ zu senken und damit eine weiteren Verbreitung der Mutation die Grundlage zu entziehen. „Wir wollen sie so lange wie möglich aus dem Land raushalten und da, wo sie schon ist, eben sehr niedrig halten. Das wird man auf Dauer nicht schaffen“, so Braun. Ein Hinweis darauf, dass die Maßnahmen und Corona-Regeln verschärft und verlängert werden?
Karl Lauterbach kündigte an: „Wir werden einen sehr harten und sehr gut funktionierenden Lockdown brauchen, weil die neuen Varianten von einem ganz anderen Kaliber sind. Die haben noch einmal ein ganz anderes Bedrohungspotenzial.“ Karl Lauterbach geht - wie auch Virologe Christian Drosten - nicht davon aus, dass der Sommer die Ausbreitung des Virus weitgehend stoppen wird.

Lauterbach empfiehlt Antigen-Tests in Betrieben

Der Gesundheitsexperte empfiehlt, die Maßnahmen einzuhalten, bis die Inzidenz sinkt. Er glaube, dass eine bisher zu wenig genutzte Möglichkeit Antigentests in Betrieben seien. Studien hätten „ganz klar“ ergeben: Wenn man die Belegschaft von Betrieben zwei Mal pro Woche bei Arbeitsbeginn auf Corona teste, könne man damit „massiv die Neuinfektionen senken“ können. „Das hätte eine dramatische Auswirkung“, so Lauterbach. Antigen-Tests wären teuer, könnten aber, solange man noch keine Impfungen habe, die drei Mutationen bei der Ausbreitung bremsen.

P.1-Virus aus Brasilien: Keine Immunität nach Erkrankung oder Impfung?

Die sich zunehmend ausbreitende brasilianische Mutation „P.1“ könnte die Lage verschärfen. Denn die Variante ist nicht nur ansteckender. Bei P.1 wird laut „Ärzte Zeitung“ auch noch ein so genannter „Immun Escape“ vermutet. Das heißt: P.1 kann auch Menschen treffen, die schon einmal an Corona erkrankt waren und deshalb vermeintlich immun sein sollten. Ob das Einschränkungen für die derzeitig verwendeten Impfstoffe bedeute, müsse untersucht werden, zitiert das Blatt die Münchner Professorin Sandra Ciesek.

Mutation P.1 breitet sich in Portugal aus

Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach bestätigte am Montag in NTV, P.1 könne noch etwas gefährlicher sein. Es sei auch zu befürchten, dass bei dieser Mutation „die Impfungen nicht perfekt wirken“. Es gebe Hinweise, dass man sich mit P.1 anstecken könne, obwohl man die alte Variante schon gehabt habe. P.1 würde sich vermutlich derzeit vor allem Portugal weiter ausbreiten, so Lauterbach.
Portugal hat zurzeit mit besonders hohen Zahlen zu kämpfen, Berichten zufolge stehen die Krankenwagen in Lissabon vor den Kliniken Schlangen. Bei einer Inzidenz von 827 bewegt sich die Zahl der Neuinfektionen täglich im Bereich von 12.000 Fällen - bei etwas mehr als 10 Millionen Einwohnern.
Die aktuellen Fallzahlen in Portugal entsprächen - rechnete man sie auf die mehr als 80 Millionen Einwohner Deutschlands hoch - den von Christian Drosten genannten 100.000 Neuinfektionen in Deutschland.

Corona Mutation Ansteckungsgefahr: Wie ansteckend sind die Corona-Mutationen?

Eine Studie aus Großbritannien zeigt, dass die Variante B1.1.7 wohl ansteckender ist als die bisherigen. Mit der Mutanten steckten sich 15 Prozent aller Kontaktpersonen von Infizierten an. Bei der bisherigen nur 9,8 Prozent. Die Daten seien aber nicht statistisch signifikant. Die Analyse der Regierung ist also nur vorläufig, zeigt aber eine Tendenz.

Corona Mutation Symptome: Häufiger Fiber und Gliederschmerzen

Die Studie des britischen Regierung zeigt außerdem eine Veränderung bei den Symptomen einer Covid-19-Erkrankung. Bei einer Infektion mit der britischen Variante traten laut der Analyse der Daten von 6000 zufällig ausgewählten Patienten folgende Symptome häufiger auf:
  • Husten
  • Müdigkeit
  • Halsschmerzen
  • Fieber
  • Gliederschmerzen
Seltener berichteten Patienten von dem typischen Corona-Symptom Verlust des Geschmacks- und Geruchssinns.