Der Impfstoff gegen Corona dürfte bald zugelassen und verfügbar sein, auch die Logistik mit Impfzentren wird gerade aufgebaut: Der Angriff gegen das gefährliche Coronavirus, das sich in Deutschland immer noch weiter verbreitet, kann bald beginnen, Deutschland und auch Baden-Württemberg stehen in den Startlöchern für Massenimpfungen, die Strategie steht fest. Gesundheitsminister Jens Spahn hat angekündigt, dass die Massenimpfungen spätestens im Sommer stattfinden würden.

ZIZ und KIZ sind die Hotspots für Corona-Impfungen in BW

  • Neun Zentrale Impfzentren (ZIZ) wird es laut dem Sozialministerium in Freiburg, Offenburg, Karlsruhe und Heidelberg sowie in Rot am See, Tübingen und Ulm geben. In Stuttgart werden zwei ZIZ ausgestattet.
  • Neben den großen zentralen Impfzentren stehen jetzt auch die kleineren Standorte in den Städten, Gemeinden und Landkreisen fest. Insgesamt sind 50 sogenannte Kreisimpfzentren (KIZ) im Land geplant.
  • Während die ZIZ bis Mitte Dezember betriebsbereit sein sollen, gilt dies auf Kreisebene für die KIZ ab dem 15.1.2021.

Fragen und Antworten zur Impfung gegen Corona

Dennoch bleiben viele Fragen offen zur Impfkampagne des Sozialministeriums Baden-Württemberg. Etwa in Bezug darauf, wie man sich anmeldet, wer überhaupt den Impfstoff zuerst bekommt oder zu den Terminen, wann die Impfungen gegen corona stattfinden. Die Antworten des Ministeriums:

Wer wird zuerst geimpft?

Die Priorisierung - also die Entscheidung, wer zuerst den begehrten Impfstoff bekommt, übernimmt der Bund auf der Grundlage der Empfehlungen der
Diese Empfehlungen der Gremien werden nach Zulassung des Impfstoffs weiter ausgearbeitet. Jetzt, so das Ministerium, sei aber schon absehbar, dass im ersten Schritt neben
  • medizinischem Personal und
  • Personal in kritischen Infrastrukturen
  • vor allem besonders gefährdete (vulnerable) Personengruppen
geimpft werden sollen. Daher werden zusätzlich mobile Impfteams eingesetzt, die beispielsweise Pflegeheime oder Wohneinrichtungen für Behinderte sowie private Haushalte (pflegebedürftige Personen, die nicht hinreichend mobil sind, um Impfzentren aufzusuchen) aufsuchen können.

Stuttgart/Berlin

Wie erfolgt die Anmeldung zur Impfung?

Werden Personengruppen zur Impfung aufgerufen oder kann man sich anmelden und einen Termin geben lassen? Es ist geplant, dass die Anmeldung telefonisch über eine spezielle Weiche der Telefonnummer 116 117 erfolgt. Allerdings sollen in größeren Zentren auch telefonische Anmeldungen direkt dort entgegengenommen werden können. Auch über eine App sollen Anmeldungen ermöglicht werden.

Impf-Termine: Zu welchen Zeiten kann man sich impfen lassen?

Die Impfzeiten sind sieben Tage die Woche in zwei Schichten von 7.00 Uhr bis etwa 21 Uhr geplant.

Reicht eine Impfung gegen das Coronavirus aus?

Nein, es sind zwei Impfungen, und damit auch zwei Impftermine nötig. Im Sozialministerium heißt es dazu: „Derzeit ist von einer Verimpfung auf zwei Dosen im Abstand von 21-28 Tagen auszugehen.“ Es werde angestrebt, dass zwei Impftermine vergeben würden.

Wann wird der Impfstoff gegen Corona geliefert?

Die Produktion der Vakzine läuft auf Hochtouren. Erste Lieferungen des Impfstoffs könnte es nach den Erwartungen des Landessozialministeriums im Laufe der kommenden Wochen geben.

Wie wirksam sind die Impfstoffe?

Für den Biontech/Pfizer-Impfstoff ergaben Testreihen nach Angaben der Unternehmen eine Wirksamkeit von 95 Prozent. Bei über 65-Jährigen seien es 94 Prozent. Das ist besonders wichtig, denn Senioren sind stärker durch das Virus gefährdet. Der Impfstoff funktioniere jedoch über alle Altersgruppen hinweg gut.

Ist der Covid-19-Impfstoff sicher, gibt es Nebenwirkungen?

In Großbritannien haben die Impfungen bereits begonnen. Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) warb kürzlich um Vertrauen. Die zugelassenen Impfstoffe würden „wirksam und vor allem sicher sein“, sagte sie. Die aktuell geplanten Impfstoffe wurden getestet und sollen keine gravierenden Nebenwirkungen haben. Die Statistik zeigt, dass fast alle Nebenwirkungen von Impfungen in den ersten sechs Wochen auftreten. Die Teilnehmer der groß angelegten Studien für die Impfstoffe von Biontech/Pfizer und des US-Unternehmens Moderna wurden mindestens zwei Monate nach Gabe der zweiten Dosis beobachtet - wie es etwa die US-Zulassungsbehörde FDA für eine Notfallzulassung verlangt.
Biontech/Pfizer und Moderna versichern, dass bei keinem Probanden in den zwei Monaten nach der zweiten Spritze ernste Nebenwirkungen aufgetreten seien. Ein geringer Anteil der Probanden litt nach Angaben der Unternehmen unter Nebenwirkungen wie Müdigkeit, Kopf- und Gelenkschmerzen und einer geröteten und schmerzenden Einstichstelle, besonders nach der zweiten Dosis.

Wurde der Stoff von Biontech und Moderna ausreichend getestet?

Um die Seriosität der aktuellen Studien zu unterstreichen, wird auf deren großen Umfang verwiesen: 44.000 Freiwillige sind es bei Biontech/Pfizer und 30.000 bei Moderna. Den Zulassungsbehörden stehen also die Gesundheitsdaten zehntausender Probanden zur Verfügung. In den vergangenen zehn Jahren umfassten Studien für Impfstoffe im Schnitt nur 6700 Testpersonen.

Wird es einen Corona-Impfzwang geben?

Forschungsministerin Anja Karliczek bekräftigte, dass es keinen Impfzwang geben werde. Aber: „Je höher die Impfquote im Laufe der Zeit, desto eher ist es möglich, die vielen Einschränkungen aufzuheben und zu unserem normalen Leben zurückzukehren.“ Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist eine Durchimpfungsrate von 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung nötig, um die Corona-Pandemie zu bekämpfen.

Wer legt fest, welcher Impfstoff verabreicht wird?

Ein zugelassener Impfstoff steht zu Beginn nicht automatisch überall und für jeden sofort zur Verfügung. Er muss erst in ausreichender Menge hergestellt und verteilt werden. Zuständig für die Planung und Verteilung nach Einführung eines geeigneten Impfstoffs sind das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) und die Bundesländer. Das BMG und die Bundesländer stehen dabei zu den geplanten Regelungsverfahren im Austausch.

Wie viele Impfungen finden pro Tag statt?

Die Kampagne ist sehr umfangreich: Nach den Berechnungen des Ministeriums werden pro ZIZ täglich mindestens 1500 Impfungen veranschlagt, für die Kreisimpfzentren (KIZ) sind täglich etwa 800 Impfungen geplant. Insgesamt ist bereitet das Land sich darauf vor, rund 9 Millionen Baden-Württemberger impfen zu lassen.

Wer zahlt die Impfung, was kostet die Massenimpfung in BW?

Nach früheren Angaben kostet die Umsetzung der Corona-Impfungen das Land von Mitte Dezember an und bis Mitte April
  • rund 60 Millionen Euro allein für die Personal- und Sachkosten in den Impfzentren.
  • Die Beschaffung des Impfbestecks und die Impfstoff-Logistik sind bereits mit 15 Millionen Euro veranschlagt und genehmigt.
Die Kosten trägt laut Konzept das Land zunächst vollständig selbst. Geplant ist aber, dass sich die gesetzliche Krankenversicherung zur Hälfte daran beteiligt. Rechtlich bindend ist das allerdings nicht.